Die Kraft der Überraschung

Predigt am Ostersonntag,05.04.2026 in der EMK Adliswil zu Johannes 20,11–18

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Liebe Gemeinde,

wir sind in den Predigten bis Pfin­g­sten unter­wegs unter dem Mot­to ‘Zäme – d’Chraft vom Mite­nand’. Dazwis­chen feierten wir vorgestern Kar­fre­itag. Und heute ist nun Ostern.

Kar­fre­itag stellt jedes Zäme radikal in Frage. An seinem Todestag hat das Miteinan­der für Jesus nicht funk­tion­iert. Über­haupt nicht. Die Gemein­schaft der Jünger:innen, die er sorgfältig aufge­baut hat­te, zer­brach. Sie sto­ben in alle Rich­tun­gen auseinan­der. Jesus blieb am Kreuz zurück. Lei­dend. Ster­bend. Und auch: Ganz allein. Kar­fre­itag ist die Geschichte vom total­en ‘Nicht-Zäme’. Sie gipfelt in Jesu Schrei am Kreuz: «Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich ver­lassen?» Das ist der schlimm­st­mögliche Gegen­satz zu allem, was wir anstreben.
Und nun? Dass der Riss irgend­wie repari­ert wer­den kön­nte, wagte am Kar­fre­itag nie­mand zu hof­fen. Wie auch? Ideen, wie das möglich sein kön­nte, fehlten.

Aber heute ist Ostern! Und Ostern ist das Fest, das jede Tren­nung aufhebt! Sog­ar die endgültige und radikale Tren­nung durch den Tod. Gott hat den Tod über­wun­den, hat Chris­tus aufer­weckt. Und damit ist klar, was wir heute feiern: Jesus nahm die totale Ver­lassen­heit auf sich, damit wir nie wieder gottver­lassen und ein­sam sind. In kein­er Sit­u­a­tion sind wir ohne Gott. Jesu Aufer­ste­hung begrün­det ein neues, sta­biles Miteinan­der. In Chris­tus bleiben wir ‘Zäme’, mit Gott und miteinan­der.
Trotz allen Andeu­tun­gen und Ver­sprechen, die Jesus den Jünger:innen vor sein­er Pas­sion gemacht hat­te. Damit hat­te nie­mand gerech­net. Eine solche Wende war schlicht nicht vorstell­bar. Ostern war die totale Über­raschung. Darum heisst das The­ma mein­er Oster­predigt: Die Kraft der Überraschung.

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Allein — damit wir nie mehr einsam sind

Predigt vom Kar­fre­itag, 03.04.2026 in der EMK Adliswil zu Matthäus 27,45–50

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Liebe Gemeinde,

in meinen Predigten bis Pfin­g­sten geht es um ‘Zäme – d’Chraft vom Mite­nand’. Dieses The­ma scheint Kar­fre­itag auf den ersten Blick in seine Einzel­teile zu zer­legen. Da hat näm­lich das ‘Zäme’ über­haupt nicht funk­tion­iert. Die Gemein­schaft der Jünger:innen, die Jesus aufge­baut hat­te, zer­brach. Sie sto­ben in alle Rich­tun­gen auseinan­der. Und liessen Jesus ganz allein. Kar­fre­itag mutet uns den radikalen Kon­trast zum ‘Zäme’ zu, das wir eigentlich anstreben. Seine Geschichte erzählt vom total­en Zer­riss, der jede men­schliche Gemein­schaft bedro­ht. Jesus lei­det in absoluter Iso­la­tion. Seine Pas­sion ist die Geschichte vom absoluten ‘Nicht-Zäme’.

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Amazing Grace (Gute Nachricht V)

Predigt vom 08.02.2026 in der EMK Adliswil zu Lukas 7,36–50

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Liebe Gemeinde,

noch ein­mal das The­ma: ‘Gute Nachricht’. Es hat uns in den bish­eri­gen Predigten des Jahres 2026 begleit­et. Vor ein­er Woche ging es um den Wortschatz des Glaubens. Davor haben wir darüber nachgedacht, dass wir als Christ:innen ein ‘Live-Tick­er’ für Gottes gute Nachricht­en sein kön­nen – und sollen. Weit­er haben wir die Gnade als das Haupt­wort des Evan­geli­ums iden­ti­fiziert. Sie ist die Art und Weise, wie Gott uns in Chris­tus begeg­net. Sie hat das let­zte Wort, muss das let­zte Wort haben. Zugle­ich ste­ht Gnade für das Protest-Poten­zial des Evan­geli­ums in unser­er leis­tung­sori­en­tierten Zeit. Sie wider­spricht mod­ern­er Gnaden­losigkeit und malt den Gege­nen­twurf Gottes zu unser­er Welt.
Dabei ist Gnade kein ide­ol­o­gis­ch­er (→ the­o­retis­ch­er) Kampf­be­griff. Son­dern sie geschieht und wirkt konkret. Ein Beispiel dafür ist die Geschichte von der Sal­bung Jesu durch eine Frau. Wir haben sie so, wie sie das Lk-Ev erzählt, bere­its als Schriftle­sung gehört. Gnade ist darin etwas Sinnlich­es. Sie wird riech­bar, füllt den Raum, ja das ganze Haus. Diesen Duft wird nie­mand je wieder vergessen haben, der oder die dabei war.

