Versöhnung — oder: Wenn Gott das Vorzeichen ändert

1. Mo­se 50,15–21

Pre­digt am 17.07.2022 in der EMK Adliswil

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Lie­be Gemeinde,

„Herr, gib mir Mut zum Brü­cken­bau­en!“ Das Lied, das wir ge­ra­de ge­sun­gen ha­ben, löst Ge­gen­sätz­li­ches aus in mir. Ei­ner­seits Zu­stim­mung: Ja, ich möch­te Brü­cken zwi­schen Men­schen bau­en kön­nen. Ich möch­te zu Ver­söh­nung, zu bes­se­rem Mit­ein­an­der: bei­tra­gen kön­nen. Ich möch­te mich auch selbst ver­söh­nen. Und ganz si­cher: Ja, da­zu brau­che ich Hil­fe, Got­tes Hil­fe! Mei­ne ei­ge­ne Kraft und Kom­pe­tenz reicht nicht. Auf mich al­lein ge­stellt bin ich oft hilf­los, wenn ich an­de­ren zu Frie­den hel­fen möch­te. Erst recht, wenn ich mich selbst ver­söh­nen möch­te oder soll­te. – Da­bei ist doch ge­nau dies der An­spruch an uns Chris­ten. Wir selbst er­war­ten es von uns. Und an­de­re for­dern von uns: Wir sol­len Bot­schaf­ter und För­de­rer der Ver­söh­nung sein (vgl. Schrift­le­sung aus 2. Ko 5,17–21). — An­de­rer­seits weh­re ich mich ge­gen den Druck sol­cher Er­war­tun­gen: Es ist be­kannt, dass Ver­söh­nung Zeit braucht, viel Zeit. Vor­schnel­le Frie­dens­schlüs­se kön­nen fa­tal sein kön­nen, wenn der Kon­flikt un­ter der Ober­flä­che wei­ter­gärt. Und ich mer­ke: Wo ich selbst in Kon­flik­te ver­wi­ckelt bin, kann (und will?) ich mich manch­mal nicht ver­söh­nen. Noch nicht. Weil die Ver­let­zung noch zu sehr schmerzt. Weil das Ver­trau­en, dass es beim nächs­ten Mal ge­hen kann, nicht da ist. Noch nicht. Weil ich noch Zeit brauche.

„Ver­söh­nung — oder: Wenn Gott das Vor­zei­chen än­dert“ wei­ter­le­sen

‘Wirtschaften’ im Reich Gottes — oder: Gott als ‘billiger Jakob’?

Je­sa­ja 55,1–5

Pre­digt am 03.07.2022 in der EMK Ad­lis­wil und in der Regenbogenkirche

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Lie­be Gemeinde,

„uf d’Wirtschaft chunnt’s a, Löli!“ Bes­ser be­kannt ist die­ses Zi­tat im eng­li­schen Ori­gi­nal: ‚It’s the eco­no­my, stu­pid!“ So lau­te­te das in­ter­ne Mot­to im Wahl­kampf­team Bill Clin­tons um die US-Prä­si­dent­schaft 1992. Ge­meint ist da­mit: Ge­wählt wird vom Volk, wer die bes­ten Chan­cen auf wirt­schaft­li­chen Fort­schritt und Meh­rung des Wohl­stands ver­spricht. Dar­auf wur­de Clin­tons Kam­pa­gne aus­ge­rich­tet. Und tat­säch­lich: Ob­wohl zu Be­ginn des Wahl­kampfs aus­sichts­los im Hin­ter­tref­fen, wur­de Bill Clin­ton klar zum Prä­si­den­ten ge­wählt. – Auf die Wirt­schaft kommt es an. So­gar in so über­sät­tig­ten Ge­sell­schaf­ten wie der us-ame­ri­ka­ni­schen oder auch der unsrigen.

