Predigt am Sonntag, 12.04.2026 in der EMK Adliswil zu Philipper 4,6–7
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Macht euch keine Sorgen. Im Gegenteil: Wendet euch in jeder Lage an Gott. Tragt ihm eure Anliegen vor in Gebeten und Fürbitten und voller Dankbarkeit. Und der Friede Gottes, der alles Verstehen übersteigt, wird eure Herzen und Gedanken behüten. Er wird sie bewahren in der Gemeinschaft mit Jesus Christus. Philipper 4,6 (Basis Bibel)
Liebe Gemeinde,
noch kürzer: «Macht euch keine Sorgen … das Gebet ist die Lösung … so regiert der Friede Gottes in euren Herzen und Gedanken.» Das klingt gut! Aber können wir dem trauen? Ist es nicht allzu einfach? – Aber auch: Darf man so zweifelnd denken? Falls ja: Wo kann man das aussprechen?
Predigt vom Karfreitag, 03.04.2026 in der EMK Adliswil zu Matthäus 27,45–50
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Liebe Gemeinde,
in meinen Predigten bis Pfingsten geht es um ‘Zäme – d’Chraft vom Mitenand’. Dieses Thema scheint Karfreitag auf den ersten Blick in seine Einzelteile zu zerlegen. Da hat nämlich das ‘Zäme’ überhaupt nicht funktioniert. Die Gemeinschaft der Jünger:innen, die Jesus aufgebaut hatte, zerbrach. Sie stoben in alle Richtungen auseinander. Und liessen Jesus ganz allein. Karfreitag mutet uns den radikalen Kontrast zum ‘Zäme’ zu, das wir eigentlich anstreben. Seine Geschichte erzählt vom totalen Zerriss, der jede menschliche Gemeinschaft bedroht. Jesus leidet in absoluter Isolation. Seine Passion ist die Geschichte vom absoluten ‘Nicht-Zäme’.
schon seit einer Weile sind wir in den Gottesdiensten unter dem Motto ‘Zäme – d’Chraft vom Mitenand’ unterwegs. Dies, weil christlicher Glaube kein Sololauf ist, sondern ein Mannschaftssport. Weil wir zusammengehören und einander brauchen. Wir haben schon nachgedacht übers ‘Zäme teile’ und über Gastfreundschaft unter dem Motto ‘zäme am Tisch’. Schliesslich haben wir am vergangenen Sonntag aus vollem Herzen und voller Kehle ‘zäme gsunge’. Heute geht es um ein Thema, das nicht zum ‘Zäme’ zu passen scheint: Freiheit. Sie ist eine wesentliche Säule unseres Glaubens. Das Evangelium bedeutet Freiheit von Schuld und von Belastungen, bedeutet Erlösung. Das aber denken wir vor allem individuell. Wie sind Freiheit und Miteinander zusammen zu denken? Wie ist es zu verstehen, dass jeder und jede ganz frei ist … und doch in eine Gemeinschaft integriert? Was eben auch Verpflichtungen bedeutet. Das Thema dieser Predigt lautet also ’Zäme frei’.
Predigt vom 22.03.2026 in der EMK Adliswil zu Kolosser 3,16
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Liebe Gemeinde,
nach einem Unterbruch von einer Woche – dank der Ökumene – geht es weiter mit ‘Zäme – d’Chraft vom Mitenand’. Zuerst haben wir übers ‘Zäme teile’ nachgedacht. Danach ging es unter dem Motto ‘Zäme am Tisch’ um Gastfreundschaft. Im Hintergrund der ganzen Reihe steht ein Satz von John Wesley, nämlich: «Es gibt keine Heiligkeit ausser der sozialen Heiligkeit». Oder, wer es lieber in Dialekt und ohne John Wesley hätte: ‘Warum gahts dänn nöd als Solochrischt? … will d’eleige ganz verlore bisch und dir niemer hälfe cha.’
