Wieviel Pilatus steckt in uns?

«Als Pilatus sah, dass er nichts erreichte, vielmehr die Unruhe wuchs, nahm er Wasser, wusch sich vor den Augen des Volkes die Hände und sagte: Ich bin unschuldig an diesem Blut. Seht ihr zu!» (Matth. 27, 24)

Was für eine überraschende Handlung – und was für eine überraschende Aussage des mächtigsten Mannes in Jerusalem! Zur Erinnerung: Pilatus spricht diese Worte, nachdem er Jesus ins Verhör genommen und für unschuldig befunden hat. Als er merkt, dass die Bevölkerung von Jerusalem Jesus trotzdem verurteilt haben will, knickt er ein. Der direkte Vertreter des mächtigsten Imperiums, das die Welt damals kannte, kapituliert vor einem kaum bewaffneten, von einigen Gegnern Jesu angefeuerten Haufen. Und dann tut er auch noch so, als wäre er unschuldig an der Verurteilung von Jesus.

Wie kann jemand nur so wenig Rückgrat haben? Wenn ich es mir genauer überlege, dann erkenne ich mehr Gemeinsamkeiten zwischen Pilatus und mir als mir lieb ist.

Ein Beispiel

Als Christen glauben wir, dass uns die Schöpfung anvertraut wurde zur sorgfältigen Verwaltung. Der Konsum in den westlichen Ländern hat aber mittlerweile Ausmasse erreicht, die sich negativ auf die Schöpfung auswirken. So verursacht beispielsweise die Herstellung und die Entsorgung unserer elektronischen Geräte – Kühlschränke, Computer, Handys, etc – grosse Umweltschäden und menschliches Leid. Verschliessen wir davor die Augen:

Ghanaer arbeiten in Agbogbloshie, einer Vorstadt von Accra, Ghana. Bild: Marlenenapoli/CC

Im Bild ist eine Deponie für elektronische Geräte aus den Industrieländern. Ghanaer schlachten diese Geräte unter schädlichen Bedingungen aus. Was dort passiert, hat ganz direkt mit uns zu tun: Es liegt an uns Bewohnern von reichen Industrieländern, die diesen Müll verursachen, diese Situationen wahrzunehmen und aktiv zu werden. Werden wir aktiv gegen diese Missstände, oder gehen wir wie Pilatus den Weg des geringsten Widerstandes und tun so, als ob das alles gar nichts mit uns zu tun hätte?

Das Pilatus-Problem

«Ich kann doch sowieso nichts bewirken, da halte ich mich besser raus.» So oder ähnlich könnte man die Einstellung von Pilatus beschreiben. Kommt sie Dir bekannt vor? Ich selbst gerate immer wieder in Gefahr, mich selbst als bedeutungslos, meine Handlungsmöglichkeiten als lächerlich gering wahrzunehmen. Was können wir schon bewirken angesichts des Elends auf diesem Ghanaischen Elektroschrott-Haufen?

Hast Du vergessen, dass Du selbst ein Reich vertrittst, das zwar nicht von dieser Welt ist, das aber die mächtigste Kraft zum Guten ist,die die Welt je gesehen hat? Dass Gott gerade mit Dir Dein Reich bauen wird, dass Er neben Dir her gehen wird, wenn Du Dich aufmachst, Deine Schöpfungsverantwortung wahrzunehmen, gegen Unrecht anzukämpfen? Wenn Du also glaubst, dass Du selbst nichts bewirken kannst, dann glaubst Du eigentlich, dass Gott nichts bewirken kann. Was für ein Unsinn!

Ein Gedanke zu „Wieviel Pilatus steckt in uns?“

  1. Es ist schwierig die Schöpfungsverantwortung immer wahrzunehmen. Vor allem hat sich im Leben viel Müll angesammelt, dies merkt man vor allem wen man ein Haus räumen sollte in dem man 45 Jahre gelebt hat. Wir versuchen jedoch alles korrekt zu entsorgen und nicht mehr so viel Zeugs anzuhäufen.
    Ob das der Schöpfung hilft?

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.