GASTBEITRAG: Was ist Würde?

von Pfr. Robert Seitz; aus seinem Buch: ‘offene Fen­ster’, S. 27f

Pho­to by Nathan Ander­son on Unsplash

Wahre Würde hat wenig zu tun
mit glänzen­den Orden auf ein­er Brust.
Diese erin­nern eher an unwürdi­ge Kriege.
Sie hat nicht viel zu tun mit dezen­ten Klei­dern,
mit dunkel­blauen Kostüms
oder Nadel­streifen und Krawat­ten.
Auch der zer­lumpte Bet­tler in Paris
in seinen aus­ge­fransten Klam­ot­ten,
das schmutzige Kind auf dem Abfall­haufen in Rio,
der Aussätzige in Soma­lia -
sie alle haben ihre Würde.

Würde hat wenig zu tun
mit einem feier­lichen, aufrecht­en Gang,
mit Schön­heit und Glam­our
und mit tosen­dem Applaus
oder ein­er Wahl zur Miss oder zum Mis­ter.
Auch der Gelähmte im Roll­stuhl
und der vom Leben Gebeugte hat seine Würde.

Würde hat auch wenig zu tun mit litur­gis­chen Hand­lun­gen,
mit gemesse­nen Schrit­ten in heili­gen Räu­men,
mit kirch­lichen Gewän­dern,
unter denen das Gewöhn­liche lauert,
mit religiösen Worten in schö­nen Sätzen.

Ger­ade so kam Jesus nicht daher.
Er beugte sich zum Blind­en hinab,
er rief Namen­lose beim Namen,
für eine Abgeschriebene schrieb er in den Sand.
Er ver­lor bei den Ange­se­henen sein­er Zeit
sein Gesicht, um Men­schen ein Antlitz zu geben,
die es unter den Gerecht­en
längst ver­loren hatten.

Wirk­liche Würde
hat mit Liebe und Wertschätzung zu tun,
mit der Ahnung:
sie wird nicht von Men­schen verliehen.

Exem­plar­ische Bibel­texte, die zeigen, wie Jesus Men­schen Würde gab: Johannes 8,1–11; Markus 2,13–17; Markus 10,13–16; Markus 10,46–52; Lukas 7,36–50; Lukas 19,1–10; Lukas 21,1–4

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