Kontrolle abgeben

Bibel­text: Josua 1,9

Ich bin ein Angsthase! Ver­mut­lich sieht man mir das nicht an. Ich gebe und füh­le mich oft sou­verän, gelassen, zuver­sichtlich. Ich füh­le die Angst sel­ten. Aber das hat nicht damit zu tun, dass ich so mutig wäre. Son­dern es liegt daran, dass ich Sit­u­a­tio­nen, in denen ich Angst fühlen kön­nte, in denen ich an Gren­zen kom­men kön­nte, sorgfältig mei­de. Durch detail­lierte Pla­nung lange im Voraus. Indem ich darauf achte, nicht zu hohe Erwartun­gen zu weck­en. Ver­mei­dungstak­tik­er wie ich kön­nen sehr kreativ sein, wenn es darum geht, vorzu­gaukeln, dass man furcht­los sei. Wenn einem dann aber ein­mal das Heft aus der Hand rutscht und die Kon­trolle ver­loren geht, dann ist die Angst da. Und wie! Ich bin dann wie gelähmt. Ver­suche mir Ver­trauen und Glauben einzure­den. Doch das kommt im Herzen nicht an.

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Zur Ruhe kommen

Bibel­text: 1. Könige 8,56

König Salo­mo wei­ht den Tem­pel in Jerusalem ein. Viele Gen­er­a­tio­nen lang haben die Israeliten darauf gewartet. Die Ein­wei­hung ist eine grossar­tige Feier. Alles wird aufge­boten, was möglich ist. Es wer­den Reden gehal­ten. Sym­bol­is­che Hand­lun­gen vol­l­zo­gen. Gebete gesprochen. Man kann nicht hoch genug ein­schätzen, wieviel dieser Moment dem Volk Israel damals bedeutet hat. Der Bericht darüber bezeugt das; es gibt darin viele bedeu­tungss­chwere For­mulierun­gen. Vers 56 in 1.Könige 8 spricht mich an. König Salo­mo betet: „Gepriesen sei der Herr! Denn er hat seinem Volk Israel Ruhe geschenkt, wie er es ver­sprochen hat. Wort für Wort hat sich erfüllt, was er durch seinen Knecht Mose ver­heißen hat.“

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Vertrauend glauben

Josua 1,9, Galater­brief

Eine Predigt in drei Por­tio­nen, gehal­ten am 21.08.2022 in der EMK Adliswil

Portion I: Ein Ferienerlebnis

  • Die Ferien­zeit ist vor­bei. Mor­gen geht es wieder los! ® Vor­freude, aber auch Bam­mel: Was kommt auf mich zu? Schaffe ich es? Reicht meine Kraft? Finde ich Unter­stützung, wo ich sie brauche? – Schöne Zusage: „Gott gibt den Müden Kraft und die Schwachen macht er stark“! – Wage ich es, mich darauf zu ver­lassen? Oder suche ich nach zusät­zlichen Sicherheiten?
  • Neuan­fang oder neue Runde wie eine Berg­wan­derung. — Ich erzäh­le von ein­er Wan­derung, die wir in den Ferien gemacht haben.
  • Vor 40 Jahren: Ferien in Zinal mit Herkun­fts­fam­i­lie. Tracuit-Hütte SAC am Weis­shorn als Traumziel. Es kam damals nicht dazu. Mein Vater erwis­chte eine Som­mer­grippe. Meine Mut­ter traute sich die Wan­derung mit uns Kindern nicht alleine zu (über 4 h Auf­stieg; ~ 1700 m Höhen­dif­ferenz; Ziel auf über 3200 m). Ich war noch zu  jung, um die Ver­ant­wor­tung für Mut­ter und jün­gere Geschwis­ter zu übernehmen. ® uner­füll­ter Traum
  • Vor 2½ Wochen mit WoMo nach Zinal gefahren, eigentlich eher zufäl­lig. Dort erwachte der Traum, zur Tracuit-Hütte auf 3259 MüM zu wan­dern, wieder. Das Wet­ter war gut. Wir entschlossen uns, den Ver­such zu wagen.
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Versöhnung — oder: Wenn Gott das Vorzeichen ändert

