Fürbitte statt Faust im Sack

Pho­to by Ümit Bu­lut on Unsplash

zu Je­re­mia 29,4–14

Wir hät­ten al­len Grund, zu­frie­den und glück­lich zu sein. Man kann kaum ir­gend­wo auf der Welt bes­ser le­ben. Den­noch ge­hö­ren Schwei­zerinnen und Schwei­zer nicht zu den glück­lichs­ten Men­schen welt­weit. Wir ha­ben uns an­ge­wöhnt, auf Män­gel und De­fizite zu schau­en, auf das, was nicht ganz per­fekt ist. So näh­ren wir Unzu­friedenheit und sind bis­wei­len ge­fähr­det, im Selbst­mit­leid zu ver­sin­ken. Wir ma­chen die Faust im Sack und är­gern uns über Be­hör­den, Po­li­ti­ker, Nachbarn …

Den Is­rae­li­ten, die im 6.Jahrhundert vor Chris­tus ins Exil nach Ba­by­lon ver­schleppt wor­den wa­ren, ging es viel schlech­ter als uns hier und heu­te. Sie hat­ten ih­re Zu­kunft ver­lo­ren, ih­re Selb­stän­dig­keit und muss­ten dar­um kämp­fen, um über­haupt zu über­le­ben. Wer woll­te ih­nen ei­nen Vor­wurf ma­chen, wenn sie selbst­mit­lei­dig jam­mern und die Faust im Sack ma­chen wollten?

Doch der Pro­phet Je­re­mia, der ei­nen Brief nach Ba­by­lon schickt, ge­steht ih­nen das nicht zu. Viel­mehr for­dert er sie auf, für die Stadt, in der sie nun ge­zwun­ge­ner­mas­sen le­ben müs­sen, zu be­ten. “Be­tet für die­je­ni­gen, wel­che euch ins Elend ge­stos­sen ha­ben. Denn” — so die Be­grün­dung — “wenn es ih­nen gut geht, geht es euch auch gut.” Für­bit­te für an­de­re tut auch uns sel­ber gut.

Mir leuch­tet das ein. Ich will für die Men­schen, un­ter de­nen ich le­be, be­ten. Ich will für mei­ne Stadt be­ten. Und mer­ke doch: Für­bit­te funk­tio­niert bei mir sel­ten von selbst. Oft muss ich mir ei­nen Schupf ge­ben und dis­zi­pli­niert dar­auf ach­ten, beim Be­ten nicht nur ei­ge­ne An­lie­gen zu be­we­gen, son­dern auch an mei­ne Mit­men­schen zu den­ken. Da­bei hilft mir oft Mu­sik, z.B. das Lied ‘Pray­er for the Ci­ty’ des Os­lo Gos­pel Choir. Ich ha­be da­zu vor ei­ni­ger Zeit ei­ne Bild­me­di­ta­ti­on er­stellt. Ich stel­le sie hier ger­ne zu Ver­fü­gung in der Hoff­nung, dass sie da und dort et­was Rü­cken­wind fürs Für­bit­te­ge­bet ge­ben kann.

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