be-geist-ert

Apos­telgeschichte 2,1–13

Input im Bezirkswoch­enende der EMK Adliswil-Zürich 2 am Son­ntag, 22.05.2022

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Liebe Gemeinde,

ver­gan­genen Son­ntag bin ich mit vie­len FCSG-Fans Zug gefahren. Es war ja der Cup­fi­nal. Der ganze Zug war von grün-weiss bes­timmt. Am Mor­gen waren die Leute voller Vor­freude. Die Atmo­sphäre knis­terte, auf eine dur­chaus angenehme Weise. Am Abend war es dann ziem­lich still. Der FCSG ist ja gegen den FC Lugano ziem­lich unterge­gan­gen. Die Stim­mung war aber auch da friedlich.

Was haben Fuss­ball-Fans mit unserem Glauben zu tun? Kann man von ihnen etwas ler­nen im Blick auf ‘Feuer und Flamme’ sein? – Nun ja, Fuss­ball-Fans (ich rede jet­zt nicht von den ‘Ultras’) sind sehr begeis­terungs­fähig. Sie sind Feuer und Flamme für ihren Vere­in. Und sie bleiben ihm treu, auch in schwieri­gen Zeit­en. – Eigen­schaften, die Chris­ten im Ver­hält­nis zu ihrem Glauben genau­so gut anste­hen. Darüber hin­aus bietet der Fuss­ball aller­lei Ver­gle­iche für unser Glaubensfeuer.

In einem Buch des englis­chen Schrift­stellers Adri­an Plass ist Fol­gen­des zu lesen: Ein Christ beschäftigt sich mit dem Leben nach dem Tod, mit dem Him­mel. Er möchte wis­sen, wie es dort sein wird. In der Bibel find­et er lauter Aus­sagen über ewige Anbe­tung Gottes und unaufhör­liche Lobgesänge. Selb­st nicht ger­ade musikalisch belastet ihn diese Vorstel­lung. Er fragt sich, worauf er sich denn im Him­mel freuen könne. Sein Seel­sorg­er begreift schnell, dass er sich viel mehr für Fuss­ball begeis-tern kann als für Kirchen­lieder. Und tröstet ihn so: “Dann muss Gott bei Ihnen dafür sor­gen, dass der Him­mel wenig­stens so aufre­gend und anre­gend und befriedi­gend ist wie das End­spiel der Fussball-WM!”

Ja, das kann man über­tra­gen: Zu glauben, mit Gott zu leben, das ist so befriedi­gend wie das entschei­dende Tor in der let­zten Minute und so span­nend wie ein Fuss­ball­spiel. Und es gilt auch für den Glauben: Jed­er und jede kann mit­machen. Man muss nicht zuerst lange Regeln studieren und Tech­niken erler­nen. Man braucht keine beson­dere Aus­bil­dung, muss kein Jahrhun­dert­tal­ent oder Voll­profi sein. Aber man muss mit­spie­len. Als bloss­er Zuschauer kommt man der Fasz­i­na­tion des Fuss­balls nicht auf die Schliche. Genau­so beim Glauben. Man muss sich darauf ein­lassen, muss es selb­st aus­pro­bieren, son­st bleibt der Zugang zur Begeis­terung eines Leben mit Gott verschlossen.

Wir haben eben die Pfin­gst­geschichte gehört: Nach Him­melfahrt waren die Jün­gerIn­nen ein Team, dem Feuer und Flamme fehlten. Sie hat­ten zwar den Auf­trag, weit­erzuführen, was Jesus ange­fan­gen hat­te. Doch sie wussten nicht wie. Sie getraut­en sich nicht, von Jesus zu reden. Sie fühlten sich der Auf­gabe nicht gewach­sen. Und sie fürchteten die Wut der mächti­gen Leute, die schon Jesus ans Kreuz geliefert hat­ten. Ihre Begeis­terung für Jesu Botschaft war klein­er als der Respekt vor den Reak­tio­nen, die sie aus­lösen kön­nte. Doch das änderte sich an Pfin­g­sten. Es sei wie ein Feuer­sturm gewe­sen, der sie erfasste. Von dem Moment an waren sie ‘Feuer und Flamme’. Auf einen Schlag war die Begeis­terung da und nicht mehr zu dämpfen. Sofort began­nen sie, von Gott und von sein­er Liebe zu erzählen. Sie luden die Men­schen ein, sich darauf einzu­lassen. Und es heisst, dass schon am ersten Tag 3’000 Leute zur christlichen Gemeinde hinzugekom­men seien.

Vor Pfin­g­sten fehlte Jesu Jüngern der Geist. Eine Fuss­ball­mannschaft braucht einen starken Teamgeist, wenn sie Erfolg haben wolle. Es braucht die gemein­same Überzeu­gung, das Ziel zu erre­ichen. Und es braucht die Bere­itschaft jedes einzel­nen, sich voll für den anderen einzuset­zen. So erk­lärte der frühere Nati-Train­er Köbi Kuhn ein­mal: Seine Mannschaft habe die WM-Qual­i­fika­tion nur geschafft, weil die  Spiel­er einan­der acht­en und respek­tieren wür­den. Und weil sie gegen­seit­ig eine Por­tion Demut gelebt hät­ten. Gegen grosse Mannschaften hät­ten sie näm­lich nur eine Chance, wenn per­sön­liche Befind­lichkeit­en dem Teamgedanken unter­ge­ord­net wür­den. EINER FÜR ALLE — ALLE FÜREINANDER. Auf diesen Nen­ner brachte Köbi Kuhn den Teamgeist, ohne den keine Mannschaft Erfolg haben kann. Und des
Train­ers Auf­gabe sei es, diesen Spir­it zu pflegen.

Ich glaube, an Pfin­g­sten wurde den Jün­gerIn­nen Jesu dieser Spirit/Teamgeist geschenkt. Ihr Train­er — Gott — hat sie mit Begeis­terung erfüllt. Vorher waren sie wie eine Fuss­ball­mannschaft, die gar nicht recht an ihre Möglichkeit­en glaubt, ohne Trai ner auf dem Platz ihre Ori­en­tierung ver­liert — und prompt eine Nieder­lage riskiert. Doch an Pfin­g­sten sorgte Gott für die Verän­derung. Er flösste den Jüngern dasVer­trauen ein, dass sie der Auf­gabe gewach­sen seien. Nun traut­en sie sich zu, weit­erzu­machen, wom­it Jesus ange­fan­gen hat­te. So fan­den sie den Mut, ‘aufs Spielfelc zu gehen. Mit jedem Wort, das sie sagten, wuchs die Begeis­terung. Schon der erste Tag liess sie unmöglich Geglaubtes erleben. Und for­t­an an sagten sie, wann immer sie jemand zum Schweigen brin­gen wollte: ‘Wir kön­nen gar nicht anders. Wir können’s gar nicht lassen, von diesem Jesus zu erzählen!’ (vgl. Z.B. Apg 4,20). Das ist dann so ähn­lich wie ein Fuss­baller, der einen Ball ein­fach nicht liegen lassen kann.

Wichtig bleibt: Diese Begeis­terung für den Glauben kann man nicht selb­st machen. ‘Feuer und Flamme’ kom­men von Gott. Sein Geist begeis­tert uns. Er will uns beschenken. — Nehmen wir das Geschenk an? Immer wieder? Oder haben wir Angst, uns zu ver­bren­nen? Ich hoffe nicht. Denn: Dieses Geschenk anzunehmen, das lohnt sich. Und wie! Amen

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