1. Mose 50,15–21

Predigt am 17.07.2022 in der EMK Adliswil

Copy­right: Josue Michel on unsplash.com

Liebe Gemeinde,

„Herr, gib mir Mut zum Brück­en­bauen!“ Das Lied, das wir ger­ade gesun­gen haben, löst Gegen­sät­zlich­es aus in mir. Ein­er­seits Zus­tim­mung: Ja, ich möchte Brück­en zwis­chen Men­schen bauen kön­nen. Ich möchte zu Ver­söh­nung, zu besserem Miteinan­der: beitra­gen kön­nen. Ich möchte mich auch selb­st ver­söh­nen. Und ganz sich­er: Ja, dazu brauche ich Hil­fe, Gottes Hil­fe! Meine eigene Kraft und Kom­pe­tenz reicht nicht. Auf mich allein gestellt bin ich oft hil­f­los, wenn ich anderen zu Frieden helfen möchte. Erst recht, wenn ich mich selb­st ver­söh­nen möchte oder sollte. – Dabei ist doch genau dies der Anspruch an uns Chris­ten. Wir selb­st erwarten es von uns. Und andere fordern von uns: Wir sollen Botschafter und Förder­er der Ver­söh­nung sein (vgl. Schriftle­sung aus 2. Ko 5,17–21). — Ander­er­seits wehre ich mich gegen den Druck solch­er Erwartun­gen: Es ist bekan­nt, dass Ver­söh­nung Zeit braucht, viel Zeit. Vorschnelle Friedenss­chlüsse kön­nen fatal sein kön­nen, wenn der Kon­flikt unter der Ober­fläche weit­ergärt. Und ich merke: Wo ich selb­st in Kon­flik­te ver­wick­elt bin, kann (und will?) ich mich manch­mal nicht ver­söh­nen. Noch nicht. Weil die Ver­let­zung noch zu sehr schmerzt. Weil das Ver­trauen, dass es beim näch­sten Mal gehen kann, nicht da ist. Noch nicht. Weil ich noch Zeit brauche.

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Sich segnen lassen

Predigt im Sal­bung­gottes­di­enst in der EMK Adliswil am 06.03.2022

Bibel­texte: Gen­e­sis 32,23–32

Copy­right: Dieter Schütz  / pixelio.de

ein Seg­nungs­gottes­di­enst ste­ht heute auf dem Pro­gramm, ja sog­ar – dank der Aufhe­bung der Pan­demieregeln – ein Sal­bungs­gottes­di­enst. Endlich wieder ein­mal. Das ist etwas für uns, für jeden und jede ganz per­sön­lich. Das Ange­bot eines himm­lis­chen Geschenks. Geistliche Wellness.

Ja, aber … geht das in diesen Zeit­en? Angesichts der Welt­lage? Dür­fen wir etwas nur für uns machen? Das wirkt doch sehr selb­st­be­zo­gen, gren­zt wom­öglich an religiöse Selb­st­be­friedi­gung. – Ich höre schon die Kri­tik: „Da sieht man es wieder: Die ‚From­men‘ denken eben doch vor allem an sich selb­st. Küm­mern sich nicht um die Welt! Schot­ten sich ab!“

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Humor und Glaube

Pho­to by Jamie Brown on Unsplash

Bibel­texte: 1.Mose 11,1–9; Jesa­ja 44,9–20; Predi­ger 9,7–10

From­men Men­schen sagt man manch­mal nach, sie hät­ten wenig Humor, ver­mut­lich nicht ganz zu Unrecht. Vielle­icht ist es sog­ar ein Stück weit nachvol­lziehbar. Schliesslich: Wenn eine so gewichtige Sache wie das Heil bzw. das (ewige) Leben auf dem Spiel ste­ht, ist das ja doch eine aus­ge­sprochen ernst Sache. Ander­er­seits gehört Lachen zu einem erfüll­ten Leben unbe­d­ingt dazu. Das Leben soll und darf Spass machen, ist manch­mal auch wirk­lich lustig und komisch.

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Was ist wahr?

Bibel­texte: 2. Mose 20,16; Johannes 14,6

Mit diesem Plakat warb das Stapfer­haus Lenzburg für seine Ausstel­lung rund um die Wahrheit 2018/2019. Ich habe sie mir damals mit Fre­un­den gründlich ange­se­hen und bin jet­zt ganz dankbar dafür. Die Erin­nerung an aller­lei Aha-Erleb­nisse damals hil­ft mir, mich heute in der News-Flut zu ori­en­tieren. In der Aufre­gung rund um Coro­na ist es ja noch schwieriger ist als son­st her­auszufind­en, was stimmt und was nicht?

Was ist wahr? Wie kann man Fake-News von echt­en Infor­ma­tio­nen unter-scheiden?

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Freude am Herrn als Stärke

Pho­to by Justin Young on Unsplash

zu Nehemia 8,10

Der Schrift­gelehrte Esra spricht den ver­sammelten Israeliten zu: “Die Freu­de am Her­rn ist eure Stärke!” Dieser Zus­pruch geht mir schon einige Tage nicht aus dem Kopf.

Ich wün­schte mir, dass die Freude am Her­rn die Stärke bzw. die herausste­chende Eigen­schaft meines Gottes­glau­bens wäre. Oft ist sie es aber nicht. Anderes drängt sich in den Vorder­grund: Tra­di­tion, Pflicht­be­wusst­sein, Gewohn­heit, Moral, Lehre, sozialer und mis­sion­ar­isch­er Auf­trag …  Die Freude aber wird zugedeckt und der Glaube fühlt sich so schnell anstren­gend an.

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