Sich selbst vergessen?

Bild­quel­le: Ha­rald Wirth / pixelio.de

Zu Mat­thä­us 6,33, Mat­thä­us 10,39Mat­thä­us 16,24

In sei­ner For­mu­lie­rung des Lie­bes­ge­bots spricht Je­sus vom Gleich­ge­wicht zwi­schen der Lie­be zu den Mit­men­schen und der Lie­be zu sich selbst (vgl. Mk 12,31). Ich soll mich selbst nicht lie­ber ha­ben als die Men­schen um mich her­um. Schon das for­dert mich oft ganz schön he­raus. Wenn dann Je­sus aber so­gar von Selbst­ver­leug­nung re­det oder da­von, dass ich mich sel­ber ver­ges­sen und nur an die För­de­rung des Rei­ches Got­tes den­ken soll, füh­le ich mich schlicht über­for­dert. Die Angst, ich selbst könn­te da­bei zu kurz kom­men, greift nach mei­nem Herz.

Ich müss­te ihm mehr ver­trau­en kön­nen und dar­an fest­hal­ten, dass er für mich be­stimmt Gu­tes will. Dann kä­me ich ei­nem gros­sen Ge­heim­nis des Glau­bens auf die Spur: Wer ganz bei dem ist, was sei­ne Auf­ga­be ist, wer sich selbst­ver­ges­sen ver­schen­ken kann an die­je­ni­gen, die ihn brau­chen, kommt selbst be­stimmt nicht zu kurz. Das bringt Je­sus in der Berg­pre­digt so auf den Punkt: “Trach­tet zu­erst nach dem Reich Got­tes und nach sei­ner Ge­rech­tig­keit, so wird euch das al­les zu­fal­len!” (Mt 6,33 nach Lu­ther 84). Ich ah­ne, dass dies gar nicht nur ei­ne For­de­rung, son­dern min­des­tens ge­nau­so sehr ei­ne Ver­heis­sung sein könn­te.

Nicht zu­erst an den ei­ge­nen Vor­teil, ans ei­ge­ne Über­le­ben den­ken. Das könn­te nicht nur für ein­zel­ne Men­schen, son­dern auch für Grup­pen, Ge­mein­den und Kir­chen rat­sam sein. Da­von spricht Wal­ter Wil­helm, der neue Ver­ant­wort­li­che für ‘Dia­ko­nie und Seel­sor­ge’ im Dia­ko­nat Be­thes­da, in ei­nem In­ter­view. Dar­in fin­de ich Sät­ze, die mich zu­gleich an­spre­chen und her­aus­for­dern, z.B.: ” Kir­che wird ler­nen müs­sen, sich zu ver­schen­ken – un­ei­gen­nüt­zig zu sein, auf die Ge­fahr hin, sich da­durch auf­zu­lö­sen. Es ge­hört zu den Ge­heim­nis­sen des Glau­bens, dass die Angst um sich sel­ber fehl am Platz ist.”

Ge­bet: Je­sus Chris­tus, er­lö­se mich von mei­ner Angst um mich sel­ber. Lass mich ent­de­cken, dass ich nicht zu kurz kom­me, wenn ich mich in Dei­nem Na­men für an­de­re en­ga­gie­re. Amen.

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