Predigt am Sonntag, 31.05.2026 in der EMK Adliswil zu Johannes 4
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Liebe Gemeinde,
Geschichten, die sich am Brunnen entwickeln, sind etwas Besonderes. Wer den Blick oder gar einen Sprung in den Brunnen wagt, entdeckt eine neue Wirklichkeit. Davon erzählen z.B. Märchen. Auch davon, dass das nicht nur angenehm ist: Die Pechmarie etwa freute sich nicht darüber, was Frau Holle am Boden des Brunnens für sie bereithielt. Naja, und wenn statt des Traumprinzen ein Frosch geküsst werden will, ist auch das alles andere als märchenhaft.
Auch in der Bibel gibt es Brunnengeschichten mit viel Tiefgang.
Pfingsten ist das Fest des Heiligen Geistes. Sein Geburtstag, wenn man so will. Wobei diese Analogie nicht ganz passt. Schliesslich erhält normalerweise das Geburtstagskind Geschenke. Der Heilige Geist aber nimmt nicht Geschenke in Empfang, sondern teilt Geschenke = Gaben aus. Überhaupt ist es kompliziert mit dem Heiligen Geist. Nicht nur, dass umstritten ist, ob er männlich oder weiblich, als heilige Geistkraft zu denken ist. Geist = Pneuma (griech.) = Ruach (hebr.) ist überhaupt schwer begreif- und fassbar. Die Kirche braucht fast 400 Jahre, bis nur definitiv geklärt war: Der Heilige Geist ist eine eigene göttliche Person. Er (oder: Sie?) steht auf derselben Stufe wie der Vater und der Sohn. Zusammen sind sie die heilige Dreifaltigkeit. Ein Gott in drei Personen. Allerdings spielte der Heilige Geist auch nach 381 (Konzil von Konstantinopel, das die Entwicklung der Trinitätslehre abschloss) in der Volksfrömmigkeit (nicht aber in der Theologie) sehr lange nur eine bescheidene Rolle. Das hat sich erst mit den Aufbrüchen, aus denen Pfingstkirchen und charismatische Bewegung entstanden, geändert.
an Pfingsten geht es um den Heiligen Geist. So weit, so klar … und so schwierig. Denn von dieser Seite ist Gott am schwersten – wenn überhaupt – fassbar. Der Pfingstbericht der Apg zeigt: Gottes Geist bringt Vieles in Bewegung. Dabei geht aber auch Allerlei drunter und drüber. Man kann weder steuern noch kontrollieren, was durch den Geist von Gott her geschieht. Das ist ja gut und irgendwie befreiend. Weil so Verkrustungen aufbrechen und Erstarrungen sich lösen können. Eigentlich wünschte man Kirchen und Gemeinden mehr Wehen des Geistes, vielleicht sogar als Sturm. Doch solcher Wunsch könnte auch ‚gefährlich‘ sein. Weil dabei liebgewordene Gewohnheiten und vertraute Traditionen womöglich weggeweht würden. Was sicher schmerzhaft wäre, vielleicht sogar beängstigend.
Was hat es mit dem Heiligen Geist auf sich? Was ist da in Jerusalem eigentlich passiert? – Der Bericht des Lk deutet zwar Vieles an. Und gibt zugleich Rätsel auf. Denn letztlich sprengt es unser Vorstellungsvermögen: Verständigung über alle Grenzen von Kultur und Sprache hinweg. Auch die Begeisterung der JüngerInnen ist zwiespältig. Zwar schon sympathisch. Aber so ausser Rand und Band zu geraten ist auch verdächtig. Kaum verwunderlich daher, dass Kirchenordnungen Instrumente geschaffen haben um das Wirken des Geistes zu kontrollieren. Für den Preis, dass vom Feuer des Anfangs nur noch ein laues Lüftchen geblieben ist.
manchmal fehlen die Worte. Es verschlägt uns die Sprache, wenn wir Nachrichten aus Kriegsgebieten lesen, von Naturkatastrophen hören oder tragische persönliche Schicksale erzählt bekommen. Wie gerne würde man gerade dann etwas Sinnvolles, Tröstliches sagen. Doch das will nicht gehen. Und dann flüchtet man sich in Floskeln. Z.B.: «Es kommen auch wieder bessere Tage!» Oder sogar: «Alles wird gut!» Dabei fühlen wir: Es ist alles andere als gut!
Ein Beispiel dazu. Es ist unterdessen viele Jahre her: Ein Jungscharleiter, noch keine 20 Jahre alt, verunglückte tödlich. Ein Automobilist hatte ihn auf seinem Velo übersehen und überfahren. Im Gemeindebrief war dann zu lesen: Es hat Gott gefallen, XY zu sich zu rufen. Das löste Empörung und Widerspruch aus: Es kann doch Gott nicht gefallen, wenn ein hoffnungsvolles Leben brutal kaputt gemacht wird. – Eben: Manchmal gibt es keine angemessenen Worte. Gut gemeinte Versuche, dennoch etwas zu formulieren, machen die Sache dann nur schlimmer. – Zwar steht in der Bibel z.B. «Wir wissen, dass denen, die Gott lieben, alle Dinge zum Besten dienen» (Röm 8,28). Aber so etwas kann man Trauernden nicht zusprechen. Genauso wie es bestenfalls hilflos wirkt, jemanden mit einer frischen Krebsdiagnose zu trösten mit: «Alles wird gut!»
