Recht oder Liebe?

Bild­quel­le: https://alenia.ch/artikel/grosszuegigkeit-ist-trumpf/

Bi­bel­text: 1. Ko­rin­ther 13,4–7

Die Re­geln rund um die Co­ro­na-Pan­de­mie schrän­ken uns ein. Vie­le da­von blei­ben uns trotz Lo­cke­run­gen noch lan­ge er­hal­ten. Ver­samm­lun­gen, auch klei­ne, blei­ben ver­bo­ten. Wenn man je­man­dem be­geg­net, soll man auf Di­stanz blei­ben, si­cher nicht die Hän­de schüt­teln oder sich gar um den Hals fal­len. Und auch wenn wir den Sinn nach­voll­zie­hen kön­nen: Es fällt zu­neh­mend schwe­rer, sich ganz dar­an zu hal­ten. Um­so mehr är­gert es ei­nen, wenn man an­de­re be­ob­ach­tet, die sich nicht (ganz) an al­le Re­geln hal­ten. Schliess­lich: “Wenn ich schon schwe­ren Her­zens ver­zich­te, sol­len die an­de­ren das ge­fäl­ligst auch tun …!”

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GASTBEITRAG: Was ist Würde?

von Pfr. Ro­bert Seitz; aus sei­nem Buch: ‘of­fe­ne Fens­ter’, S. 27f

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Wah­re Wür­de hat we­nig zu tun
mit glän­zen­den Or­den auf ei­ner Brust.
Die­se er­in­nern eher an un­wür­di­ge Krie­ge.
Sie hat nicht viel zu tun mit de­zen­ten Klei­dern,
mit dun­kel­blau­en Kos­tüms
oder Na­del­strei­fen und Kra­wat­ten.
Auch der zer­lump­te Bett­ler in Pa­ris
in sei­nen aus­ge­frans­ten Kla­mot­ten,
das schmut­zi­ge Kind auf dem Ab­fall­hau­fen in Rio,
der Aus­sät­zi­ge in So­ma­lia -
sie al­le ha­ben ih­re Würde.

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Sorge tragen zur Stimmung im Land

Bi­bel­text: Mar­kus 12,28–34

Der Bi­bel­le­se­plan, dem ich mehr oder we­ni­ger täg­lich fol­ge, schlug ges­tern die­sen Ab­schnitt vor: Das al­ler­wich­tigs­te, das höchs­te Ge­bot, be­stehe in der Lie­be zu Gott und zu den Mit­men­schen. Ich ge­ste­he, im ers­ten Mo­ment wuss­te ich nicht so recht, was ich in Zei­ten von Co­ro­na da­mit an­fan­gen soll­te. Es ist so all­ge­mein, dass man da­mit in der kon­kre­ten Si­tua­ti­on kaum zu hilf­rei­chen Schrit­ten kommt. Aus­ser­dem er­war­tet man von ei­nem Pfar-rer ja zwar schon, dass er von der Lie­be re­det. Doch wenn er es dann tut, löst das we­ni­ger In­ter­es­se, son­dern eher ein ge­lang­weil­tes Gäh­nen aus.

Was könn­te denn christ­li­che Nächs­ten­lie­be im Mo­ment kon­kret bedeuten?

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Ohne Berührungsangst

zu Mar­kus 1,40–45

Coo­le Leu­te sind kon­taktfreudig. Dank den so­zia­len Me­di­en ist es heu­te mög­lich, mit viel mehr Leu­ten zu­gleich Be­zie­hun­gen zu pfle­gen. Al­ler­dings be­wegt man sich da­bei oft vor al­lem un­ter Seines­glei­chen und da­mit in ei­ner in­di­vi­du­ell ab­ge­stimm­ten Blase.

Hun­der­te oder gar tau­sen­de di­gi­ta­ler Freun­de mö­gen Men­schen un­se­rer Zeit be­ein­dru­cken. Je­sus da­ge­gen wür­de sol­che Cool­ness wohl eher kri-tisch hin­ter­fra­gen: “Was ist denn schon Be­son­de­res dar­an, wenn ihr nur zu eu­res­glei­chen freund­lich seid?” (Mt 5,47). Vor al­lem, wenn  die Schar der di­gi­ta­len Freun­de mit Be­rührungsängsten in ana­lo­gen Be­geg­nun­gen ein­her­geht. Viel­leicht mei­ne ich ja nur, ge­ra­de kei­ne Zeit zu ha­ben. Viel­leicht fürch­te ich aber auch, in Pro­bleme hin­ein­ge­zo­gen zu wer­den oder ich scheue die Aus­ein­an­der­set­zung mit an­de­ren Mei­nun­gen, an­de­ren Kul­tu­ren. Je­den­falls ent­wick­le ich im All­tag bis­wei­len Be­rüh­rungs­ängs­te, die mich Be­geg­nun­gen ver­mei­den und viel ver­pas­sen las­sen. „Oh­ne Be­rüh­rungs­angst“ wei­ter­le­sen