Querdenker

Bildquelle: http://www.fastbeat.ch/2012/05/reisebericht-japan/, aufgerufen am 25.04.2018. 10.00

zu Jesa­ja 55,8f

Die neueste Aus­gabe der antenne (Medi­en­magazin aus dem Haus ERF Medi­en) bringt mich auf das Stich­wort Quer­denker. Das sind Leute, deren Denken nicht ein­fach aus­ge­trete­nen Pfaden fol­gt, die uner­wartete the­ma­tis­che Ver­knüp­fungen wahrnehmen und neue Ideen kreieren kön­nen. Sie eck­en zwar häu­fig an mit ihren Gedanken. Aber sie sind oft bess­er als andere in der Lage, notwendi­ge Verän­derun­gen anzustossen.

Viele bib­lis­che Per­sön­lichkeit­en waren wohl aus­ge­sproch­ene Quer­denker. Ich denke etwa an Amos, der über per­fekt insze­nierte Opfer und Gesänge im Tem­pel­gottes­di­enst urteilte: “Gott mag den Lärm eur­er Lieder nicht und eure Bran­dopfer stechen ihm in die Nase!” (vgl. Amos 5,21–24). Oder ich denke an Paulus, der über tra­di­tionell unver­rück­bare Gren­zen hin­aus­denken kon­nte und schrieb: “Da ist wed­er Jude noch Grieche, da ist wed­er Sklave noch Freier, da ist nicht Mann und Frau. Denn ihr seid alle eins in Chris­tus Jesus” (Galater 3,28). Und ich denke natür­lich an Jesus selb­st, der sich in der Begeg­nung mit Sün­dern nicht an der Strenge des Geset­zes, son­dern an der gren­zen­losen Liebe Gottes ori­en­tierte. Er war es auch, der begriff und erlitt, dass Bös­es nicht durch Gewalt, son­dern nur im Aushal­ten zu über­winden ist.

Bildquelle: w.r.wagner / pixelio.de

Ich bin selb­st höchst sel­ten ein Quer­denker. Manch­mal bin ich ein nicht sehr präzis­er Schnelldenker, häu­figer aber ein wohl allzu gründlich­er Nach­denker. Aber ich ahne, dass wir in Gesellschaft und Kirche mehr Quer­denker brauchen bzw. bess­er auf sie zu hören ler­nen müssen. So wären wir aktuellen Her­aus­forderun­gen eher gewach­sen. Denn Quer­denker haben oft das beste Gespür dafür, dass wir Gottes Ideen noch bei weit­em nicht umge­set­zt haben, ja, dass seine Gedanken das, was wir für nor­mal und richtig hal­ten, sehr oft radikal durchkreuzen. Seine Gedanken sind eben nicht unsere Gedanken (vgl. Jes 55,8f). Aber seine Gedanken wür­den dort viel weit­er­führen, wo wir mit unseren Ideen längst wie der Esel am Berg stehen.

Quer­denker kön­nten uns in der Gemeinde z.B. zu ent­deck­en helfen: Es geht nicht darum, unsere eige­nen Bedürfnisse möglichst opti­mal zu man­a­gen. Son­dern es geht darum, den Men­schen im Namen Gottes zu dienen und sie mit der Liebe Christi in Kon­takt zu brin­gen. Etwa so, wie es im Mis­sion State­ment der EMK heisst: “Unsere Mis­sion ist, Men­schen in die Nach­folge Jesu Christi führen, um so die Welt zu verän­dern.”  - Wenn wir auf Quer­denker in unseren Rei­hen hören und ihren Ideen zu fol­gen wagen, wür­den wir wohl auch erleben, dass wir selb­st dabei nicht zu kurz kom­men. Jesus sagte es so: “Sorgt euch zuerst darum, dass ihr euch sein­er Herrschaft unter­stellt, und tut, was er ver­langt, dann wird er euch schon mit all dem anderen ver­sor­gen” (vgl. Mt 6,33).

Darum bete ich erstens um mehr Quer­denker, zweit­ens um die Fähigkeit, ihre Ideen ernst zu nehmen und drit­tens um den Mut, Schritte auf neuen Wegen zu wagen.

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