Gott sieht dich

Predigt zu Johannes 1,48 am Son­ntag, 12.07.2026 in der EMK Adliswil

Copy­right Pramod Tiware on unsplash.com

Liebe Gemeinde,

wie lange mag es her sein, dass Ihr dieses Lied zum let­zten Mal gesun­gen habt: «Weisst du, wie viel Stern­lein ste­hen …?» In meinem Kopf tauchen Bilder von der Son­ntagss­chule auf, in Win­terthur, noch im alten Lind. Es sind sich­er weit mehr als 50 Jahre ver­gan­gen sei­ther. Die Bilder verbinden sich mit einem Gefühl von Sicher­heit: Gott weiss. Gott zählt. Gott hat den Überblick und ver­liert ihn nicht. Damals für mich als Kind unbezweifel­bar wahr. Tröstlich. Fes­ter Boden unter den Füssen.
So sich­er war ich mir dessen sei­ther nicht immer. Es gab und gibt ja wider­sprüch­liche Erfahrun­gen. Fra­gen. Zweifel. Und damit Phasen im Leben, in denen die Sicher­heit schwindet. Das Ver­trauen sich aufzulösen dro­ht. Und die bange Frage bedrohlich wird: Hat Gott den Überblick doch nicht mehr? Oder das Inter­esse ver­loren? Oder mich gar vergessen?

„Gott sieht dich“ weit­er­lesen

Du bist ein Gott, der mich sieht

Matthäus 7,24–27

Input am 08.01.2023 im öku­menis­chen Gottes­di­enst in der ref. Kirche Adliswil

Jahres­lo­sung EMK Schweiz 2023

Liebe Gemeinde,

„Du bist ein Gott, der mich sieht!“ Ist das eine gute Nachricht? Ich erin­nere mich an ein Son­ntagss­chul­lied, dass wir vor 50 Jahren des öfteren gesun­gen haben: „Pass auf, kleines Aug‘, was du siehst …!“ hiess es da. Und: „Pass auf, kleines Ohr, was du hörst! Pass auf, kleine Hand, was du tust!“ Und weit­er: „Denn der Vater in dem Him­mel schaut herab auf dich!“ Es ‚tschud­eret‘ mich heute, wie selb­stver­ständlich wir das gesun­gen haben und was für ein Gottes­bild wir damit verin­ner­licht­en: Gott als der grosse Überwach­er (® G.Orwells ‚Big Broth­er‘ lässt grüssen), dem nichts ent­ge­ht und der unlautere Absicht­en erken­nt, bevor man es sel­ber merkt. Ein solch­es Gottes­bild würde aus der Jahres­lo­sung 2023 eine schlechte Nachricht machen. Denn dann wäre sie eine Mahnung/Warnung: Pass gut auf! Mach ja keine Fehler! Denn du kannst nichts ver­steck­en. Es kommt alles ans Licht. – Mit dieser Sicht auf Gott ringt übri­gens auch Psalm 139, aus dem wir in der Schriftle­sung gehört haben. Der Beter ringt sich dann aber doch durch zur Überzeu­gung: „Von allen Seit­en umgib­st Du mich und hältst deine Hand über mir!“ Und er ver­ste­ht das let­ztlich als Zus­pruch von Schutz und Geborgenheit.

„Du bist ein Gott, der mich sieht“ weit­er­lesen