Predigt vom 08.03.2026 in der EMK Adliswil zu Hebräer 13,1–2
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Liebe Gemeinde,
es geht weiter mit der Reihe ‘Zäme – d’Chraft vom Mitenand’. Im Hintergrund steht unter anderem das Zitat von John Wesley: «Es gibt keine Heiligkeit ausser der sozialen Heiligkeit». D.h. Glaube ist kein Sololauf. Glaube ist, wenn man so will, ein Mannschaftssport. Er funktioniert nicht im Alleingang. Wir brauchen das ‘Zäme’. Unsere Kraft kommt aus dem Miteinander, mit Gott und miteinander. Nur daraus wächst und reift unser Glaube. Nur so werden wir wirksam in dieser Welt. Ums ‘zäme Teile’ ging es am letzten Sonntag. Heute heisst das Thema ‘zäme am Tisch’. Das passt schon deshalb, weil wir am nächsten Samstag erstmals ‘zäme am Tisch’ in Form eines Brunches ausprobieren. Darüber hinaus geht es mir heute nicht nur um Tischgemeinschaft, sondern generell um Gastfreundschaft … die häufig ‘zäme am Tisch’ einen angemessenen Ausdruck findet.
«Wo du hingehst, da will ich auch hingehen; wo du bleibst, da bleibe ich auch. Dein Volk ist mein Volk, und dein Gott ist mein Gott.» (Ruth 1,16). Das klingt ein wenig nach Hochzeit. Und es ist tatsächlich ein beliebter Trautext, den wir zu Beginn des Gottesdienstes gehört haben. Dabei ist der Zusammenhang ein anderer: Die alte Witwe Naomi zieht nach langen Jahren im Ausland zurück in ihre Heimat. An der Grenze will sie ihre ebenfalls verwitweten Schwiegertöchter zurückschicken. Ihre Zukunft liege nicht in Israel. Die eine, Orpa, kehrt tatsächlich um und verabschiedet sich. Die andere aber, Ruth, lässt sich nicht abschütteln. Sie erklärt: «Wo du hingehst, da will ich auch hingehen; wo du bleibst, da bleibe ich auch …». Anders gesagt: «Wir gehören zusammen. Komme, was wolle!» Es gibt keine Umstände, die unsere Gemeinschaft in Frage stellen oder gar auflösen könnten. Danach sehnen sich Menschen, auch heute: Nach einer Gemeinschaft, aus der sie nicht herausfallen können. Umgekehrt ist es die grösste Angst vieler, irgendwann allein gelassen zu werden und vergessen zu gehen.
EMK steht für evangelisch-methodistische Kirche. Das wissen wir. Aber manche Leute spielen bisweilen gerne ein wenig mit diesen Buchstaben. Sie fragen sich dann: Wofür könnte EMK auch noch stehen? – Schon öfter gehört habe ich zum Beispiel: EMK steht eigentlich für ‚Eine Menge Kommissionen‘. Damit verbindet sich die Kritik, dass wir überorganisiert bzw. überstrukturiert seien. Andere deuten mit Blick auf Konflikte und Spannungen, die das Zusammen Leben und Glauben strapazieren, EMK als ‚Es Menschelt Kräftig‘. Auch das könnte etwas treffen.
Programmatisch war hingegen die Deutung, die Bischof Bolleter vor ziemlich langer Zeit (® 2005) einmal in einer Konferenzpredigt machte: EMK, so sagte er damals, stehe für ‚Eine Miteinander Kirche‘. Das sei vielleicht manchmal mehr Vision als Realität. Aber wir sollten uns dafür engagieren, es besser zu verwirklichen: Eine Miteinander Kirche.
zum dritten Mal beschäftigen wir uns heute mit den Werten unserer Kirche / Gemeinde. Zuerst ging es um Inklusion = Einschliesslichkeit. Dann beschäftigten wir uns letzten Sonntag damit, dass der dreieinige Gott Mittel- und Ausgangspunkt der Gemeinde sein und bleiben müsse. Heute nun geht es um das Wesen der kirchlichen Gemeinschaft. Sie soll tragend, grosszügig und befähigend sein.
Beginnen wir mit den Wörtern Kirche und Gemeinde. Im Griechischen steht hinter Kirche der Begriff ‚Ekklesia‘. Es leitet sich von einem Verb ab, das ‚herausrufen‘ bedeutet. Die Kirche ist demnach die Versammlung oder Gemeinschaft der Herausgerufenen ( … aus der Einsamkeit in die Gemeinschaft; aus der Dunkelheit ins Licht; aus der Gottferne (‚Sünde‘) in die Beziehung zu Gott). Im Deutschen ist ‚Kirche‘ wohl aus einem anderen griechischen Wort entstanden (kurikon bzw. kuriakon). Es bezeichnet, ‚was zum Herrn gehört‘. Kirche bilden also diejenigen, die zum Herrn gehören. Oder, beides zusammenfassend: Kirche ist die Gemeinschaft der in die Gotteskindschaft Berufenen.