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Nur Jesus ?! (Gute Nachricht III)

Predigt vom 25.01.2026 in der EMK Adliswil zu Johannes 14,1–7 u.a.

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Liebe Gemeinde,

„Nur Jesus?! – Wirk­lich?!“ Die Frage ist alles andere als harm­los. Deshalb das Aus­rufeze­ichen. Es klingt eng, aus­gren­zend, vielle­icht auch arro­gant: „Nur Jesus! Son­st nichts!“ Das muss Wider­spruch aus­lösen in unser­er plu­ral­is­tis­chen, auch religiös vielfälti­gen Welt. Doch das Evan­geli­um bleibt dabei: Es zählt nur Jesus!
Nicht ein­mal Christ:innen schaf­fen es, ganz dabei zu bleiben. Der katholis­che The­ologe Alfred Loisy hat ein­mal for­muliert: „Jesus verkün­dete das Reich Gottes – gekom­men ist die Kirche.“ Das trifft ger­ade heute einen Nerv. Weil es ger­ade in Kirchen nicht nur um Jesus geht. Viele Men­schen heute haben eigentlich kein Prob­lem mit Jesus. Aber sehr wohl mit dem, was aus ihm gewor­den ist: Mit Kirchen, Dog­men, Macht­struk­turen, Grenzziehun­gen. Die Jesus so bes­timmt nicht wollte! Er hat keine Insti­tu­tion gegrün­det, kein Sys­tem aufge­baut, kein Regel­w­erk geschrieben. In ihm und durch ihn wuchs und wächst das Reich Gottes. Es hat sein Gesicht. In diesem Reich pulsieren Jesu Geist und Herz. Gottes Reich schliesst Men­schen ein, nicht aus. Es verurteilt nicht, son­dern befre­it. Es fordert nicht, son­dern lädt ein. Gottes Reich wuchs aus dem Leben, wie Jesus es führte. Das ist die gute Nachricht. Das Evan­geli­um. Darum geht es in allen Predigten bis zu den Sportferien.

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Immanuel — Gott mit uns

Wei­h­nacht­spredigt am 25.12.2025 in der EMK Adliswil zu Matthäus 1,18–25

Liebe Gemeinde,

wir stellen uns Wei­h­nacht­en gerne har­monisch vor: Besinnliche Ruhe; Lichter, die das Dunkel verza­ubern; wohltuend berührende Geschicht­en; herz­er­wär­mende Musik – kurz: die per­fek­te Idylle. Heile Welt. Doch die bib­lis­chen Wei­h­nachts­geschicht­en begin­nen anders. Wir haben gehört, wie Mt erzählt: Er tut es aus der Sicht Josefs. Erzählt von ein­er unge­planten Schwanger­schaft. Von einem Mann, der sich fragt, ob er sein­er Ver­lobten noch trauen kann. Die Sit­u­a­tion hat das Poten­zial, zum hand­festen Skan­dal im Dorf zu wer­den. Aber auch davon, dass dieser Mann anders reagieren kann als zu erwarten wäre. Dank Gott. Wei­h­nacht­en begin­nt also mit ein­er Krise. Marias und Josefs Leben wird plöt­zlich auf den Kopf gestellt. Josef erfährt, dass Maria schwanger ist. Er weiss genau: ‘Von mir kann dieses Kind nicht sein!’ Für ihn bricht die Welt zusam­men. Das Ver­trauen bricht: Was wer­den die Leute sagen? Wie kann ich mich je im Dorf wieder sehen lassen?

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In Erwartung

Impuls im öku­menis­chen Gottes­di­enst zum 1. Advent am 30.11.2025 im Zelt auf dem Kro­nen­wiesen­platz zu Lukas 1,26–38

Liebe Gemeinde,

wir sind im Advent angekom­men. Wir sind gewis­ser­massen in Erwartung. Wir war-ten auf Licht ins Dun­kle. Wir warten auf Wärme in der Kälte. Wir warten auf das Fest. Wir warten auf freie Tage. Wir erwarten, dass es wieder so wird, wie wir es lieben: Stim­mungsvoll. Fes­tlich. Gut.