„‘Wirt­schaf­ten’ im Reich Got­tes — oder: Gott als ‘bil­li­ger Ja­kob’?“ wei­ter­le­sen

getröstet bzw. bei Trost sein

Jo­han­nes 14,15–27

Pre­digt am Pfingst­sonn­tag, 05.06.2022 in der EMK Adliswil

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Lie­be Gemeinde,

„bist Du ei­gent­lich nicht mehr ganz bei Trost?“ – Es war kein gu­tes Zei­chen, wenn mei­ne Mut­ter mich das zu fra­gen müs­sen glaub­te. Dann hat­te ich et­was  Un­er­laub­tes, Ge­fähr­li­ches oder Ver­rück­tes vor … oder wo­mög­lich schon ge­tan. Laut Du­den be­deu­tet ‚nicht bei Trost sein: Ver­wirrt sein oder ver­rückt sein. Ich brau­che die Re­de­wen­dung kaum, wür­de di­rek­ter fra­gen: ‚Spinnsch ei­gent­lich?‘ oder: ‚Het’s dir is Hir­ni gschneit?‘Als Re­dens­ar­ten ge­läu­fi­ger sind mir z.B.: Ei­nen Sprung in der Schüs­sel ha­ben; nicht ganz dicht sein; nicht al­le Tas­sen im Schrank ha­ben …. — Um­ge­kehrt be­deu­te­te ‚bei Trost sein‘: Klar se­hen; bei kla­rem Ver­stand sein; ra­tio­nal den­ken kön­nen. Seit Je­sus am Kreuz ge­stor­ben war, wa­ren sei­ne Jün­ge­rin­nen und Jün­ger nicht mehr bei Trost. Die Os­ter­er­schei­nun­gen hat­ten zwar die Trau­er über­wun­den, hat­ten sie trös­ten kön­nen. Aber sie blie­ben vor­läu­fig ver­wirrt. Wie soll­ten sie sich in der neu­en Si­tua­ti­on ori­en­tie­ren? Sie blie­ben un­si­cher, wuss­ten nicht recht, was und vor al­lem wie sie es tun sollten.

„ge­trös­tet bzw. bei Trost sein“ wei­ter­le­sen

be-geist-ert

Apos­tel­ge­schich­te 2,1–13

In­put im Be­zirks­wo­chen­en­de der EMK Ad­lis­wil-Zü­rich 2 am Sonn­tag, 22.05.2022

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Lie­be Gemeinde,

ver­gan­ge­nen Sonn­tag bin ich mit vie­len FCSG-Fans Zug ge­fah­ren. Es war ja der Cup­fi­nal. Der gan­ze Zug war von grün-weiss be­stimmt. Am Mor­gen wa­ren die Leu­te vol­ler Vor­freu­de. Die At­mo­sphä­re knis­ter­te, auf ei­ne durch­aus an­ge­neh­me Wei­se. Am Abend war es dann ziem­lich still. Der FCSG ist ja ge­gen den FC Lu­ga­no ziem­lich un­ter­ge­gan­gen. Die Stim­mung war aber auch da friedlich.

Was ha­ben Fuss­ball-Fans mit un­se­rem Glau­ben zu tun? Kann man von ih­nen et­was ler­nen im Blick auf ‘Feu­er und Flam­me’ sein? – Nun ja, Fuss­ball-Fans (ich re­de jetzt nicht von den ‘Ul­tras’) sind sehr be­geis­te­rungs­fä­hig. Sie sind Feu­er und Flam­me für ih­ren Ver­ein. Und sie blei­ben ihm treu, auch in schwie­ri­gen Zei­ten. – Ei­gen­schaf­ten, die Chris­ten im Ver­hält­nis zu ih­rem Glau­ben ge­nau­so gut an­ste­hen. Dar­über hin­aus bie­tet der Fuss­ball al­ler­lei Ver­glei­che für un­ser Glaubensfeuer.

