Von selbst

Bild­quel­le: Rai­ner Sturm — pixelio.de

zu Mar­kus 4,26–28

Ge­gen das Grund­ge­fühl un­se­rer ge­schäf­ti­gen Zeit lädt das Gleich­nis von der selbst­wach­sen­den Saat zu viel Ge­las­sen­heit ein. Schliess­lich wach­se «von selbst» (im Grie­chi­schen steht das Wort «au­to­ma­tisch»), was es ein­mal zu ern­ten ge­be.

Von nichts kommt nichts

«Von nichts kommt nichts!» – So glaubt der Volks­mund. Ent­spre­chend en­ga­giert und bis­wei­len ver­bis­sen ar­bei­ten wir, um et­was zu er­rei­chen. An­geb­lich lacht das Glück ja dem Tüch­ti­gen. Auch Kir­chen und Ge­mein­den sind von die­ser Hal­tung an­ge­steckt. Wir ent­wer­fen Kon­zep­te, de­fi­nie­ren und über­prü­fen Zie­le und ra­ckern uns dann ab, um die­se Zie­le zu er­rei­chen. Nicht sel­ten sind wir aber spä­ter frus­triert, wenn wir mer­ken, dass der Er­trag nicht dem Auf­wand ent­spro­chen und der Berg nur ein Mäus­chen ge­bo­ren hat. Wir füh­len uns wie der le­gen­dä­re Sy­si­phus und be­gin­nen im­mer wie­der von vor­ne. Und beim nächs­ten An­lauf ar­bei­ten wir noch et­was här­ter. So muss der Er­folg doch kom­men, frü­her oder spä­ter. So zu den­ken scheint ein un­an­fecht­ba­res Cre­do un­se­rer Zeit zu sein.

Laisser-faire

Ganz an­ders klingt ein Gleich­nis, das nur im Mer­kus-Evan­ge­li­um zu fin­den ist. Je­sus er­zählt (in Mk 4,26–28): «Mit dem Reich Got­tes ist es so, wie wenn ein Mensch Sa­men aufs Land wirft und schläft und auf­steht, Nacht und Tag; und der Sa­me geht auf und wächst – er weiss nicht wie. Denn von selbst bringt die Er­de Frucht, zu­erst den Halm, da­nach die Äh­re, da­nach den vol­len Wei­zen in der Äh­re.» Die­se Ge­schich­te ist ei­ne Zu­mu­tung für al­le  Fleis­si­gen und Tüch­ti­gen. Wie soll man es denn aus­hal­ten, nicht ak­tiv zu sein, son­dern ge­dul­dig und ver­trau­ens­voll zu war­ten, bis von sel­ber wird, wor­auf man hofft?

Nicht faul, aber gelassen
Bild­quel­le: Kunstart.net / pixelio.de

Frei­lich geht es nicht um Dol­ce far nien­te. Je­sus re­det nicht der Faul­heit das Wort. Aber er er­mun­tert zu mehr Ver­trau­en und zu mehr Ge­las­sen­heit. Wir kön­nen ja den Er­folg nicht aus ei­ge­ner Kraft be­werk­stel­li­gen und ga­ran­tie­ren. Und wir müs­sen das auch gar nicht. Son­dern wir sind viel­mehr ein­ge­la­den, auf das Wir­ken Got­tes, das all un­ser Tun und Ver­ste­hen über­steigt, zu ver­trau­en. — Wie ent­las­tend das wä­re und was für ein star­kes Mit­tel ge­gen dro­hen­de Re­si­gna­ti­on, wenn ich Gott mehr zu­trau­en und ihm mehr Zeit zum Wir­ken ge­ben könn­te! Die Her­aus­for­de­rung be­steht dar­in, dar­auf zu ver­trau­en, dass Gott zur ge­ge­be­nen Zeit wach­sen und rei­fen lässt, was aus­ge­sät wor­den ist.

Beten UND Arbeiten

Klar fest­zu­hal­ten ist aber: So ein­sei­tig und falsch es ist, al­les aus ei­ge­ner Kraft be­werk­stel­li­gen und be­wir­ken zu wol­len, so falsch ist es auch, sich gar nicht zu en­ga­gie­ren mit der Be­grün­dung: Gott al­lein lässt wach­sen, was ei­nes Ta­ges ge­ern­tet wer­den kann. Es geht eher dar­um, ein gu­tes Gleich­ge­wicht zu fin­den. Ein Mar­tin Lu­ther zu­ge­schrie­be­nes Zi­tat bringt es ganz gut auf den Punkt: «Man muss be­ten, als ob al­les Ar­bei­ten nichts nüt­zen, und ar­bei­ten, als ob al­les Be­ten nichts nüt­zen wür­de.» – In die­sem Sin­ne wün­sche ich mir und Ih­nen ein über­zeug­tes und ge­lun­ge­nes En­ga­ge­ment in un­se­ren Auf­ga­ben. Und zu­gleich das ge­las­se­ne Ver­trau­en, dass dank Got­tes Wir­ken und Se­gen un­ser En­ga­ge­ment Gu­tes be­wirkt. Denn Gott lässt wach­sen und rei­fen. Und ihm ver­dan­ken wir, dass es im­mer wie­der et­was zu ern­ten gibt.

(Die­ser Bei­trag ba­siert auf ei­nem Wort zum Tag, das am 5.März 2016 bei ERF Plus über den Sen­der ging.)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.