Predigt am Sonntag, 12.04.2026 in der EMK Adliswil zu Philipper 4,6–7
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Macht euch keine Sorgen. Im Gegenteil: Wendet euch in jeder Lage an Gott. Tragt ihm eure Anliegen vor in Gebeten und Fürbitten und voller Dankbarkeit. Und der Friede Gottes, der alles Verstehen übersteigt, wird eure Herzen und Gedanken behüten. Er wird sie bewahren in der Gemeinschaft mit Jesus Christus. Philipper 4,6 (Basis Bibel)
Liebe Gemeinde,
noch kürzer: «Macht euch keine Sorgen … das Gebet ist die Lösung … so regiert der Friede Gottes in euren Herzen und Gedanken.» Das klingt gut! Aber können wir dem trauen? Ist es nicht allzu einfach? – Aber auch: Darf man so zweifelnd denken? Falls ja: Wo kann man das aussprechen?
Predigt am Ostersonntag,05.04.2026 in der EMK Adliswil zu Johannes 20,11–18
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Liebe Gemeinde,
wir sind in den Predigten bis Pfingsten unterwegs unter dem Motto ‘Zäme – d’Chraft vom Mitenand’. Dazwischen feierten wir vorgestern Karfreitag. Und heute ist nun Ostern.
Karfreitag stellt jedes Zäme radikal in Frage. An seinem Todestag hat das Miteinander für Jesus nicht funktioniert. Überhaupt nicht. Die Gemeinschaft der Jünger:innen, die er sorgfältig aufgebaut hatte, zerbrach. Sie stoben in alle Richtungen auseinander. Jesus blieb am Kreuz zurück. Leidend. Sterbend. Und auch: Ganz allein. Karfreitag ist die Geschichte vom totalen ‘Nicht-Zäme’. Sie gipfelt in Jesu Schrei am Kreuz: «Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?» Das ist der schlimmstmögliche Gegensatz zu allem, was wir anstreben. Und nun? Dass der Riss irgendwie repariert werden könnte, wagte am Karfreitag niemand zu hoffen. Wie auch? Ideen, wie das möglich sein könnte, fehlten.
Aber heute ist Ostern! Und Ostern ist das Fest, das jede Trennung aufhebt! Sogar die endgültige und radikale Trennung durch den Tod. Gott hat den Tod überwunden, hat Christus auferweckt. Und damit ist klar, was wir heute feiern: Jesus nahm die totale Verlassenheit auf sich, damit wir nie wieder gottverlassen und einsam sind. In keiner Situation sind wir ohne Gott. Jesu Auferstehung begründet ein neues, stabiles Miteinander. In Christus bleiben wir ‘Zäme’, mit Gott und miteinander. Trotz allen Andeutungen und Versprechen, die Jesus den Jünger:innen vor seiner Passion gemacht hatte. Damit hatte niemand gerechnet. Eine solche Wende war schlicht nicht vorstellbar. Ostern war die totale Überraschung. Darum heisst das Thema meiner Osterpredigt: Die Kraft der Überraschung.
schon seit einer Weile sind wir in den Gottesdiensten unter dem Motto ‘Zäme – d’Chraft vom Mitenand’ unterwegs. Dies, weil christlicher Glaube kein Sololauf ist, sondern ein Mannschaftssport. Weil wir zusammengehören und einander brauchen. Wir haben schon nachgedacht übers ‘Zäme teile’ und über Gastfreundschaft unter dem Motto ‘zäme am Tisch’. Schliesslich haben wir am vergangenen Sonntag aus vollem Herzen und voller Kehle ‘zäme gsunge’. Heute geht es um ein Thema, das nicht zum ‘Zäme’ zu passen scheint: Freiheit. Sie ist eine wesentliche Säule unseres Glaubens. Das Evangelium bedeutet Freiheit von Schuld und von Belastungen, bedeutet Erlösung. Das aber denken wir vor allem individuell. Wie sind Freiheit und Miteinander zusammen zu denken? Wie ist es zu verstehen, dass jeder und jede ganz frei ist … und doch in eine Gemeinschaft integriert? Was eben auch Verpflichtungen bedeutet. Das Thema dieser Predigt lautet also ’Zäme frei’.
Predigt vom 22.03.2026 in der EMK Adliswil zu Kolosser 3,16
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Liebe Gemeinde,
nach einem Unterbruch von einer Woche – dank der Ökumene – geht es weiter mit ‘Zäme – d’Chraft vom Mitenand’. Zuerst haben wir übers ‘Zäme teile’ nachgedacht. Danach ging es unter dem Motto ‘Zäme am Tisch’ um Gastfreundschaft. Im Hintergrund der ganzen Reihe steht ein Satz von John Wesley, nämlich: «Es gibt keine Heiligkeit ausser der sozialen Heiligkeit». Oder, wer es lieber in Dialekt und ohne John Wesley hätte: ‘Warum gahts dänn nöd als Solochrischt? … will d’eleige ganz verlore bisch und dir niemer hälfe cha.’
