es geht heute wieder ums Aufbrechen. Um den Segen, der aus Aufbrüchen wächst. Und darum, dass wir oft ins Unbekannte aufbrechen … aufbrechen müssen. Das begeistert mich allerdings selten. Viel lieber breche ich auf, wenn ich weiss, was mich erwartet. Ich gehe gerne zu Freunden, von denen ich weiss, dass sie mir gut tun. Mit dem WoMo starte ich am leichtesten, wenn ich weiss, dass und wo ein Platz reserviert ist. Auch zu pastoralen Diensten breche ich am liebsten auf, wenn ich genau weiss, was von mir erwartet wird. Nur ist das eher die Ausnahme, dass ich in bekannte Gefilde aufbrechen kann. Häufiger sind Aufbrüche mit Unsicherheiten verbunden. Es könnte ja allerhand schief gehen. Es könnte ganz anders herauskommen als geplant. Falls überhaupt ein Plan existiert. Was wird wohl daraus? Nicht selten ist solche Ahnungslosigkeit sogar das dominierende Gefühl beim Aufbruch. Ich weiss zwar, dass ich nicht bleiben kann, sondern gehen muss. Doch wohin? Wie? Wann? Mit Wem? Das ist alles offen. Es ist ein Aufbruch ins Unbekannte.
Schritte wagen im Vertrauen auf einen guten Weg, aufbrechen im Vertrauen, dass Gott uns trägt…. was wir gerade gesungen haben, kennzeichnet christliches Glauben und Leben. Und doch ist es kein Selbstläufer. Im Aufbruch leben? Warum eigentlich? Ist an einem guten Ort Bleiben wirklich keine Option? — Als langjährige (Wir haben unterdessen über 700 Nächte in einem WoMo verbracht) Camper:innen leben Pia und ich in den Ferien buchstäblich ‚im Aufbruch‘. Wir geniessen es auch oft: Aufbrechen. Neues entdecken. Oder schlicht dem guten Wetter folgen, dem schlechten wegfahren können. Es fordert aber auch heraus: Diesen Sommer z.B. sehnten wir uns nach einem schönen Platz zum Sein und zum Bleiben. Wir fanden ihn aber nicht. Das Wetter war zu unsicher. Und viele Orte boten kaum mehr als einen Parkplatz. Kein schönes Plätzchen. Da fragt man sich schnell: Warum tun wir uns das überhaupt an. Immer wieder Aufbrechen? Muss das sein? Obwohl wir wissen: Am dritten oder vierten Tag werden wir an den schönsten Orten unruhig. Und es zieht uns wieder weiter.
vor 80 Jahren wurden auf Hiroshima und Nagasaki Atombomben abgeworfen. Vergangene Woche fanden Gedenkfeiern statt. Dabei wurde eindringlich appelliert, dem Frieden eine Chance zu geben. Ein dringend nötiger Appell! Denn der Trend geht in die andere Richtung. Wer Macht hat, nutzt diese wieder hemmungslos aus. Kriegstreiber:innen treiben hemmungslos und ganz öffentlich ihre bösen Spiele treiben. Sogar in Japan ist eine atomare Bewaffnung nicht mehr tabu. Vorbei der Traum, dass sich Friede weltweit ausbreiten könnte! Wir sind in den letzten Jahren brutal daraus aufgeschreckt worden.
„singt Gott ein neues Lied!“ Gleich zwei Psalmen beginnen mit diesen Worten. Geschrieben vor mehr als 2‘500 Jahren. Es begann also nicht erst mit den sogenannt ‚modernen‘ Liedern und Worship-Songs. Schon zu Davids Zeiten wurden immer wieder neue Lieder geschrieben und gesungen. Jede Epoche der Kirchengeschichte hatte ihre neuen Lieder: Gregorianische Gesänge waren einmal ‚der letzte Schrei‘. Die Reformation hatte ihre Lieder. Die sogenannte Orthodoxie im Protestantismus ebenfalls (→ Paul Gerhard). Der Methodismus hatte mit Charles Wesley einen herausragenden (und äusserst produktiven) Liederdichter. Die Erweckungsbewegung, die charismatische Bewegung. Jede (notwendige) Erneuerung in der Kirche ging einher mit neuen Liedern. Der Glaube braucht neue Lieder.
„Verwurzelt. Wie im Himmel, so…“ lautete das Motto der JK. – Das Bild fordert unsere Vorstellungskraft heraus. Wurzeln gehen normalerweise nach unten, in den Boden. Doch für Glaubende wird gerade der Himmel zum Wurzelgrund und Nährboden. Da findet der Glaube Halt. Vom Himmel her wird er genährt. Wenn das Leben der Kirche im Himmel verwurzelt ist, kann es aufblühen und Frucht bringen.
