Predigt zu Römer 8,1 am Sonntag, 01.11.2026 in der EMK Adliswil

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Liebe Gemeinde,
ich mag das Lied sehr, das wir gerade gesungen haben: «Herr, ich komme zu dir, und ich steh’ vor dir, so wie ich bin.» Es ist so ein grosses Geschenk, dass wir uns vor Gott nicht zu verstellen brauchen. Ich darf sein, wer und wie ich bin. Das ist andererseits aber auch nicht ganz leicht. — Vor Gott sein. Ohne Fassade. Ohne Schutzpanzer. Wie wohl fühlen wir uns in unserer Haut, wenn wir ganz ungeschminkt dastehen? Man jede Falte, jede Narbe, jeden Fleck sieht?
Es ist wie beim morgendlichen Blick in den Spiegel: Was ist Dein erster Gedanke, wenn Du am Morgen Deinem Spiegelbild in die Augen siehst? Wohl nur selten etwas wie: «Guten Morgen, du wunderbares Geschöpf Gottes, schön, dass es dich gibt!» Viel eher meldet sich der innere Kritiker, ein Kontrollorgan, mit spitzen Kommentaren: «Warum sitzen die Augen so tief in den Höhlen?» Oder: «Wie ist diese Frisur bloss zu retten?» Vielleicht auch: «Du hast schon wieder ein paar Pfunde zugelegt!» — Wenn es wenigstens beim Äusserem bliebe! Doch wenn wir dem Spiegelbild tief in die Augen schauen, taucht schnell auch anderes Gerümpel aus dem Unterbewussten auf. Alte Szenen: Ein verletzender Satz, den wir jemandem an den Kopf geworfen haben und der uns jetzt leidtut. Eine vor fünf Jahren verpasste Chance. Eine Lebensentscheidung, die sich im Rückblick als Sackgasse entpuppt hat.