Predigt vom 08.03.2026 in der EMK Adliswil zu Hebräer 13,1–2
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Liebe Gemeinde,
es geht weiter mit der Reihe ‘Zäme – d’Chraft vom Mitenand’. Im Hintergrund steht unter anderem das Zitat von John Wesley: «Es gibt keine Heiligkeit ausser der sozialen Heiligkeit». D.h. Glaube ist kein Sololauf. Glaube ist, wenn man so will, ein Mannschaftssport. Er funktioniert nicht im Alleingang. Wir brauchen das ‘Zäme’. Unsere Kraft kommt aus dem Miteinander, mit Gott und miteinander. Nur daraus wächst und reift unser Glaube. Nur so werden wir wirksam in dieser Welt. Ums ‘zäme Teile’ ging es am letzten Sonntag. Heute heisst das Thema ‘zäme am Tisch’. Das passt schon deshalb, weil wir am nächsten Samstag erstmals ‘zäme am Tisch’ in Form eines Brunches ausprobieren. Darüber hinaus geht es mir heute nicht nur um Tischgemeinschaft, sondern generell um Gastfreundschaft … die häufig ‘zäme am Tisch’ einen angemessenen Ausdruck findet.
«Wo du hingehst, da will ich auch hingehen; wo du bleibst, da bleibe ich auch. Dein Volk ist mein Volk, und dein Gott ist mein Gott.» (Ruth 1,16). Das klingt ein wenig nach Hochzeit. Und es ist tatsächlich ein beliebter Trautext, den wir zu Beginn des Gottesdienstes gehört haben. Dabei ist der Zusammenhang ein anderer: Die alte Witwe Naomi zieht nach langen Jahren im Ausland zurück in ihre Heimat. An der Grenze will sie ihre ebenfalls verwitweten Schwiegertöchter zurückschicken. Ihre Zukunft liege nicht in Israel. Die eine, Orpa, kehrt tatsächlich um und verabschiedet sich. Die andere aber, Ruth, lässt sich nicht abschütteln. Sie erklärt: «Wo du hingehst, da will ich auch hingehen; wo du bleibst, da bleibe ich auch …». Anders gesagt: «Wir gehören zusammen. Komme, was wolle!» Es gibt keine Umstände, die unsere Gemeinschaft in Frage stellen oder gar auflösen könnten. Danach sehnen sich Menschen, auch heute: Nach einer Gemeinschaft, aus der sie nicht herausfallen können. Umgekehrt ist es die grösste Angst vieler, irgendwann allein gelassen zu werden und vergessen zu gehen.
von der Tagung ‚Bunt glauben‘ am vorletzten Sa habe ich zwei Sätze mitgenommen. Zunächst: Die Gnade hat das letzte Wort. — Egal wo, egal wie. Die Gnade hat das letzte Wort! Das charakterisiert unseren Glauben. Auch viele andere Ideologien, Philosophien und Religionen kennen Gnade. Aber sie geben der Gnade nicht das letzte Wort. Christ:innen schon: Die Gnade hat das letzte Wort!
Das begründet den zweiten Satz, den ich seit vorletztem Samstag mit mir trage: Wir glauben hoffnungsvoll. Dieser Satz stammt aus einer Arbeit des Bildungszentrums Bienenberg. Sie formulierte in 13 Thesen, wie (wohlgemerkt: Wie, nicht was) Christ:innen heute glauben können. Diese Thesen gruppieren sich in vier Themenbereiche, nämlich: 1. Wir glauben Jesus; 2. Wir glauben gemeinschaftlich; 3. Wir glauben engagiert; und eben – das hat es mir besonders angetan- 4. Wir glauben hoffnungsvoll!
Hoffnung gehört nach Paulus neben Glaube und Liebe zu den grossen, bleibenden drei (vgl. 1. Kor 13,13). Spätestens seit der Auferstehung Christi gehört Hoffnung zum Kern unseres Glaubens. Glaube an Christus ist hoffnungsvoll, macht Hoffnung, steckt andere mit Hoffnung ein. Dabei ist zu unterstreichen: Wir reden hier nicht nur von der Hoffnung auf die Vollendung irgendwann am Ende. Das Bildungszentrum Bienenberg ist renommiert für seine Friedenstheologie, Konfliktforschung und Versöhnungsarbeit. Darum versteht es die Hoffnung diesseitig: Gott will das Beste für die Welt und seine Menschen. Er will diese Welt in einen friedlicheren Ort transformieren. Dafür engagiert er sich … und wir hoffentlich auch.
EMK steht für evangelisch-methodistische Kirche. Das wissen wir. Aber manche Leute spielen bisweilen gerne ein wenig mit diesen Buchstaben. Sie fragen sich dann: Wofür könnte EMK auch noch stehen? – Schon öfter gehört habe ich zum Beispiel: EMK steht eigentlich für ‚Eine Menge Kommissionen‘. Damit verbindet sich die Kritik, dass wir überorganisiert bzw. überstrukturiert seien. Andere deuten mit Blick auf Konflikte und Spannungen, die das Zusammen Leben und Glauben strapazieren, EMK als ‚Es Menschelt Kräftig‘. Auch das könnte etwas treffen.
Programmatisch war hingegen die Deutung, die Bischof Bolleter vor ziemlich langer Zeit (® 2005) einmal in einer Konferenzpredigt machte: EMK, so sagte er damals, stehe für ‚Eine Miteinander Kirche‘. Das sei vielleicht manchmal mehr Vision als Realität. Aber wir sollten uns dafür engagieren, es besser zu verwirklichen: Eine Miteinander Kirche.
zum dritten Mal beschäftigen wir uns heute mit den Werten unserer Kirche / Gemeinde. Zuerst ging es um Inklusion = Einschliesslichkeit. Dann beschäftigten wir uns letzten Sonntag damit, dass der dreieinige Gott Mittel- und Ausgangspunkt der Gemeinde sein und bleiben müsse. Heute nun geht es um das Wesen der kirchlichen Gemeinschaft. Sie soll tragend, grosszügig und befähigend sein.
Beginnen wir mit den Wörtern Kirche und Gemeinde. Im Griechischen steht hinter Kirche der Begriff ‚Ekklesia‘. Es leitet sich von einem Verb ab, das ‚herausrufen‘ bedeutet. Die Kirche ist demnach die Versammlung oder Gemeinschaft der Herausgerufenen ( … aus der Einsamkeit in die Gemeinschaft; aus der Dunkelheit ins Licht; aus der Gottferne (‚Sünde‘) in die Beziehung zu Gott). Im Deutschen ist ‚Kirche‘ wohl aus einem anderen griechischen Wort entstanden (kurikon bzw. kuriakon). Es bezeichnet, ‚was zum Herrn gehört‘. Kirche bilden also diejenigen, die zum Herrn gehören. Oder, beides zusammenfassend: Kirche ist die Gemeinschaft der in die Gotteskindschaft Berufenen.
Beim Begriff ‚Gemeinde‘ ist die Herleitung einfacher. Das Wort kommt von Gemeinschaft. Im Griechischen ist das ‚Koinonia‘, auf Lateinisch ist es ‚Communio‘. In den Paulusbriefen wird es zu einem ganz zentralen Begriff. Er bezeichnet das Miteinander derer, die in einer Beziehung mit Christus leben. Dieses Miteinander bzw. diese Gemeinschaft ist notabene durch Gottes schöpferisches Wirken begründet und geschaffen. Sie ist eine Neuschöpfung oder wenigstens die Wiederherstellung der ursprünglichen Gemeinschaft (im Paradies) von Menschen untereinander – und zusammen mit Gott.
vermutlich im Sommer des Jahres 50 n.Chr. kam der Apostel Paulus auf seiner zweiten Missionsreise nach Korinth. In der pulsierenden Hafenstadt blieb er eineinhalb Jahre und gründete eine christliche Gemeinde. Diese scheint schnell gewachsen zu sein und hat Menschen unterschiedlichster Couleur angezogen. Die Gemeinde erlebte schon in den ersten Jahren eine turbulente Geschichte. Das spiegelt sich auch in einem wechselhaften Verhältnis zwischen der Gemeinde und ihrem Gründer. Die beiden Briefe an die Korinther lassen da Vieles durchscheinen: Nachdem Paulus weitergezogen war, kamen nämlich andere christliche Missionare nach Korinth. Sie legten neue Schwerpunkte und widersprachen Paulus in manchen Punkten. So entstanden konkurrierende Richtungen in der Gemeinde. Es drohten sogar Spaltungen. Paulus versuchte zu vermitteln, wie sein erster Brief zeigt. Dennoch kam es zum zwischenzeitlichen Zerwürfnis. Schliesslich aber versöhnten sich Paulus und die Korinther wieder.