Was steckt hinter dem Bild vom himmlischen Wurzelgrund und Nährboden? Im DV-Bericht war zu lesen von der «Verwurzelung in einer alles überströmenden, göttlichen Liebe», aus der «eine ungeheure Kraft» hervorgeht. Sie ist der himmlische Wurzelgrund und Nährboden, Gottes Liebe zu uns und zu all seinen Geschöpfen! Das Motto «Verwurzelt. Wie im Himmel, so…» ist vom Unser Vater inspiriert. Wir beten immer wieder: «Dein Wille geschehe, wie im Himmel so auf Erden». Das heisst: Himmel und Erde lassen sich nicht trennen. Die göttliche Liebe als himmlischer Wurzelgrund und Nährboden durchdringt die Erde. Sie ist in dieser Welt lebendig und schöpferisch am Werk, um uns, in uns und auch durch uns, durch die Kirche. Dazu sind wir nämlich berufen: Uns von Gottes Liebe durchdringen zu lassen. Uns von ihr verwandeln und prägen zu lassen. So Gott und unsere Mitgeschöpfe zu lieben. – Wie das gelingen kann, zeigt Jesu Geschichte vom barmherzigen Samariter, die wir in der Schriftlesung schon gehört haben.
schon am Karfreitag und dann wieder an Himmelfahrt standen die Zeichen auf Abschied: Es war vorbei! Zunächst das Zusammenleben mit Jesus, wie es die Jünger:innen drei Jahre lang genossen hatten. Und dann die kurze Phase, in der sich der Auferstandene wieder zeigte. Es war vorbei! Es galt loszulassen. Abschied zu nehmen. Und doch prägt schon Himmelfahrt, und dann erst recht Pfingsten, ein neuer Aufbruch. Die Stimmung war nicht dominiert vom Abschiedsschmerz. Sondern es beflügelt das Gefühl: „Jetzt geht es los!“ Wie war das möglich? Wie wurde aus einem Abschied ein neuer Anfang? Woher kam das Vertrauen in die Zukunft, wo doch etwas aufhörte, was sehr gut war? – Es lohnt sich, die biblischen Texte mit dieser Fragestellung anzuschauen. Dabei können wir für uns heute lernen. Wir sind als Gemeinde/Bezirk im Umbruch. Unsere Erinnerung ist geprägt von vielen tollen Erfahrungen. Doch die sind weit weg, während grosse Herausforderungen und viele Fragen uns bedrängen. Die Zukunft scheint ungewiss. Da könnten Abschiedsschmerz, Nostalgie und Resignation die Diktatur übernehmen. Doch das muss nicht sein. Es ist möglich, in der Kraft des Geistes neu aufzubrechen.
Pfingsten ist das Fest des Heiligen Geistes. Sein Geburtstag, wenn man so will. Wobei diese Analogie nicht ganz passt. Schliesslich erhält normalerweise das Geburtstagskind Geschenke. Der Heilige Geist aber nimmt nicht Geschenke in Empfang, sondern teilt Geschenke = Gaben aus. Überhaupt ist es kompliziert mit dem Heiligen Geist. Nicht nur, dass umstritten ist, ob er männlich oder weiblich, als heilige Geistkraft zu denken ist. Geist = Pneuma (griech.) = Ruach (hebr.) ist überhaupt schwer begreif- und fassbar. Die Kirche braucht fast 400 Jahre, bis nur definitiv geklärt war: Der Heilige Geist ist eine eigene göttliche Person. Er (oder: Sie?) steht auf derselben Stufe wie der Vater und der Sohn. Zusammen sind sie die heilige Dreifaltigkeit. Ein Gott in drei Personen. Allerdings spielte der Heilige Geist auch nach 381 (Konzil von Konstantinopel, das die Entwicklung der Trinitätslehre abschloss) in der Volksfrömmigkeit (nicht aber in der Theologie) sehr lange nur eine bescheidene Rolle. Das hat sich erst mit den Aufbrüchen, aus denen Pfingstkirchen und charismatische Bewegung entstanden, geändert.
hast Du Gott schon einmal zu Dir reden gehört? Wie klingt seine Stimme? – Ich glaube, dass Gott auch heute nicht schweigt. Und kann doch seine Stimme nicht beschreiben. Ich würde mich auch nie trauen, Gott so wie die atl Propheten zu zitieren. Also zu behaupten: Gott sagt: „ …!“
Ich mache Erfahrungen, die Gottes Stimme erahnen lassen. Z.B.:
- Ein Bibelwort spricht genau in meine Situation. - Ein Traum lässt eine Situation in einem neuen Licht erscheinen - Beim Gebet fühlt es sich an, als wäre noch jemand im Raum. - Der Rat eines Mitmenschen öffnet mir eine neue Tür. - In der Stille wird mir Ruhe geschenkt - Ich denke angestrengt über etwas nach. Plötzlich fällt mir eine Lösung zu.
