Gnade (Gute Nachricht I)

Predigt vom 11.01.2026 in der EMK Adliswil zu Titus 2,11

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Liebe Gemeinde,

als Kinder mussten wir beim Mit­tagessen schweigen, solange die Nachricht­en am Radio liefen. Nachricht­en waren und sind eben wichtig. Wobei wir heute wohl öfter von News reden. Doch so oder so: Man will und muss informiert sein. Es gibt Break­ing News, die im Schrift­band über den Bild­schirm laufen. Es gibt immer mehr Fake News. Wir informieren uns über die Tagess­chau, die Tageszeitung (wer hat sie noch auf Papi­er? Ich z.B. nicht) oder auch via Social Media (was freilich heikel sein kann, weil Vieles schw­er über­prüf­bar ist). Bei ganz drama­tis­chen Ereignis­sen oder Umstän­den liefert uns der News-Tick­er sog­ar im Minu­ten­takt Infos auf das Handy. Oft bis meis­tens sind es ‚Bad News‘ – schlechte Nachricht­en, die uns so erre­ichen. Sie kön­nen uns belas­ten und aufwühlen.
In der Bibel gibt es auch schon News bzw. Nachricht­en. Das Wort Evan­geli­um ist näm­lich sozusagen die Urform der Nachricht. Die griechis­che Vor­silbe Eu macht sie speziell. Sie bedeutet ‚gut‘ oder ‚wohl‘. Evan­geli­um heisst also gute Nachricht, fro­he Botschaft. Es bietet ‘good News’. Evan­geli­um ist von seinem Wesenskern eine gute, ja die beste Nachricht. — Während andere News uns sagen, was alles falsch und schief gelaufen ist, sagt das Evan­geli­um uns, was Gott wieder gut gemacht hat. Das Evan­geli­um sagt uns nicht, was wir tun müssen. Vielmehr spricht es uns zu, was Gott für uns getan hat. Dazu müsste es einen Live-Tick­er geben, der uns per­ma­nent News auf das Handy schickt.

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Gottes vorbehaltloses Ja

Predigt zum 4. Advent am 21.12.2025 in der EMK Adliswil zu 2.Korinther 1,15–22

Liebe Gemeinde,

um das Jahr 50 n.Chr. herum lebte der Apos­tel Paulus fast zwei Jahre lang in Korinth. Er arbeit­ete im Zelt­macher­be­trieb des Ehep­aars Aquila und Priszil­la. Diese waren nicht nur seine Arbeit­ge­ber, son­dern wur­den zu guten Fre­unde und Unter­stützern. Zusam­men mit Silas und Tim­o­theus grün­de­ten die drei eine christliche Gemeinde, die schnell wuchs. Als Paulus dann weit­er­reiste, blieb er im brieflichen Kon­takt mit dieser Gemeinde. Im ersten Korinther­brief z.B. beant­wortete Paulus eine Rei­he von Fra­gen aus Korinth. Etwa im Jahr 55 besuchte Paulus Korinth dann wieder. Dieser Besuch aber ver­lief nicht wie gewün­scht. Paulus fand, dass sein Brief nicht die erwün­schte Wirkung erzielt hätte und sagte dies auch. Darauf griff jemand den Apos­tel mas­siv an und stellte seine apos­tolis­che Sendung in Frage. Nie­mand wider­sprach. Nie­mand aus der Gemeinde stärk­te Paulus den Rück­en. So reiste er schliesslich wieder ab, tief gekränkt und ver­let­zt. Er emp­fand, einen Scher­ben­haufen zu hin­ter­lassen. Von Eph­esus aus schrieb Paulus dann ‚unter Trä­nen‘ einen weit­eren Brief (ver­mut­lich ist dieser ver­loren. Evtl. steck­en Teile davon in 2. Ko 10–13). Diesen ‚Trä­nen­brief‘ brachte Tim­o­theus per­sön­lich nach Korinth. Ihm gelang es bei dieser Gele­gen­heit auch, die Wogen wieder zu glät­ten. Davon erzählte er Paulus, als er zu diesem nach Eph­esus zurück­kehrte. Voller Freude ver­sprach der Apos­tel darauf den Korinth­ern (in einem weit­eren ver­lore­nen Brief?) einen baldigen Besuch. Doch dazu kam es nicht. Paulus musste seine Reise­pläne wieder ändern. Darum arg­wöh­n­ten manche Korinther, Paulus schmolle immer noch. Andere war­fen ihn vor, sein Ver­sprechen gebrochen zu haben. Dage­gen wehrt sich Paulus am Anfang des 2. Korinther­briefes (der also ver­mut­lich eher der vierte Brief war). Ich lese aus 2. Korinther 1:

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Ausweg in die Zukunft

Predigt zum 3. Advent am 14.12.2025 in der EMK Adliswil zu Hebräer 10,19–25

Liebe Gemeinde,

Wir sehen den Abgang zu einem Berg­w­erksstollen. Da unten bauen Bergleute Rohstoffe ab – Kohle, Erze, Dia­man­ten … . Über die Leit­er führt ihr Weg nach der Arbeit zurück ans Licht, zurück ins Leben. – Bergleute leben gefährlich. Man hört und liest immer wieder, dass Bergleute ver­schüt­tet wor­den sind. In der Regel bedeutet das zwar nicht, dass sie selb­st unter Steinen begraben liegen. Meis­tens ist aber ein Stollen einge­brochen und zugeschüt­tet wor­den. Damit ist der Rück­weg abgeschnit­ten. – Das ist, auch wenn sie unver­let­zt geblieben sind, eine verzweifelte Sit­u­a­tion. Denn so ist die Luftzu­fuhr abgeschnit­ten und das heisst: Der Sauer­stoff wird aus­ge­hen. Dann dro­ht der Tod durch Erstick­en.
Was kann da helfen? Die Bergleute kön­nten zwar von ihrer Seite her mit aller Kraft graben. Das ist aber gefährlich und bringt wenig. Schliesslich ist ein einge­broch­en­er Stollen insta­bil. Ver­mut­lich würde ständig neues Geröll in den Gang fall­en und sie wür­den nichts erre­ichen. Ver­schüt­tete Bergleute kön­nen sich nicht sel­ber ret­ten. Ihre einzige Chance ist, Energie und Sauer­stoff zu sparen, damit sie länger durch­hal­ten. Dazu mit Klopfze­ichen auf sich aufmerk­sam machen und … warten, bis Ret­tung kommt.
Wir sind zwar keine ver­schüt­teten Bergleute heute Mor­gen. Aber die Sit­u­a­tion lässt sich auf das Leben über­tra­gen. Es gibt viel, was unseren schein­bar sicheren Weg gefährden und zum Ein­sturz brin­gen kann. Was ist, wenn unser Weg ver­schüt­tet wird? Wer holt uns dann heraus?

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Machtwechsel

Predigt zu Philip­per 2,6–11 in der EMK Adliswil am 20.04.2025 (Ostern)

Liebe Gemeinde,

Ostern bedeutet einen, ja den Machtwech­sel schlechthin: Vom Tod zum Leben; von der Verzwei­flung zur Hoff­nung; von Lethargie und Res­ig­na­tion zum Auf­bruch. In den Geschäften find­et der Machtwech­sel jew­eils schon etliche Wochen früher statt, nicht ger­ade tief­greifend, aber augen­fäl­lig: Spätestens Ende Feb­ru­ar ver­schwinden Man­dari­nen, Erd­nüsse und Fas­nachtschüech­li aus den Regalen. Plöt­zlich regieren Schog­gi­hasen und Ostereier. Ich erschrecke zwar Jahr für Jahr, wenn gefühlt noch mit­ten im Win­ter die Deko­ra­tion ganz auf Früh­ling wech­selt. Aber ich feiere gerne den Machtwech­sel von Ostern. Den Sieg des Lebens über den Tod

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Kraft in der Schwachheit (aus dem Vollen schöpfen III)