„be-geist-ert“ wei­ter­le­sen

Die Gute Nachricht ins Gespräch bringen

Apos­tel­ge­schich­te 17,16–34

Pre­digt in der EMK Ad­lis­wil am Sonn­tag, 08.05.2022

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Lie­be Gemeinde,

wir ha­ben den Pre­digt­text aus Agp 17 eben ge­hört: Pau­lus ist in Athen. Zu­nächst geht er her­um wie ein Tou­rist und sieht sich al­les ge­nau an. Er bleibt aber nicht di­stan­zier­ter Be­ob­ach­ter, son­dern geht auf die Se­hens­wür­dig­kei­ten ein. Er är­gert sich über Göt­zen­bil­der und spricht Ein­hei­mi­sche dar­auf an. Die fin­den es in­ter­es­sant, ihm zu­zu­hö­ren und la­den ihn ein, sei­ne Ge­dan­ken auf dem Areo­pag, dem gros­sen Mark­platz, vor­zu­tra­gen. Dort hält der Apos­tel ei­ne be­mer­kens­wer­te Re­de. – Be­mer­kens­wert, weil er nicht zu­erst sei­nem Zorn über die Göt­zen­bil­der Luft macht. Son­dern Pau­lus sucht und fin­det ei­nen An­knüp­fungs­punkt: Den Al­tar für den un­be­kann­ten Gott. Von dort aus kann er die Gu­te Nach­richt von Chris­tus entfalten.

„Die Gu­te Nach­richt ins Ge­spräch brin­gen“ wei­ter­le­sen

Gnade als Herausforderung

Mat­thä­us 20,1–16

Pre­digt in der EMK Ad­lis­wil am Sonn­tag, 01.05.2022

al­le paar Jah­re ein­mal fällt wie heu­te der 1. Mai auf ei­nen Sonn­tag. Was Schü­le­rIn­nen und Ar­beit­neh­me­rIn­nen wo­mög­lich frus­triert (→‘Aus­fall‘ ei­nes Fei­er­tags), ist Ar­beit­ge­be­rIn­nen viel­leicht will­kom­men. Und ob die Ge­werk­schaf­ten so mehr oder we­ni­ger Mü­he ha­ben, Leu­te für ih­re Kund­ge­bun­gen zu re­kru­tie­ren, kann ich nicht beurteilen.

Was ma­chen wir als Kir­che, als Chris­ten mit die­sem Fei­er­tag, dem ‚Tag der Ar­beit‘? Es ist ja kein christ­li­cher Fei­er­tag. Von sei­ner Ent­ste­hung her trägt er viel­leicht so­gar kir­chen­kri­ti­sche und re­li­gi­ons­kri­ti­sche Zü­ge. Doch die An­lie­gen von mehr so­zia­ler Ge­rech­tig­keit, von An­nä­he­rung zwi­schen reich und arm, von ‚glei­cher Lohn für glei­che Ar­beit‘ etc. müss­ten auch Kir­chen und Chris­ten wich­tig sein. Im­mer­hin wer­den sie von der Bi­bel deut­lich unterstützt.

„Gna­de als Her­aus­for­de­rung“ wei­ter­le­sen

Auferstanden — schwer zu glauben

Pre­digt in der EMK Ad­lis­wil am Os­ter­sonn­tag, 17.04.2022

der äl­tes­te Os­ter­be­richt der Evan­ge­li­en hör­te ur­sprüng­lich so auf, wie wir es in der Schrift­le­sung ge­hört ha­ben: „Da gin­gen sie (die Frau­en) hin­aus und flo­hen weg vom Grab, denn sie wa­ren starr vor Angst und Ent­set­zen. Und sie sag­ten nie­man­dem et­was, denn sie fürch­te­ten sich“ (Mk 16,8). Dar­in spie­gelt sich et­was da­von, wie schwer die Auf­er­ste­hungs­bot­schaft zu fas­sen ist. Sie liegt ja ganz aus­ser­halb un­se­res üb­li­chen Wahr­neh­mungs- und Er­fah­rungs­ho­ri­zon­tes. Aus­ser­dem steck­ten Je­su Jün­ge­rIn­nen in ei­ner tie­fen Depression.