Beim Begriff ‚Gemeinde‘ ist die Herleitung einfacher. Das Wort kommt von Gemeinschaft. Im Griechischen ist das ‚Koinonia‘, auf Lateinisch ist es ‚Communio‘. In den Paulusbriefen wird es zu einem ganz zentralen Begriff. Er bezeichnet das Miteinander derer, die in einer Beziehung mit Christus leben. Dieses Miteinander bzw. diese Gemeinschaft ist notabene durch Gottes schöpferisches Wirken begründet und geschaffen. Sie ist eine Neuschöpfung oder wenigstens die Wiederherstellung der ursprünglichen Gemeinschaft (im Paradies) von Menschen untereinander – und zusammen mit Gott.
Input im Bezirkswochenende der EMK Adliswil-Zürich 2 am Sonntag, 22.05.2022
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Liebe Gemeinde,
vergangenen Sonntag bin ich mit vielen FCSG-Fans Zug gefahren. Es war ja der Cupfinal. Der ganze Zug war von grün-weiss bestimmt. Am Morgen waren die Leute voller Vorfreude. Die Atmosphäre knisterte, auf eine durchaus angenehme Weise. Am Abend war es dann ziemlich still. Der FCSG ist ja gegen den FC Lugano ziemlich untergegangen. Die Stimmung war aber auch da friedlich.
Was haben Fussball-Fans mit unserem Glauben zu tun? Kann man von ihnen etwas lernen im Blick auf ‘Feuer und Flamme’ sein? – Nun ja, Fussball-Fans (ich rede jetzt nicht von den ‘Ultras’) sind sehr begeisterungsfähig. Sie sind Feuer und Flamme für ihren Verein. Und sie bleiben ihm treu, auch in schwierigen Zeiten. – Eigenschaften, die Christen im Verhältnis zu ihrem Glauben genauso gut anstehen. Darüber hinaus bietet der Fussball allerlei Vergleiche für unser Glaubensfeuer.
jeder dritte Haushalt in der Schweiz ist ein Einpersonenhaushalt. D.h. Ende 2020 lebte ein guter Sechstel (→ 17%) der CH-Bevölkerung allein. Ist das nun ein Zeichen, dass Individualismus und Egoismus überhand nehmen? Nicht wenige leben doch freiwillig allein. Oder werden dahinter andere Zusammenhänge sichtbar? Sehr viele wollen nämlich gar nicht allein wohnen. Sondern die Umstände haben sie in diese Situation gezwungen. Weil der Partner bzw. die Partnerin gestorben ist oder zu krank/schwach ist. Weil eine Beziehung in die Brüche gegangen ist. Weil die berufliche Situation nur eine Fernbeziehung oder Wochenendehe erlaubt. Weil man niemanden gefunden hat, mit dem oder der man zusammenleben kann und will … Und sicher ist: Sogar Menschen, die freiwillig und gerne allein wohnen, wollen nicht einsam sein. Ein soziales Netz brauchen und suchen alle. Doch längst nicht immer finden sie das auch. Und dann leiden sie unter Einsamkeit. Die ist schon länger zu einem Massenphänomen geworden. Die Pandemie hat dies noch verstärkt. Aktuell gibt etwa ein Drittel der Menschen, die in der CH wohnen, an, dass sie unter Einsamkeitsgefühlen leiden (Notabene: Das sind fast doppelt so viele wie Alleinlebende!). Besonders gefährdet sind offenbar Jugendliche und SeniorInnen, dazu MigrantInnen. – Einsamkeit oder die Angst davor kennen die meisten Leute. Dennoch ist es ein Tabuthema. Schliesslich: Nur VerliererInnen fühlen sich einsam. Das ist die unausgesprochene, aber weithin dominierende Meinung. – So ist Einsamkeit – auch wegen der Tabuisierung — ein grosses Problem. Man kann sogar von einer Volkskrankheit reden.