GASTBEITRAG: Neue Wege gehen

von Rolf Wüth­rich, Pfar­rer EMK Män­ne­dorf

Wisst ihr noch, als wir im­mer wie­der über die Fra­gen zur Ho­mo­se­xua­li­tät spra­chen? Er­in­nert ihr euch noch wa­ren, wie man dar­über dis­ku­tier­te, ob kon­ser­va­tiv, in­klu­siv und pro­gres­siv ad­äqua­te Aus­drü­cke für die ver­schie­de­nen La­ger der Kir­che sei­en? Mögt ihr Euch noch dar­an er­in­nern, als dar­über ge­strit­ten wur­de, ob die neu­en Stüh­le in den Kir­chen­raum pas­sen oder ob doch die al­ten Bän­ke so­li­der sei­en? Denkt ihr noch an frü­her, als man sich über die Recht­schrei­be­feh­ler im Ge­mein­de­brief är­ger­te oder sich dar­über auf­reg­te wie die Per­so­nen des Lob-Preis Teams an­ge­zo­gen wa­ren?

Das al­les war da­mals. Jetzt ist ei­ne an­de­re Zeit. Wir sind exis­ten­ti­ell be­droht, sei es ge­sund­heit­lich oder wirt­schaft­lich. Und die Kir­che? Sie ist leer. Al­le sind wir am Sonn­tag zu Hau­se. Nein, ich den­ke we­ni­ger an die Me­ta­pher der Straf­bank des Fuss­ball­ver­eins. Eher an ei­ne Wüs­ten­zeit, in der wir so­zia­le Di­stanz üben und bei uns selbst an­kom­men müs­sen. Schnell kom­me ich in Ver­su­chung und wün­sche mir den All­tag wie­der zu­rück. Ich ver­mis­se es, mei­ne Freun­de in die Ar­me zu schlies­sen und mit der Ge­mein­de Got­tes­diens­te zu fei­ern und Kaf­fee zu trin­ken. Doch wenn ich jetzt in die­ser Wüs­ten­zeit über al­les, was in der Kir­che ge­schah, nach­den­ke, spü­re ich, dass ich mir eben je­nen All­tag, der auch sehr viel Schö­nes hat­te, nicht zu­rück­wün­sche.

Ich möch­te in Zu­kunft, der Zeit nach der so­zia­len Di­stanz, das Ver­gan­ge­ne nicht ein­fach fort­füh­ren, son­dern aus die­ser exis­ten­ti­el­len Be­dro­hung ler­nen. Nicht den al­ten Fleisch­töp­fen nach­trau­ern al­so, son­dern auf das ge­lob­te Land und den Frie­den und die Kir­che Chris­ti hof­fen.

«Ver­traut den neu­en We­gen, auf die der Herr uns weist, weil Le­ben heisst: «sich re­gen, weil Le­ben wan­dern heisst. Seit leuch­tend Got­tes Bo­gen am ho­hen Him­mel stand, sind Men­schen aus­ge­zo­gen in das ge­lob­te Land.» (Text: Klaus-Pe­ter Hertzsch, 1989; Stro­phe 1 von Lied Nr. 387 im Ge­sang­buch der EMK)

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