„Auf­er­stan­den — schwer zu glau­ben“ wei­ter­le­sen

Die sieben Worte Jesu am Kreuz

Pre­digt in der EMK Ad­lis­wil am Kar­frei­tag, 15.04.2022

Bi­bel­tex­te: Jo­han­nes 19,26–30; Lk 23,34.43.46; Mk 15,34

Die letz­ten Wor­te, die ein Mensch vor sei­nem Tod ge­sagt hat, er­hal­ten in der Er­in­ne­rung der An­ge­hö­ri­gen ger­ne ganz be­son­de­res Ge­wicht. Im Rück­blick er­scheint bis­wei­len ein gan­zes Le­bens­werk dar­in zu­sam­men­ge­fasst. Letz­te Wor­te wer­den als Ver­mächt­nis zi­tiert und prä­gen so die Er­in­ne­rung der Nach­welt. — Kar­frei­tag ist der Ge­denk­tag des Ster­bens Je­su. Auch von ihm sind letz­te Wor­te über­lie­fert. Al­le vier Evan­ge­li­en zi­tie­ren, was er im Ster­ben zu­letzt noch sag­te. Sie be­rich­ten al­ler­dings nicht das glei­che. Es sind ins­ge­samt sie­ben letz­te Sät­ze Je­su, die uns über­lie­fert wer­den. Wel­cher da­von nun tat­säch­lich der Letz­te war, wis­sen wir nicht. Aber zu­sam­men kann man sie als Ver­mächt­nis Je­su ver­ste­hen. Es sind Sät­ze, die das Ge­sche­hen auf Gol­ga­tha deu­ten und da­bei ver­schie­de­ne Aspek­te des Heils­ge­sche­hens auf­zei­gen. Ich will heu­te die­sen sie­ben letz­ten Wor­ten Je­sus am Kreuz ent­lang­ge­hen und mich da­bei an die Rei­hen­fol­ge hal­ten, die ei­ne al­te kirch­li­che Tra­di­ti­on vorgibt.

„Die sie­ben Wor­te Je­su am Kreuz“ wei­ter­le­sen

Jesus nachfolgen

Pre­digt in der EMK Ad­lis­wil am 20.03.2022

Bi­bel­tex­te: Lu­kas 9,57–62

‘wer A sagt, muss auch B sa­gen!‘ So drü­cken wir re­dens­art­lich aus, dass un­ser Han­deln und Er­le­ben sei­ne Kon­se­quen­zen hat. Das gilt auch für den Be­reich des Glau­bens: Vie­le, die Je­sus be­geg­ne­ten, er­fuh­ren zu­nächst Zu­spruch oder er­leb­ten Hei­lung. „Dein Glau­be hat Dir ge­hol­fen!“, sag­te er zu vie­len. Doch da­nach ging es wei­ter. Sie hör­ten dann auch: „Sün­di­ge von nun an nicht mehr!“, oder: „Fol­ge mir nach!“

„Je­sus nach­fol­gen“ wei­ter­le­sen

Sich segnen lassen

Pre­digt im Sal­bunggot­tes­dienst in der EMK Ad­lis­wil am 06.03.2022

Bi­bel­tex­te: Ge­ne­sis 32,23–32

Co­py­right: Die­ter Schütz  / pixelio.de

ein Seg­nungs­got­tes­dienst steht heu­te auf dem Pro­gramm, ja so­gar – dank der Auf­he­bung der Pan­de­mie­re­geln – ein Sal­bungs­got­tes­dienst. End­lich wie­der ein­mal. Das ist et­was für uns, für je­den und je­de ganz per­sön­lich. Das An­ge­bot ei­nes himm­li­schen Ge­schenks. Geist­li­che Wellness.

Ja, aber … geht das in die­sen Zei­ten? An­ge­sichts der Welt­la­ge? Dür­fen wir et­was nur für uns ma­chen? Das wirkt doch sehr selbst­be­zo­gen, grenzt wo­mög­lich an re­li­giö­se Selbst­be­frie­di­gung. – Ich hö­re schon die Kri­tik: „Da sieht man es wie­der: Die ‚From­men‘ den­ken eben doch vor al­lem an sich selbst. Küm­mern sich nicht um die Welt! Schot­ten sich ab!“

„Sich seg­nen las­sen“ wei­ter­le­sen