Bib­lis­che Texte im Advent laden uns aber ein, mehr zu erwarten. Nicht nur, was wir schon ken­nen. Es kön­nte doch mehr und ganz anderes möglich wer­den. Gott ver­mag mehr, als wir zu hof­fen wagen. – MARIA hat erlebt: Gott erwartet mehr als das Übliche, das Nor­male. Darum stellte der Besuch von Gabriel für sie so ziem­lich alles auf den Kopf. – Sie war ja noch sehr jung, 12 oder vielle­icht 13jährig. Mehr nicht. Sie war ver­lobt mit Josef. Ihre Erwartun­gen waren darum: Heirat­en; ein Mann, der sie liebt; Kinder. Ein nor­males Leben eben. Sie hoffte wohl schon auch auf das Kom­men des Mes­sias. Doch sie rech­nete nicht damit, dass sie das so per­sön­lich betr­e­f­fen würde.

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Probieren geht über Studieren

Predigt in der EMK Adliswil am 16.11.2025 zu Markus 4,3–9

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Liebe Gemeinde,

zum vor­läu­fig let­zten Mal predi­ge ich heute über den ‘Segen des Auf­bruchs’ (→ Es ist die 7. Predigt seit den Som­mer­fe­rien. Falls jemand eine ver­passt hat: Von allen Predigten liegen noch Aus­drucke auf. Oder: Siehe Web­site oder Blog). Das Ziel dieser Predigten war/ist, etwas Mut zu machen für Verän­derun­gen und Schritte. Im per­sön­lichen Leben genau­so wie im Miteinan­der als Gemein­de­bezirk. Wenn die Angst etwas klein­er und dafür Ver­trauen und Mut etwas gröss­er gewor­den sind, wäre viel gewon­nen.
Viele Aspek­te vom Auf­brechen sind zur Sprache gekom­men. Hof­fentlich ist Manch­es klar­er gewor­den. Und der Glaube daran gewach­sen: Auf­brechen ist ver­heis­sungsvoll. Gottes Segen begleit­et uns und geht uns voran, wo wir Schritte tun. Nicht ‘weg­predi­gen’ lässt sich freilich, dass aufzubrechen Mut ver­langt. Es ist eine Chal­lenge. Ist mit Risiken ver­bun­den. Jed­er Auf­bruch ist ein Schritt in die Unsicher­heit. Es braucht darum Ver­trauen. Dabei tun wir wohl manche Schritte ‘con­tre-coeur’ oder gegen das Bauchge­fühl. Schliesslich ist uns oft sehr bewusst, was schief gehen kön­nte. Nur: Null-Risiko gibt es nicht. Nicht ein­mal im Glauben. Ausser­dem: Auch wer ste­hen bleibt, geht ein hohes Risiko ein: Er/sie kön­nte das Leben schlicht ver­passen. Und viele gute Erfahrun­gen mit Gott blieben ‘ungelebt’.

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Erinnerung an die Zukunft

Predigt in der EMK Adliswil am 09.11.2025 zu Lukas 9,61f

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Liebe Gemeinde,

es wird gle­ich gefährlich. Sehr gefährlich sog­ar. Das ist offen­sichtlich. Wenn sie bleibt, über­lebt sie nicht. Nichts wie weg also! Nur: Hier hat sie sich ihr Leben aufge­baut und ein­gerichtet. Sie will nicht weg! Will ihre Fre­undin­nen nicht zurück­lassen. Sie will eigentlich bleiben. Und muss doch gehen! Das zer­reisst sie. Immer wieder schaut sie zurück. Wird langsamer und bleibt steck­en. Alles wird block­iert. Schliesslich erstar­rt sie zur Salzsäule. Das ist die Geschichte von Lots Frau (vgl. Gen 19,26)

Einige Jahrhun­derte später: Die Israeliten sind dem Pharao entkom­men. Sie sind aus der Ver­sklavung geflo­hen. Jet­zt auf dem Weg ins gelobte Land. Irgend­wo im nir­gend­wo. Sie schlep­pen sich durch die Wüste. Sie sind hun­grig. Müde. Ver­schwitzt. Sie sind zwar frei, aber zu welchem Preis? Die Erin­nerung erscheint in neuem Licht: War es wirk­lich so schlimm? Natür­lich hat­ten sie hart gear­beit­et. Doch wer nicht auf­muck­te, kon­nte sich arrang­ieren. Sich am Abend ein nahrhaftes Essen gön­nen. Und dann ins Bett sinken. Es war doch gar nicht so schlecht. Damals in Ägypten.
Warum nur hat­ten sie auf Mose gehört? Zu träu­men begonnen von einem Land, in dem ange­blich Milch und Honig fliessen. Das war doch bloss ein PR-Gag. Von der Wüste, die sie auf dem Weg dahin durch­queren mussten, war dage­gen nie die Rede. Auch nicht von der Hitze, vom Hunger, vom Muskelkater. – Es reicht jet­zt! Frei­heit ist doch über­be­w­ertet! Die Israeliten wollen zurück an die Fleis­chtöpfe Ägyptens (Ex 16,2f). Sie mur­ren! Und han­deln sich einen 40jährigen Umweg ein…