im heutigen Predigttext tut Mose Fürbitte für Israel. Das passt zum Sonntag ‚Rogate‘ = ‚Betet‘. Das Thema Gebet ist aber nur ein Aspekt des ‚schwierigen‘ Bibeltextes. Es ist die Geschichte vom goldenen Kalb. Sie ist zwar seit Sonntagschulzeiten bekannt. Und doch seltsam, fremd, vielleicht sogar bizarr. Wenn ich das ganze Kapitel 2.Mose 32 lese, geht mir allerlei durch den Kopf:
Wie kamen die Israeliten nur auf die Idee, ein Gottesbild anzufertigen? Und weshalb musste es ein Kalb/Stier sein?
Die Geschichte wirkt zusammengeflickt. Beim Lesen fallen mir Brüche im Erzählfaden auf. Als hätten mehrere daran geschrieben bzw. herumkorrigiert.
Auffällig sind die unterschiedlichen Führungsstile von Mose und Aaron: Aaron agiert populistisch, gibt dem ‚Druck der Strasse‘ nach. Mose aber zieht die Linie hart durch.
Weiter stellt sich die Frage nach der Verhältnismässigkeit der Strafe: Die Leviten haben unter den Tänzern um das goldene Kalb ein Gemetzel angerichtet, natürlich ‚im Namen Gottes‘. – Musste das sein aus Gehorsam gegenüber Gott? Oder war es eine Anmassung, dies im Namen Gottes zu tun?
Bemerkenswert ist schliesslich, wie Mose sich bei Gott für Israel einsetzt und ihn von seinem Vernichtungsbeschluss abbringt.
Es steckt mehr im Text, als in einer Predigt Platz hat. Ich beschränke ich mich auf zwei Aspekte: Zunächst auf die Frage, was es mit dem goldenen Kalb auf sich hat. Was genau ist eigentlich das Problem? Dann auf das Gespräch von Mose mit Gott. Da stecken Impulse zum Thema Gebet/Fürbitte drin.
in der Pfarrerweiterbildung vergangene Woche beschäftigten wir uns mit dem Lob Gottes. Schwerpunktmässig ging es ums Singen. Wir haben Loblieder analysiert und festgestellt, dass viele nur einen kleinen Teil des Spektrums des Christusglaubens abdecken. Wir haben über die Einbettung von Liedern im Gottesdienst nachgedacht. Wir haben gesungen. Neue Lieder probiert. Es war spannend. Inspirierend. Wohltuend. Nachdenklich machte mich der Einstieg. Der Referent fragte ganz harmlos: Warum singen, warum loben wir eigentlich? – Im ersten Moment war da der Gedanke: ‚Was für eine Frage! Ist doch klar!‘ Dann aber ein leises Erschrecken: ‚Ich kann es gar nicht so leicht formulieren!‘ Ist es Tradition? Ist es Pflicht? Schulden wir Gott womöglich Lob? Das würde ja etwas Erzwungenes in die Sache bringen, das nicht passen will. Gott loben hat doch mehr mit Feiern, mit Vertrauen, mit Beziehung zu tun. Warum loben wir Gott? Mir kam die Geschichte von Paulus und Silas in den Sinn, die mitten in der Nacht im Gefängnis Loblieder sangen. Sie lobten Gott, weil sie innerlich frei waren, trotz widerlicher äusserer Umstände. Weil sie Gott vertrauten. Sie fanden im Lob Gottes Freiheit. Und konnten so vielen anderen zumindest eine Erfahrung von Befreiung ermöglichen.
Ich suche heute einen erzählerischen Zugang zur Geschichte, wie sie Apg 16 erzählt. Dabei gehe ich von Philipper 4,1–3 aus. Paulus grüsst dort Leute aus der Gemeinde in Philippi: «Also, meine lieben Brüder und Schwestern, nach denen ich mich sehne, meine Freude und mein Siegeskranz: Haltet unerschütterlich daran fest, dass ihr zum Herrn gehört, ihr meine Lieben! Ich ermahne Evodia und ich ermahne Syntyche: Seid euch einig, denn ihr gehört beide zum Herrn. Ja, und dich, treuer Weggefährte, bitte ich: Hilf ihnen dabei! Die beiden Frauen haben gemeinsam mit mir für die Gute Nachricht gekämpft. Sie taten das zusammen mit Klemens und meinen anderen Mitarbeitern, deren Namen im Buch des Lebens stehen.» — Von Evodia und Syntyche wissen wir nicht mehr, als dass sie sich offenbar immer wieder aneinander rieben. Klemens, so stelle ich mir vor, war der Gefängniswärter von Philippi.
Hier nun also meine Geschichte. Das Gotteslob ist eines ihrer Themen. Aber auch noch allerlei Anderes: