Echte Freiheit verträgt keine Götzen

Foto: Arto Marttinen

«Ich bin der Herr, dein Gott, der dich herausgeführt hat aus dem Land Ägypten, aus einem Sklavenhaus. Du sollst keine anderen Götter haben neben mir.» (Exodus 20, 2-3)

Häufig wird der Inhalt des dritten Verses – «Du sollst keine anderen Götter haben neben mir» – als erstes Gebot bezeichnet. Es wird dabei aber normalerweise überlesen, dass dieses Gebot sozusagen eine Präambel der Freiheit hat: Was ist das für ein Gott, der keine anderen Götter neben sich toleriert? Antwort: Er ist ein Befreier. Er ist derjenige, der die Israeliten aus der Sklaverei geführt hat. Für uns als Christen gilt etwas ganz Ähnliches. Der Gott, den wir anbeten, ist derjenige, der seinen eigenen Sohn hingegeben hat, um uns von der Sklaverei des Gesetzes und der Sünde zu befreien.

Versklavende Götzen

Weshalb verbietet dieser befreiende Gott uns dann gleich im Anschluss daran, andere Götter zu haben neben ihm? Die Antwort ist, vielleicht überraschenderweise, dieselbe: Weil er möchte, dass wir frei sind. Götzen sind das pure Gegenteil von Freiheit.

Denn was ist ein Götze? Etwas anderes als Gott, das aber in unserem Leben den Platz Gottes einnimmt. Wenn wir also in unserem Leben etwas haben, das nicht Gott ist, von dem wir alles Gute und alle Erfüllung erwarten, auf das wir in letzter Instanz vertrauen, so ist es ein Götze von uns.

Aber weshalb machen solche Götzen unfrei, weshalb versklaven sie uns am Ende? Das ist ja auf den ersten Blick nicht offensichtlich. Was hat das zum Beispiel mit Sklaverei zu tun, dass jemand sein tiefstes Vertrauen auf Geld setzt? Tatsächlich ziemlich viel: Wenn jemand sein Vertrauen auf Geld setzt, dann muss er natürlich unbedingt genügend davon haben. Es darf ihm auf keinen Fall abhanden kommen. Nur schon der Gedanke daran treibt ihm den Angstschweiss auf die Stirn. Deshalb denkt er täglich, stündlich, minütlich darüber nach, ob sein Geld sicher ist, wie er es noch besser anlegen könnte, wie er noch weniger ausgeben könnte. So ein Mensch ist ein Sklave des Geldes, auch wenn er keine sichtbaren Ketten trägt.

Ähnliche Gefahren bestehen auch, wenn wir unser tiefstes Vertrauen in einen Menschen setzen. Doch bei Menschen kommt noch etwas hinzu: Sie können sich dafür entscheiden, nichts mehr mit uns zu tun haben zu wollen. In dem Fall geht es dem entsprechenden Menschen vielleicht noch gut. Aber das bringt uns dann wenig, wenn er, unser ein und alles, sich völlig von uns abgewandt hat, uns vielleicht sogar hasst. Die Furcht vor einem solchen Abwenden kann dazu führen, dass wir bei allem was wir tun nur noch überlegen: Gefällt es ihm oder ihr? Wir werden dann zu Sklaven dieses Menschen. Damit soll natürlich nicht gesagt sein, dass wir keinen Menschen vertrauen sollen – aber wir sollten keine anderen Menschen vergöttern.

Der befreiende Gott

Weshalb soll das bei Gott anders sein? Weshalb werden wir nicht wieder zu Sklaven, wenn wir unser tiefstes Vertrauen nicht auf irgendwelche Götzen, sondern auf den dreieinigen Gott setzen? Kurz gesagt deshalb, weil Er Er ist. Er kann uns nicht abhanden kommen. Er ist Gott, der ewige und allmächtige. Wir müssen uns deshalb keine Sorgen machen, dass unsere wichtigste Stütze, unser Fels auf einmal wegbricht. Und Er wird sich niemals von uns abwenden. Weshalb wir das wissen? Weil er seinen eigenen Sohn für uns hingegeben hat. Und er würde es wieder tun, wenn es nötig wäre.

Wenn wir einem solchen Gott vertrauen und ihm nachfolgen, dann werden wir befreit dazu, zu leben, wie er uns geschaffen hat: Als seine Ebenbilder.

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