Predigt vom Karfreitag, 03.04.2026 in der EMK Adliswil zu Matthäus 27,45–50
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Liebe Gemeinde,
in meinen Predigten bis Pfingsten geht es um ‘Zäme – d’Chraft vom Mitenand’. Dieses Thema scheint Karfreitag auf den ersten Blick in seine Einzelteile zu zerlegen. Da hat nämlich das ‘Zäme’ überhaupt nicht funktioniert. Die Gemeinschaft der Jünger:innen, die Jesus aufgebaut hatte, zerbrach. Sie stoben in alle Richtungen auseinander. Und liessen Jesus ganz allein. Karfreitag mutet uns den radikalen Kontrast zum ‘Zäme’ zu, das wir eigentlich anstreben. Seine Geschichte erzählt vom totalen Zerriss, der jede menschliche Gemeinschaft bedroht. Jesus leidet in absoluter Isolation. Seine Passion ist die Geschichte vom absoluten ‘Nicht-Zäme’.
als Schriftlesung haben wir gehört, wie das Jh-Ev die Geschichte des Karfreitags erzählt. Es setzt dabei im Vergleich mit den anderen Evangelien ganz eigene Akzente. Vielleicht fällt das so beim Zuhören gar nicht auf. Wenn man die Berichte von Jh und die anderen drei nebeneinander hält, ist es aber offensichtlich: Jh erzählt positiver, hoffnungsvoller. Er hat sich entschieden, seinen Bericht ganz vom Sieg an Ostern her zu gestalten. Dagegen erzählen Mt, Mk und Lk, als wüssten sie noch nicht um das ‚Happy End‘. Ihre Berichte sind geprägt vom Leiden Christi (und der Jünger:innen) im Moment des Geschehens.- Ich versuche heute in der Predigt den Ton des Jh-Ev aufzunehmen.
Über dem Gekreuzigten liess Pilatus eine Tafel anbringen. Wie auch Mt erwähnt, stand darauf: ‘Jesus von Nazareth, der König der Juden’. Auf Lateinisch heisst das: ‚Iesus Nazarenus Rex Iudaeorum‘. Die Anfangsbuchstaben dieser Worte ergeben das INRI, das auf vielen Passionsbildern zu sehen ist. Das war also die Begründung, weshalb Jesus am Kreuz hing. Weil er ‘der König der Juden’ war.
Karfreitagsgottesdienst am 29.03.2024 in der EMK Adliswil
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Leidensankündigung danach erklärte Jesus seinen Jüngern zum ersten Mal, was Gott mit ihm vorhatte: »Der Menschensohn wird viel leiden müssen. Die Ratsältesten, die führenden Priester und die Schriftgelehrten werden ihn als Verbrecher behandeln. Sie werden ihn hinrichten lassen, aber nach drei Tagen wird er vom Tod auferstehen.« Das sagte er ihnen ganz offen. Da nahm Petrus ihn zur Seite und fing an, ihm das auszureden. Aber Jesus drehte sich um, sah seine Jünger an und wies Petrus streng zurecht. (Mk 8,31–33a
“Meine Gedanken sind nicht eure Gedanken“ Ich verstehe Petrus gut: Jesus darf den Weg nicht so gehen, wie er es hier – schon weit im Voraus – ankündigt. Das wäre mehr als eine Niederlage. Das bedeutete die Kapitulation. Das ist ein Nogo. Man darf die Mächte des Bösen nicht gewähren lassen! Man muss doch für das Gute kämpfen. Man muss sich wehren und falschen Tendenzen Einhalt gebieten. Dass Jesus stirbt, das darf nicht sein. – Es ist wirklich so: Auf die Idee, das Böse und alle Schuld der Welt in der Niederlage, auf einem Weg des Leidens und Sterbens zu besiegen … auf diese Idee wäre kein Mensch je gekommen. Das ist kein menschlicher, sondern ein göttlicher Gedanke. Es ist, wie schon im AT ein Prophet im Namen Gottes formulierte: “Meine Gedanken sind nicht eure Gedanken und meine Wege sind nicht eure Wege!” – Mehr als für alles andere gilt das für den Weg, den Jesus in seiner Passion zur Erlösung der Vielen ging. Ich hätte wie Petrus auch versucht, Jesus die Idee auszureden und wäre überzeugt gewesen, dass er falsch liegt … und hätte mich gerade darin schuldig gemacht.
Video-Gottesdienst mit Abendmahl zum Karfreitag aus der EMK Adliswil zu Johannes 13,1 und Lukas 23,33–49; mit Liedern aus dem EMK-Gesangbuch zum Mitsingen.
Für das Abendmahl empfehle ich, sich so einzurichten: An einem schönen Platz zu Hause den Tisch decken. Auf den Tisch kommen ein Teller oder eine Schale mit einigen Brotstückchen, ein Becher mit Traubensaft, vielleicht auch eine Kerze, eine offene Bibel, ein kleines Kreuz oder eine Blume. — Und dann einfach das Video laufen lassen. Ich führe durch die Liturgie, wie ich das in einem Gottesdienst auch mache.
Die Gedanken basieren auf einem Text von Pfr. Robert Seitz aus seinem Buch ‘Tagträume mit Gott’, S.112–115.
Urs Bertschinger an der Orgel und Luca Hunold mit Kamera und Schnitt haben mich unterstützt. Ganz herzlichen Dank für Euer Engagement.