Ostern bedeutet einen, ja den Machtwechsel schlechthin: Vom Tod zum Leben; von der Verzweiflung zur Hoffnung; von Lethargie und Resignation zum Aufbruch. In den Geschäften findet der Machtwechsel jeweils schon etliche Wochen früher statt, nicht gerade tiefgreifend, aber augenfällig: Spätestens Ende Februar verschwinden Mandarinen, Erdnüsse und Fasnachtschüechli aus den Regalen. Plötzlich regieren Schoggihasen und Ostereier. Ich erschrecke zwar Jahr für Jahr, wenn gefühlt noch mitten im Winter die Dekoration ganz auf Frühling wechselt. Aber ich feiere gerne den Machtwechsel von Ostern. Den Sieg des Lebens über den Tod
‚Lass dir an meiner Gnade genügen, denn meine Kraft ist im Schwachen mächtig‘ Paulus hat das geschrieben. Vermutlich contre Coeur. Denn auch Paulus wünschte sich sicher nicht, schwach zu sein. Das wünscht sich niemand. Nein! Menschen wollen stark sein, nicht schwach. Sie wollen gewinnen und nicht knapp am Siegerpodest vorbeischrammen. Sie wollen selbstbestimmt und unabhängig entscheiden können. Sie wollen den Schwachen helfen. Sie wollen nicht selbst schwach, hilfsbedürftig und abhängig sein. Dennoch kennen alle auch Erfahrungen und Momente der Schwäche. Ich meine jetzt nicht die Erschöpfung, wenn man ein Ziel erreicht hat. Dann ist man bei aller Müdigkeit auch zufrieden und dankbar. Sondern ich meine: K.o. sein, wenn man alles gegeben und doch nichts erreicht hat. Wie sich ein Burnout anfühlt: Die Kraft ist weg. Und sie bleibt weg. Womit auch Zuversicht, Ideen, Motivation fehlen. So geht es einem Fussballer im Moment, da das Spiel um den Ligaerhalt verloren und der Abstieg unvermeidbar geworden ist. Von solcher Schwäche schreibt Paulus.
wir wollen die Liebe Gottes erfahren und leben. Das ist der Daseinszweck oder das Ziel oder eben die Vision unseres Gemeindebezirks. Vor vier Wochen haben wir uns im Gottesdienst mit dieser Formulierung auseinandergesetzt. Wir haben sie mit konkreten Erfahrungen zu füllen versucht. Das ist auch nötig. Schliesslich ist die Formulierung doch recht allgemein. Heute setzen wir uns ein erstes Mal mit einem der Werte auseinander, die zur Vision gehören. Die Werte sind spezifischer, sind konkreter als die Vision. Sie geben Antwort auf die Frage: Wie sorgen wir dafür – oder: was können wir wenigstens dazu beitragen — , dass Menschen in der Gemeinde die Liebe Gottes erfahren und leben? Die Antwort heute, d.h. ein erster Wert heisst: Inklusion.
EMK steht für evangelisch-methodistische Kirche. Das wissen wir. Aber manche Leute spielen bisweilen gerne ein wenig mit diesen Buchstaben. Sie fragen sich dann: Wofür könnte EMK auch noch stehen? – Schon öfter gehört habe ich zum Beispiel: EMK steht eigentlich für ‚Eine Menge Kommissionen‘. Damit verbindet sich die Kritik, dass wir überorganisiert bzw. überstrukturiert seien. Andere deuten mit Blick auf Konflikte und Spannungen, die das Zusammen Leben und Glauben strapazieren, EMK als ‚Es Menschelt Kräftig‘. Auch das könnte etwas treffen.
Programmatisch war hingegen die Deutung, die Bischof Bolleter vor ziemlich langer Zeit (® 2005) einmal in einer Konferenzpredigt machte: EMK, so sagte er damals, stehe für ‚Eine Miteinander Kirche‘. Das sei vielleicht manchmal mehr Vision als Realität. Aber wir sollten uns dafür engagieren, es besser zu verwirklichen: Eine Miteinander Kirche.
an der Liebe Gottes kommt man in der Kirche nicht vorbei. Manchmal könnte es einem fast zu viel werden! — Heute ja schon wieder ganz am Anfang: „Die Liebe Gottes sei mit euch allen!“ Immerhin in der Form eines Zuspruchs, einer Zusage. Und nicht als Forderung: „Liebt einander!“ – „Liebt mehr oder liebt besser!“ – Die Forderung könnte nämlich schmerzliche Erinnerungen wecken: An Momente, in denen wir anderen Liebe schuldig geblieben sind. Und an Momente, in denen andere Liebe uns gegenüber vermissen liessen und uns so verletzten. Tja, die Liebe. Das ganze Jahr 2024 steht unter dem Motto: «Alles, was ihr tut, geschehe aus Liebe!» (Jahreslosung aus 1.Kor 16,14). Was für ein hoher Anspruch! Und wie traumhaft, wenn es gelingen könnte! Aber, ist das realistisch?
seit Jahresbeginn beschäftigen wir uns in den Gottesdiensten mit den Werten unserer Kirche/Gemeinde. Die bisher vier Predigten drehten sich um die Frage: Wie können, sollen und wollen wir Gemeinde sein? Im SLI-Prozess des BeVo haben wir als Antwort vier Werte formuliert. Nämlich, dass wir erstens ein inklusives, d.h. offenes und integrierendes Miteinander leben wollen. Zweitens soll der dreieinige Gott Mittel- und Ausgangspunkt unserer Gemeinde sein. Als Drittes wollen wir unsere Gemeinschaft tragend, grosszügig und befähigend gestalten. Und schliesslich viertens: Wir nehmen uns vor, immer wieder mutig Schritte vorwärts zu gehen.
Die Predigtreihe kommt heute zu ihrem vorläufigen Abschluss. Vorläufig, weil uns die Werte immer wieder beschäftigen sollten. Schliesslich nützen schöne Formulierungen wenig, wenn wir nicht immer wieder überprüfen, ob wir auch tatsächlich leben (umsetzen), was wir wollen.
zum dritten Mal beschäftigen wir uns heute mit den Werten unserer Kirche / Gemeinde. Zuerst ging es um Inklusion = Einschliesslichkeit. Dann beschäftigten wir uns letzten Sonntag damit, dass der dreieinige Gott Mittel- und Ausgangspunkt der Gemeinde sein und bleiben müsse. Heute nun geht es um das Wesen der kirchlichen Gemeinschaft. Sie soll tragend, grosszügig und befähigend sein.
Beginnen wir mit den Wörtern Kirche und Gemeinde. Im Griechischen steht hinter Kirche der Begriff ‚Ekklesia‘. Es leitet sich von einem Verb ab, das ‚herausrufen‘ bedeutet. Die Kirche ist demnach die Versammlung oder Gemeinschaft der Herausgerufenen ( … aus der Einsamkeit in die Gemeinschaft; aus der Dunkelheit ins Licht; aus der Gottferne (‚Sünde‘) in die Beziehung zu Gott). Im Deutschen ist ‚Kirche‘ wohl aus einem anderen griechischen Wort entstanden (kurikon bzw. kuriakon). Es bezeichnet, ‚was zum Herrn gehört‘. Kirche bilden also diejenigen, die zum Herrn gehören. Oder, beides zusammenfassend: Kirche ist die Gemeinschaft der in die Gotteskindschaft Berufenen.
Beim Begriff ‚Gemeinde‘ ist die Herleitung einfacher. Das Wort kommt von Gemeinschaft. Im Griechischen ist das ‚Koinonia‘, auf Lateinisch ist es ‚Communio‘. In den Paulusbriefen wird es zu einem ganz zentralen Begriff. Er bezeichnet das Miteinander derer, die in einer Beziehung mit Christus leben. Dieses Miteinander bzw. diese Gemeinschaft ist notabene durch Gottes schöpferisches Wirken begründet und geschaffen. Sie ist eine Neuschöpfung oder wenigstens die Wiederherstellung der ursprünglichen Gemeinschaft (im Paradies) von Menschen untereinander – und zusammen mit Gott.
wie sollten wir Kirche/Gemeinde sein? Wie wollen wir Kirche/Gemeinde sein? Und: Wie können wir Kirche/Gemeinde sein? – Damit beschäftigen wir uns intensiv im SLI-Prozess. In den nächsten fünf Predigten (inkl. heute) geht es genau darum: Wie sollen, wollen und können wir Kirche/Gemeinde sein?
Wichtig dabei ist: Ich trage nicht fertige Ergebnisse vor. Das Nachdenken ist im SLI-Team nicht abgeschlossen. Es muss immer weitergehen. Unser Wunsch ist aber: Die ganze Gemeinde, jede® einzelne soll mitdenken können. In diesem Sinne hoffe ich mit dieser Predigtreihe dazu beizutragen, dass alle sich einbringen können. Entsprechend hoffe ich auch auf Feedbacks und Rückfragen. Wir alle, die wir im SLI-Prozess mitmachen, reden sehr gerne mit allen über unsere Gemeinde/unseren Bezirk. Ausserdem verweise ich bei dieser Gelegenheit auch gerne auf die Kommentarfunktion meines BLOGs www.danieleschbach.ch. Dort sind nicht nur alle Predigten nachzulesen. Es können auch Kommentare dazu gepostet werden.
in seinem Jahresrückblick zählt der Tagesanzeiger 20 Dinge auf, die 2023 zum ersten Mal passiert sind. Darunter gibt es Positives. Aber hängen bleiben vor allem die Katastrophenschlagzeilen: Wetterrekorde, die zeigen, dass der Klimawandel in vollem Gang ist. Und das kaum gebremst. Der Zusammenbruch der CH-Superbank Credit Suisse. Der demographische Wandel: Erstmals gibt es mehr als 100‘000 65-jährige in der CH. Und das sind 14‘500 mehr als 20jährige. Der Vormarsch von Rechtspopulisten in der westlichen Welt. Die KI hat den Sprung in den Alltag geschafft, was womöglich grosse Risiken birgt ….
Dazu kommen viele weitere schlechte Nachrichten: Kriege. Naturkatastrophen. Signale, dass die Gesellschaft am Auseinanderbrechen sein könnte. Wer sich das alles bewusst macht, braucht Kraft, es auszuhalten. Zuversicht wird zur Herausforderung. Gesucht sind Quellen der Hoffnung. Dabei flüchten sich manche in verklärende Nostalgie. Sie schwärmen dann vor guten alten, vermeintlich besseren Zeit. Andere flüchten in die Zukunft. Sie heben geradezu ab und verlieren sich in Visionen z.B. über die Eroberung neuer Lebensräume im Weltraum. Dazwischen suchen manche, u.a. Christen, Hoffnung zu wecken und zu begründen. Das ist schliesslich eine Hauptaufgabe von ChristInnen/Kirchen: Wir sind ExpertInnen der Hoffnung. Dazu sind wir nicht nur ausgesandt, sondern auch begabt. – Aber das ist schwierig heute. Wer anderen Hoffnung machen will, braucht zuerst eine gute Verwurzelung der eigenen Zuversicht. Muss selbst Hoffnung haben! Aber wie und woher? Was lässt uns angesichts von lauter Katastrophen und Problemen hoffen?
vermutlich im Sommer des Jahres 50 n.Chr. kam der Apostel Paulus auf seiner zweiten Missionsreise nach Korinth. In der pulsierenden Hafenstadt blieb er eineinhalb Jahre und gründete eine christliche Gemeinde. Diese scheint schnell gewachsen zu sein und hat Menschen unterschiedlichster Couleur angezogen. Die Gemeinde erlebte schon in den ersten Jahren eine turbulente Geschichte. Das spiegelt sich auch in einem wechselhaften Verhältnis zwischen der Gemeinde und ihrem Gründer. Die beiden Briefe an die Korinther lassen da Vieles durchscheinen: Nachdem Paulus weitergezogen war, kamen nämlich andere christliche Missionare nach Korinth. Sie legten neue Schwerpunkte und widersprachen Paulus in manchen Punkten. So entstanden konkurrierende Richtungen in der Gemeinde. Es drohten sogar Spaltungen. Paulus versuchte zu vermitteln, wie sein erster Brief zeigt. Dennoch kam es zum zwischenzeitlichen Zerwürfnis. Schliesslich aber versöhnten sich Paulus und die Korinther wieder.