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Vertraut den neuen Wegen

Predigt in der EMK Adliswil am 02.11.2025, diverse bib­lis­che Bezüge, u.a. Matthäus 18,1–3

Liebe Gemeinde,

es braucht Ver­trauen, um aufzubrechen. Ohne Ver­trauen bleibt man ste­hen. Oder macht sog­ar Rückschritte. Wenn Sor­gen und Angst gewin­nen, ist der Rück­zug wahrschein­lich. Wenn dage­gen Ver­trauen den Ton angibt, kann zum Auf­bruch geblasen wer­den. – Was nährt solch­es Ver­trauen? Bib­lis­che Bilder kön­nen helfen: Zum Beispiel die WOLKEN- BZW. FEUERSÄULE, die den Israeliten in der Wüste vor­ange­ht. Darin wird anschaulich, was wir ger­ade gesun­gen haben: Gott geht nicht nur mit, son­dern voraus auf unseren Wegen. Wir sind nicht allein oder ori­en­tierungs­los. Son­dern geführt, begleit­et, geleit­et und wenn nötig, getra­gen. Gott ist da. Darum kön­nen wir den Wegen ver­trauen, auf die er uns weist. Sog­ar wenn sie ganz neu und anders sein sollten.

Ein anderes solch­es Bild aus der Bibel ist der REGENBOGEN. Kür­zlich war ich vor einem Gespräch, dem ich mit etwas Zagen und Zit­tern ent­ge­gen­sah, noch eine kurze Runde spazieren. Auf der Wacht­brücke sah ich einen Regen­bo­gen, der in der Sihl stand. Gottes Bun­desze­ichen. «Solange die Erde beste­ht, gilt mein Bund!» Mir hat das gut getan und Mut gemacht. So fiel es leichter, dem Weg in das Gespräch zu trauen… Das Gespräch übri­gens war her­aus­fordernd, im Rück­blick gese­hen aber auch sehr gut.

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Auf dein Wort, Herr!

Predigt zu Lukas 5,5b in der EMK Adliswil am 26.10.2025

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Liebe Gemeinde,

Petrus erzählt: «Ich werde es nie vergessen! Es ist Jahrzehnte her und fühlt sich doch an, als wäre es erst gestern gewe­sen: Wir waren die ganze Nacht draussen auf dem See Genezareth. Es war ruhig. Kaum Wind. Das Wass­er still. So ruhig, dass sich sog­ar die Sterne darin spiegel­ten …. Es war zu ruhig. Wir sahen näm­lich nicht einen einzi­gen Fisch. Mal um Mal holten wir die Net­ze ein. Doch sie waren immer leer. Als der Mor­gen däm­merte, waren wir fix und fer­tig. Müde. Ent­täuscht. Leer. – Wovon soll ein Fis­ch­er leben, wenn er nichts fängt?
Schliesslich fuhren wir zurück ans Ufer. Dort staunten wir nicht schlecht. Es herrschte emsiger Betrieb. So früh am Mor­gen. Unzäh­lige Men­schen. Und mit­ten­drin Jesus von Nazareth, der zu ihnen redete. Ich hat­te natür­lich schon von ihm gehört. Dass er ein fan­tastis­ch­er Red­ner sei. Dass in seinen Worten Gott nahe komme. Und dass Men­schen durch ihn gesund wür­den. – Von nahem hat­te ich ihn aber noch gese­hen. Jet­zt kam er auf mich zu. Er bat mich, von meinem Boot aus zu den Leuten sprechen zu kön­nen. Eigentlich wollte ich nur noch ins Bett. Aber er hat­te etwas an sich, das mich pack­te. Also liess ich ihn ein­steigen und rud­erte ein paar Meter vom Ufer weg. – Dann redete er zu den Men­schen. Ich sass neben ihm und hörte zu. Seine Worte waren ruhig, klar und voller Kraft. Sie macht­en etwas mit mir. Es kam mir vor, als würde er nur zu mir sprechen.
Als er fer­tig war, drehte er sich um und sagte zu mir: ‘Fahr hin­aus auf den See und wirf die Net­ze aus!’ Das war total ver­rückt! Er wollte mir sagen, wie man fis­cht!? Mir, Simon, der seit vie­len Jahren Fis­ch­er war. Ich erk­lärte ihm also, dass wir schon die ganze Nacht draussen waren und nichts gefan­gen hät­ten. Nach ein­er kurzen Pause hörte ich mich dann zu meinem eige­nen Erstaunen sagen: ‘Auf dein Wort hin will ich die Net­ze auswerfen!’»

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