ERST RECHT DANKEN — Wenn die Ernte nicht selbstverständlich ist

Predigt zu Lukas 17,11–19 am Son­ntag, 27.09.2026 (Erntedank­fest) in der EMK Adliswil

Liebe Gemeinde,

wir feiern Erntedank­fest. Ohne Erntedankaltar!? Nur ein Blu­men­strauss. – Ja, tat­säch­lich. Das ist kein Verse­hen. Nach diesem Som­mer der Extreme ein beschei­den­er Raum­schmuck angemessen. Diesen Herb­st ist eine reiche Ernte nicht selb­stver­ständlich.
Dazu kommt: Vielle­icht holt uns der fehlende Erntedankaltar auch etwas aus der Nos­tal­gie in die Wirk­lichkeit. Sind es wirk­lich Stall, Ack­er und Garten, wo wir die Haupternte ein­fahren? Es ist doch heute Mor­gen nie­mand von uns um 5 Uhr aufge­s­tanden, um die Kühe zu melken! Kein­er hat in den let­zten Wochen Getrei­de gedroschen. Keine mit bangem Blick auf die Hagel­wolken gehofft, dass die Reben ver­schont bleiben. Wir kriegen im Sihltal gar nicht mehr mit, was Bäuerin­nen und Bauern umtreibt. Früher haben wohl Höfe, Obst­gärten, Äck­er und Wei­den die Land­schaft geprägt. Doch heute ste­hen da Wohn­sied­lun­gen, Büros und Gewer­be­be­triebe. Wir holen unsere ‘Ernte’ im Coop oder in der Migros. Unser grösstes Risiko beste­ht in der Frage: Hat es um 18:30 Uhr noch Schweiz­er Bio-Rüe­bli, oder müssen wir auf die spanis­chen auswe­ichen? Mühe nehmen wir nicht beim Dreschen oder Pflü­gen auf uns. Die Han­dar­beit beschränkt sich darauf, den Bar­code an der Self-Check­out-Kasse richtig einzule­sen. Und Ärg­er gibt es höch­stens, wenn auf dem Bild­schirm die Mel­dung erscheint: ‘Bitte beim Ser­vi­ceper­son­al melden!’

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Stärke unseren Glauben!

Predigt zu Lukas 17,5–6 am Son­ntag, 13.09.2026 in der EMK Adliswil

Liebe Gemeinde,

«Ich glaube an Gott, den einen … Kün­stler, der die Ewigkeit weckt in mir … stark­er Geist und Atem des neuen Lebens.» (→ EMK GB Nr. 300) Ich glaube! Fest! Uner­schüt­ter­lich. Wenn das nur so wäre! Wenn mein Glaube stark wäre wie eine Wet­ter­tanne … sturmer­probt, dick­stäm­mig, durch nichts ins Wanken zu brin­gen!
Das wün­schte ich mir! Hätte ich einen starken Glauben, dann würde mich nicht jede Schreck­en­snachricht der Tagess­chau erschüt­tern. Dann wür­den Zweifel nicht nachts um mein Bett tanzen. Dann kön­nten Krankheits­be­funde, famil­iäre Span­nun­gen oder schlicht Erschöp­fung mich nicht so aus dem Gle­ichgewicht brin­gen. Am Son­ntag sin­gen wir: «Ich weiss, woran ich glaube – ich weiss, was fest beste­ht!» (→ EMK GB Nr. 304). Am Mon­tag­mor­gen im Geschäft oder am Küchen­tisch nur ein schiefer Blick, ein falsches Wort …. und keine Spur mehr von Glaubensstärke.

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Lichtblick statt Sündenbock — Jesus beendet die Jagd nach Sündenböcken

Predigt zu Johannes 9,1–7 am Son­ntag, 06.09.2026 in der EMK Adliswil

Ali­son Astor­ga on unsplash.com

let­zten Son­ntag habe ich im Zug auf dem Weg nach Affoltern a.A. (→ Kanzeltausch) die ersten Nachricht­en darüber gele­sen, dass in Aarau am Rande ein­er Par­ty Schüsse gefall­en seien. Man wusste noch kaum etwas. Den­noch wucherten in den Kom­men­tarspal­ten schon Speku­la­tio­nen, Mei­n­un­gen und ver­meintliche Erk­lärun­gen: War es ein Amok­lauf? War es ein Atten­tat? Poli­tisch motiviert? Warum sagt die Polizei nichts? Was läuft da im Hin­ter­grund (→ Ver­schwörung?)? Wer ist schuld? Warum sind solche Par­tys bis in die Mor­gen­stun­den über­haupt erlaubt? Bei der Musik (Tech­no; es war eine Rave-Par­ty) müssen ja Leute durch­drehen ….
Es passiert immer wieder: Kaum wird ein Unglück, Gewalt oder eine Krise gemeldet, will die Öffentlichkeit wis­sen, warum und wieso. Wir wollen Erk­lärun­gen! Und vor allem: Wir wollen jeman­den, den wir dafür ver­ant­wortlich machen kön­nen. Einen Schuldigen. Einen Sün­den­bock. – Dieser Reflex steckt tief in uns Men­schen. Wir meinen: Wenn wir nur wis­sen, wer schuld ist, dann ist die Welt geord­net und wir haben das Leben wieder im Griff: Fall gelöst, Akte zu, Welt gerettet…
Unter­dessen ist der Täter von Aarau gefasst. Die Polizei beze­ich­net das Ereig­nis als Amok. Kein Ter­ror­is­mus also. Keine poli­tis­che Moti­va­tion. Son­dern es hat schlicht ein­er durchge­dreht… Das beruhigt nicht, erk­lärt nichts und ord­net wenig. Es bedeutet ja: Ein Restrisiko lässt sich nicht auss­chliessen. Es kann immer etwas passieren. Auch wenn alle alles richtig machen. Sog­ar bei uns. In der ver­meintlich heilen und sicheren Schweiz.

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