Predigt am Pfingstsonntag, 05.06.2022 in der EMK Adliswil
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Liebe Gemeinde,
„bist Du eigentlich nicht mehr ganz bei Trost?“ – Es war kein gutes Zeichen, wenn meine Mutter mich das zu fragen müssen glaubte. Dann hatte ich etwas Unerlaubtes, Gefährliches oder Verrücktes vor … oder womöglich schon getan. Laut Duden bedeutet ‚nicht bei Trost sein: Verwirrt sein oder verrückt sein. Ich brauche die Redewendung kaum, würde direkter fragen: ‚Spinnsch eigentlich?‘ oder: ‚Het’s dir is Hirni gschneit?‘Als Redensarten geläufiger sind mir z.B.: Einen Sprung in der Schüssel haben; nicht ganz dicht sein; nicht alle Tassen im Schrank haben …. — Umgekehrt bedeutete ‚bei Trost sein‘: Klar sehen; bei klarem Verstand sein; rational denken können. Seit Jesus am Kreuz gestorben war, waren seine Jüngerinnen und Jünger nicht mehr bei Trost. Die Ostererscheinungen hatten zwar die Trauer überwunden, hatten sie trösten können. Aber sie blieben vorläufig verwirrt. Wie sollten sie sich in der neuen Situation orientieren? Sie blieben unsicher, wussten nicht recht, was und vor allem wie sie es tun sollten.
Input im Bezirkswochenende der EMK Adliswil-Zürich 2 am Sonntag, 22.05.2022
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Liebe Gemeinde,
vergangenen Sonntag bin ich mit vielen FCSG-Fans Zug gefahren. Es war ja der Cupfinal. Der ganze Zug war von grün-weiss bestimmt. Am Morgen waren die Leute voller Vorfreude. Die Atmosphäre knisterte, auf eine durchaus angenehme Weise. Am Abend war es dann ziemlich still. Der FCSG ist ja gegen den FC Lugano ziemlich untergegangen. Die Stimmung war aber auch da friedlich.
Was haben Fussball-Fans mit unserem Glauben zu tun? Kann man von ihnen etwas lernen im Blick auf ‘Feuer und Flamme’ sein? – Nun ja, Fussball-Fans (ich rede jetzt nicht von den ‘Ultras’) sind sehr begeisterungsfähig. Sie sind Feuer und Flamme für ihren Verein. Und sie bleiben ihm treu, auch in schwierigen Zeiten. – Eigenschaften, die Christen im Verhältnis zu ihrem Glauben genauso gut anstehen. Darüber hinaus bietet der Fussball allerlei Vergleiche für unser Glaubensfeuer.
Der im Januar 2005 in Appenzell verstorbene israelischen Humorist Ephraim Kishon schrieb einmal: “Schreiber dieser Zeilen darf in aller Bescheidenheit darauf hinweisen, dass er im Leben einiges geleistet hat. Er hat eine Reihe erfolgreicher Bücher, Filme und Theaterstücke verfasst, hat Preise und Auszeichnungen eingeheimst, hat einige Mal geheiratet und ist im Besitz eines persönlichen Handschreibens von Golda Meir . Doch nichts von alledem hat ihm auch nur einen Bruchteil jener ekstatischen Beseligung vermittelt, die eintritt, wenn ein Ball im Tor des Gegners landet.”(zitiert nach: ‘Ephraim Kishon für Kenner – ABC der Heiterkeit, hrsg. 1980 vom Ullstein Verlag Frankfurt /M, S.78).
Morgen feiern wir Pfingsten, das Fest des Heiligen Geistes. Die Bibel verwendet unterschiedliche Bilder, um den Heiligen Geist zu beschreiben, u.a. Feuer bzw. Flammen (Apostelgeschichte 2,3), unbeschreibliche Stille (1.Könige 19,12), reines Wasser (Hesekiel 36,25–27) oder Wind (Johannes 3,8). Mir gefällt immer wieder sehr das Bild vom ‘Wind unter den Flügeln’, der einen Vogel oder auch ein Flugzeug trägt und mühelos gleiten lässt. Die Sängerin und Songwriterin Jackie Leuenberger verwendet in einem ihrer Lieder (auf der CD ‘Südhang’) dieses Bild. Für mich klingt das Lied wie ein an den Heiligen Geist gerichtetes Gebet. Ich habe dazu vor einiger Zeit die folgende Bildmeditation gemacht:
Am kommenden Sonntag feiern wir Pfingsten. Da geht es darum, dass wir uns begeistern lassen für Gott, dass wir ‘Feuer und Flamme’ werden für sein Evangelium, dass sein Heiliger Geist uns erfüllt und belebt. Als Jesu Jünger das erstmals erlebten, erschienen Feuerflammen auf ihnen. So erzählt es jedenfalls Lk in der Apostelgeschichte. — Die Frage ist immer wieder, ob wir zulassen, dass Gottes Feuer uns packt. Dazu bin ich auf einen uralten und doch noch ganz aktuellen Text gestossen. Er stammt aus der Feder von Ferdinand Sigg, damals Redaktor der Zeitschrift Evangelist, später Bischof der Methodistenkirche. Erstmals erschienen ist der Artikel übrigens 1954: