Von selbst

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zu Markus 4,26–28

Gegen das Grundge­fühl unser­er geschäfti­gen Zeit lädt das Gle­ich­nis von der selb­st­wach­senden Saat zu viel Gelassen­heit ein. Schliesslich wach­se «von selb­st» (im Griechis­chen ste­ht das Wort «automa­tisch»), was es ein­mal zu ern­ten gebe.

Von nichts kommt nichts

«Von nichts kommt nichts!» – So glaubt der Volksmund. Entsprechend engagiert und bisweilen ver­bis­sen arbeit­en wir, um etwas zu erre­ichen. Ange­blich lacht das Glück ja dem Tüchti­gen. Auch Kirchen und Gemein­den sind von dieser Hal­tung angesteckt. Wir entwer­fen Konzepte, definieren und über­prüfen Ziele und rack­ern uns dann ab, um diese Ziele zu erre­ichen. Nicht sel­ten sind wir aber später frus­tri­ert, wenn wir merken, dass der Ertrag nicht dem Aufwand entsprochen und der Berg nur ein Mäuschen geboren hat. Wir fühlen uns wie der leg­endäre Sysi­phus und begin­nen immer wieder von vorne. Und beim näch­sten Anlauf arbeit­en wir noch etwas härter. So muss der Erfolg doch kom­men, früher oder später. So zu denken scheint ein unan­fecht­bares Cre­do unser­er Zeit zu sein.

Laisser-faire

Ganz anders klingt ein Gle­ich­nis, das nur im Merkus-Evan­geli­um zu find­en ist. Jesus erzählt (in Mk 4,26–28): «Mit dem Reich Gottes ist es so, wie wenn ein Men­sch Samen aufs Land wirft und schläft und auf­ste­ht, Nacht und Tag; und der Same geht auf und wächst – er weiss nicht wie. Denn von selb­st bringt die Erde Frucht, zuerst den Halm, danach die Ähre, danach den vollen Weizen in der Ähre.» Diese Geschichte ist eine Zumu­tung für alle  Fleis­si­gen und Tüchti­gen. Wie soll man es denn aushal­ten, nicht aktiv zu sein, son­dern geduldig und ver­trauensvoll zu warten, bis von sel­ber wird, worauf man hofft?

Nicht faul, aber gelassen
Bildquelle: Kunstart.net / pixelio.de

Freilich geht es nicht um Dolce far niente. Jesus redet nicht der Faul­heit das Wort. Aber er ermuntert zu mehr Ver­trauen und zu mehr Gelassen­heit. Wir kön­nen ja den Erfolg nicht aus eigen­er Kraft bew­erk­stel­li­gen und garantieren. Und wir müssen das auch gar nicht. Son­dern wir sind vielmehr ein­ge­laden, auf das Wirken Gottes, das all unser Tun und Ver­ste­hen über­steigt, zu ver­trauen. — Wie ent­las­tend das wäre und was für ein starkes Mit­tel gegen dro­hende Res­ig­na­tion, wenn ich Gott mehr zutrauen und ihm mehr Zeit zum Wirken geben kön­nte! Die Her­aus­forderung beste­ht darin, darauf zu ver­trauen, dass Gott zur gegebe­nen Zeit wach­sen und reifen lässt, was aus­gesät wor­den ist.

Beten UND Arbeiten

Klar festzuhal­ten ist aber: So ein­seit­ig und falsch es ist, alles aus eigen­er Kraft bew­erk­stel­li­gen und bewirken zu wollen, so falsch ist es auch, sich gar nicht zu engagieren mit der Begrün­dung: Gott allein lässt wach­sen, was eines Tages geern­tet wer­den kann. Es geht eher darum, ein gutes Gle­ichgewicht zu find­en. Ein Mar­tin Luther zugeschriebenes Zitat bringt es ganz gut auf den Punkt: «Man muss beten, als ob alles Arbeit­en nichts nützen, und arbeit­en, als ob alles Beten nichts nützen würde.» – In diesem Sinne wün­sche ich mir und Ihnen ein überzeugtes und gelun­ge­nes Engage­ment in unseren Auf­gaben. Und zugle­ich das gelassene Ver­trauen, dass dank Gottes Wirken und Segen unser Engage­ment Gutes bewirkt. Denn Gott lässt wach­sen und reifen. Und ihm ver­danken wir, dass es immer wieder etwas zu ern­ten gibt.

(Dieser Beitrag basiert auf einem Wort zum Tag, das am 5.März 2016 bei ERF Plus über den Sender ging.)

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