Wachstum bedeutet Veränderung

Pho­to by Mark Kö­nig on Unsplash

zu Phil­ip­per 1,6

Ei­ner­seits re­den wir in Kir­chen und Ge­mein­den sehr oft von Ver­än­de­run­gen, von Wachs­tum. Manch­mal brau­chen wir da­für auch den Be­griff Hei­li­gung. An­de­rer­seits tun wir uns oft doch schwer, wenn wir uns tat­säch­lich än­dern müs­sen. — Das ging mir durch den Kopf, als ich am An­fang des Phil­ip­per­brie­fes las: „Ich bin dar­in gu­ter Zu­ver­sicht, dass der in euch an­ge­fan­gen hat das gu­te Werk, der wird’s auch voll­enden bis an den Tag Chris­ti Je­su.“

Dar­in hö­re ich ei­ner­seits Ent­las­tung und Er­mu­ti­gung: Wir müs­sen es nicht al­lei­ne schaf­fen. Chris­tus hilft uns. Er macht uns mehr und mehr zu den Men­schen, die wir sein kön­nen und sein sol­len. Mit sei­ner Hil­fe kön­nen wir nach Got­tes Wil­len le­ben. Dank ihm wer­den wir das Ziel er­rei­chen.
An­de­rer­seits wird mir be­wusst, wel­che Her­aus­for­de­rung das auch be­deu­ten kann. Statt uns mit dem schon Er­reich­ten zu­frie­den zu ge­ben, sol­len wir Chris­tus an uns ar­bei­ten las­sen. Wie ge­sagt, von re­den Chris­ten oft. Die Be­grif­fe Wachs­tum, Hei­li­gung und Ver­än­de­rung sind ih­nen ge­läu­fig. Und doch zö­gern sie oft, wenn es kon­kret wird und wirk­lich Neu­es, An­de­res zu ver­su­chen.
Ich konn­te 2016 ei­ne län­ge­re Aus­zeit ge­stal­ten. Das hiess für mich un­ter an­de­rem: Ein hal­bes Jahr lang nicht pre­di­gen müs­sen, son­dern zu­hö­ren dür­fen und sich an­spre­chen las­sen. Es ist mir we­ni­ger leicht ge­fal­len als er­war­tet. Vor al­lem ist mir schnell auf­ge­fal­len, wie leicht und ger­ne man sich da­bei auf das kon­zen­triert, was ei­nen be­stä­tigt. Bleibt dies aus, wür­de man lie­ber den Pre­di­ger kri­ti­sie­ren als sich selbst hin­ter­fra­gen zu las­sen. Am liebs­ten möch­te man sich zu­spre­chen las­sen, dass man gut un­ter­wegs ist und das Rich­ti­ge glaubt, denkt und tut. Zu Be­ginn die­ser Aus­zeit ha­be ich mir des­halb je­weils sehr be­wusst auf den Got­tes­dienst­be­such ein­ge­stellt und mir zu­ge­re­det: Du bist nicht als Kri­ti­ker da, son­dern als ei­ner, den Gott an­spre­chen will. Es geht nicht um die Be­wer­tung der ge­hör­ten Pre­digt, son­dern um das, was Gott Dir da­durch zei­gen will. Sei be­reit, dich hin­ter­fra­gen zu las­sen, dich kor­ri­gie­ren zu las­sen, Gott an dir ar­bei­ten zu las­sen!

„Gott wird sein an­ge­fan­ge­nes Werk in dir voll­enden!“ – Die­se Ver­heis­sung hat ih­re her­aus­for­dern­den Sei­ten. Ich bin her­aus­ge­for­dert zum Wachs­tum, und das heisst eben auch: zur Ver­än­de­rung. Bin ich da­zu be­reit? – Klei­ne De­tails in un­se­ren For­mu­lie­run­gen las­sen mich auf­hor­chen. Wie ger­ne re­den doch da­von ‚im Glau­ben zu ste­hen‘? Das klingt aber eher sta­tisch und nach we­nig Ver­än­de­rung. Aus­ser­dem geht da­bei ver­ges­sen, dass Je­sus we­ni­ger zum Glau­ben ein­ge­la­den als in die Nach­fol­ge be­ru­fen hat. Un­ser Le­ben und Glau­ben wä­re bes­ser be­schrie­ben, wenn wir sa­gen, dass wir mit Je­sus, das heisst in sei­nen Fuss­spu­ren un­ter­wegs sind. Wir sind noch nicht am Ziel, sind noch nicht voll­kom­men.
Wir müs­sen das auch nicht sein und Pau­lus sagt uns zu, dass Gott selbst uns wei­ter und dem Ziel nä­her bringt. So sess­haft wir auch in un­se­ren Ge­dan­ken viel­leicht ger­ne wä­ren. Glau­ben heisst: Un­ter­wegs sein, wei­ter ge­hen, wach­sen. Da­bei dür­fen wir wis­sen: Wenn wir uns dar­auf ein­las­sen, sind und blei­ben wir ge­hal­ten durch den der in uns an­ge­fan­gen hat das gu­te Werk. Er wird es auch voll­enden.

(Die­ser Bei­trag ba­siert auf ei­nem ‘Wort zum Tag’, das am 19. März 2017 bei ERF Plus über den Sen­der ging.)

Ein Gedanke zu „Wachstum bedeutet Veränderung“

  1. “Ei­ner­seits re­den wir in Kir­chen und Ge­mein­den sehr oft von Ver­än­de­run­gen, von Wachs­tum. Manch­mal brau­chen wir da­für auch den Be­griff Hei­li­gung. An­de­rer­seits tun wir uns oft doch schwer, wenn wir uns tat­säch­lich än­dern müs­sen.”
    Bei uns darf man gern auch von ei­nem Schrumpf­pro­zess spre­chen, was die Ver­än­de­rung von Kir­chen und Ge­mein­den be­trifft. Wir sind ja nicht Chi­na oder die is­la­mi­sche Welt …
    Viel­leicht darf das auch als Ge­sund­schrump­fen be­zeich­net wer­den — wie­der­um in zwei­fa­cher Hin­sicht. Es gibt ja die in der “Kir­che”, die aus­tre­ten und von de­nen drin, die mei­nen, da­zu­zu­ge­hö­ren, oh­ne es zu sein.

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