Predigt zu 2. Korinther 12,9 in der EMK Adliswil am 23.03.2025

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Liebe Gemeinde,

‚Lass dir an mein­er Gnade genü­gen, denn meine Kraft ist im Schwachen mächtig‘ Paulus hat das geschrieben. Ver­mut­lich con­tre Coeur. Denn auch Paulus wün­schte sich sich­er nicht, schwach zu sein. Das wün­scht sich nie­mand. Nein! Men­schen wollen stark sein, nicht schwach. Sie wollen gewin­nen und nicht knapp am Siegerpodest vor­beis­chram­men. Sie wollen selb­st­bes­timmt und unab­hängig entschei­den kön­nen. Sie wollen den Schwachen helfen. Sie wollen nicht selb­st schwach, hil­fs­bedürftig und abhängig sein. Den­noch ken­nen alle auch Erfahrun­gen und Momente der Schwäche. Ich meine jet­zt nicht die Erschöp­fung, wenn man ein Ziel erre­icht hat. Dann ist man bei aller Müdigkeit auch zufrieden und dankbar. Son­dern ich meine: K.o. sein, wenn man alles gegeben und doch nichts erre­icht hat. Wie sich ein Burnout anfühlt: Die Kraft ist weg. Und sie bleibt weg. Wom­it auch Zuver­sicht, Ideen, Moti­va­tion fehlen. So geht es einem Fuss­baller im Moment, da das Spiel um den Lig­aer­halt ver­loren und der Abstieg unver­mei­d­bar gewor­den ist. Von solch­er Schwäche schreibt Paulus.

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INKLUSION: Einander annehmen, wie Christus uns angenommen hat

Impuls I über Römer 15,7 zu den Werten der EMK Adliswil am 09.02.2025

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Liebe Gemeinde,

wir wollen die Liebe Gottes erfahren und leben. Das ist der Dasein­szweck oder das Ziel oder eben die Vision unseres Gemein­de­bezirks. Vor vier Wochen haben wir uns im Gottes­di­enst mit dieser For­mulierung auseinan­derge­set­zt. Wir haben sie mit konkreten Erfahrun­gen zu füllen ver­sucht. Das ist auch nötig. Schliesslich ist die For­mulierung doch recht all­ge­mein. Heute set­zen wir uns ein erstes Mal mit einem der Werte auseinan­der, die zur Vision gehören. Die Werte sind spez­i­fis­ch­er, sind konkreter als die Vision. Sie geben Antwort auf die Frage: Wie sor­gen wir dafür – oder: was kön­nen wir wenig­stens dazu beitra­gen — , dass Men­schen in der Gemeinde die Liebe Gottes erfahren und leben? Die Antwort heute, d.h. ein erster Wert heisst: Inklusion.

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Eine Miteinander Kirche

Eph­eser 2,14–22

Predigt am 09.06.2024 in der EMK Adliswil

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Liebe Gemeinde,

EMK ste­ht für evan­ge­lisch-methodis­tis­che Kirche. Das wis­sen wir. Aber manche Leute spie­len bisweilen gerne ein wenig mit diesen Buch­staben. Sie fra­gen sich dann: Wofür kön­nte EMK auch noch ste­hen? – Schon öfter gehört habe ich zum Beispiel: EMK ste­ht eigentlich für ‚Eine Menge Kom­mis­sio­nen‘. Damit verbindet sich die Kri­tik, dass wir überor­gan­isiert bzw. über­struk­turi­ert seien. Andere deuten mit Blick auf Kon­flik­te und Span­nun­gen, die das Zusam­men Leben und Glauben stra­pazieren, EMK als ‚Es Men­schelt Kräftig‘. Auch das kön­nte etwas treffen.

Pro­gram­ma­tisch war hinge­gen die Deu­tung, die Bischof Bol­leter vor ziem­lich langer Zeit (® 2005) ein­mal in ein­er Kon­feren­zpredigt machte: EMK, so sagte er damals, ste­he für ‚Eine Miteinan­der Kirche‘. Das sei vielle­icht manch­mal mehr Vision als Real­ität. Aber wir soll­ten uns dafür engagieren, es bess­er zu ver­wirk­lichen: Eine Miteinan­der Kirche.

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Furcht ist nicht in der Liebe

1. Johannes 4,16b-21

Predigt am 26.05.2024 in der EMK Adliswil

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Liebe Gemeinde,

an der Liebe Gottes kommt man in der Kirche nicht vor­bei. Manch­mal kön­nte es einem fast zu viel wer­den! — Heute ja schon wieder ganz am Anfang: „Die Liebe Gottes sei mit euch allen!“ Immer­hin in der Form eines Zus­pruchs, ein­er Zusage. Und nicht als Forderung: „Liebt einan­der!“„Liebt mehr oder liebt bess­er!“ – Die Forderung kön­nte näm­lich schmer­zliche Erin­nerun­gen weck­en: An Momente, in denen wir anderen Liebe schuldig geblieben sind. Und an Momente, in denen andere Liebe uns gegenüber ver­mis­sen liessen und uns so ver­let­zten.
Tja, die Liebe. Das ganze Jahr 2024 ste­ht unter dem Mot­to: «Alles, was ihr tut, geschehe aus Liebe!» (Jahres­lo­sung aus 1.Kor 16,14). Was für ein hoher Anspruch! Und wie traumhaft, wenn es gelin­gen kön­nte! Aber, ist das realistisch?

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Wer in der Liebe bleibt … (zur Vision)

1. Johannes 4,16

Gehal­ten am 11.02.2024 in der EMK Adliswil

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Liebe Gemeinde,

seit Jahres­be­ginn beschäfti­gen wir uns in den Gottes­di­en­sten mit den Werten unser­er Kirche/Gemeinde. Die bish­er vier Predigten dreht­en sich um die Frage: Wie kön­nen, sollen und wollen wir Gemeinde sein? Im SLI-Prozess des BeVo haben wir als Antwort vier Werte for­muliert. Näm­lich, dass wir erstens ein inklu­sives, d.h. offenes und inte­gri­eren­des Miteinan­der leben wollen. Zweit­ens soll der dreieinige Gott Mit­tel- und Aus­gangspunkt unser­er Gemeinde sein. Als Drittes wollen wir unsere Gemein­schaft tra­gend, grosszügig und befähi­gend gestal­ten. Und schliesslich viertens: Wir nehmen uns vor, immer wieder mutig Schritte vor­wärts zu gehen.

Die Predigtrei­he kommt heute zu ihrem vor­läu­fi­gen Abschluss. Vor­läu­fig, weil uns die Werte immer wieder beschäfti­gen soll­ten. Schliesslich nützen schöne For­mulierun­gen wenig, wenn wir nicht immer wieder über­prüfen, ob wir auch tat­säch­lich leben (umset­zen), was wir wollen.

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Werte III: Tragende, grosszügige und befähigende Gemeinschaft

2. Mose 20,32. Korinther 9,8

Gehal­ten am 28.01.2024 in der EMK Adliswil

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Liebe Gemeinde,

zum drit­ten Mal beschäfti­gen wir uns heute mit den Werten unser­er Kirche / Gemeinde. Zuerst ging es um Inklu­sion = Ein­schliesslichkeit. Dann beschäftigten wir uns let­zten Son­ntag damit, dass der dreieinige Gott Mit­tel- und Aus­gangspunkt der Gemeinde sein und bleiben müsse. Heute nun geht es um das Wesen der kirch­lichen Gemein­schaft. Sie soll tra­gend, grosszügig und befähi­gend sein.

Begin­nen wir mit den Wörtern Kirche und Gemeinde. Im Griechis­chen ste­ht hin­ter Kirche der Begriff ‚Ekkle­sia‘. Es leit­et sich von einem Verb ab, das ‚her­aus­rufen‘ bedeutet. Die Kirche ist dem­nach die Ver­samm­lung oder Gemein­schaft der Her­aus­gerufe­nen ( … aus der Ein­samkeit in die Gemein­schaft; aus der Dunkel­heit ins Licht; aus der Got­tferne (‚Sünde‘) in die Beziehung zu Gott). Im Deutschen ist ‚Kirche‘ wohl aus einem anderen griechis­chen Wort ent­standen (kurikon bzw. kuri­akon). Es beze­ich­net, ‚was zum Her­rn gehört‘. Kirche bilden also diejeni­gen, die zum Her­rn gehören. Oder, bei­des zusam­men­fassend: Kirche ist die Gemein­schaft der in die Gotte­skind­schaft Berufenen.

Beim Begriff ‚Gemeinde‘ ist die Her­leitung ein­fach­er. Das Wort kommt von Gemein­schaft. Im Griechis­chen ist das ‚Koinon­ia‘, auf Lateinisch ist es ‚Com­mu­nio‘. In den Paulus­briefen wird es zu einem ganz zen­tralen Begriff. Er beze­ich­net das Miteinan­der der­er, die in ein­er Beziehung mit Chris­tus leben. Dieses Miteinan­der bzw. diese Gemein­schaft ist notabene durch Gottes schöpferisches Wirken begrün­det und geschaf­fen. Sie ist eine Neuschöp­fung oder wenig­stens die Wieder­her­stel­lung der ursprünglichen Gemein­schaft (im Paradies) von Men­schen untere­inan­der – und zusam­men mit Gott.

„Werte III: Tra­gende, grosszügige und befähi­gende Gemein­schaft“ weit­er­lesen