Warum aufbrechen?

Predigt zu Jona 1–4 in der EMK Adliswil und in der Regen­bo­genkirche am Son­ntag 17.08.2025;

Liebe Gemeinde,

Schritte wagen im Ver­trauen auf einen guten Weg, auf­brechen im Ver­trauen, dass Gott uns trägt…. was wir ger­ade gesun­gen haben, kennze­ich­net christlich­es Glauben und Leben. Und doch ist es kein Selb­stläufer. Im Auf­bruch leben? Warum eigentlich? Ist an einem guten Ort Bleiben wirk­lich keine Option? — Als langjährige (Wir haben unter­dessen über 700 Nächte in einem WoMo ver­bracht) Camper:innen leben Pia und ich in den Ferien buch­stäblich ‚im Auf­bruch‘. Wir geniessen es auch oft: Auf­brechen. Neues ent­deck­en. Oder schlicht dem guten Wet­ter fol­gen, dem schlecht­en weg­fahren kön­nen. Es fordert aber auch her­aus: Diesen Som­mer z.B. sehn­ten wir uns nach einem schö­nen Platz zum Sein und zum Bleiben. Wir fan­den ihn aber nicht. Das Wet­ter war zu unsich­er. Und viele Orte boten kaum mehr als einen Park­platz. Kein schönes Plätzchen. Da fragt man sich schnell: Warum tun wir uns das über­haupt an. Immer wieder Auf­brechen? Muss das sein? Obwohl wir wis­sen: Am drit­ten oder vierten Tag wer­den wir an den schön­sten Orten unruhig. Und es zieht uns wieder weiter.

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Schwerter zu Pflugscharen

Predigt zu Jesa­ja 2,1–5 in der Regen­bo­genkirche am Son­ntag 10.08.2025;

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Liebe Gemeinde,

vor 80 Jahren wur­den auf Hiroshi­ma und Nagasa­ki Atom­bomben abge­wor­fen. Ver­gan­gene Woche fan­den Gedenk­feiern statt. Dabei wurde ein­dringlich appel­liert, dem Frieden eine Chance zu geben. Ein drin­gend nötiger Appell! Denn der Trend geht in die andere Rich­tung. Wer Macht hat, nutzt diese wieder hem­mungs­los aus. Kriegstreiber:innen treiben hem­mungs­los und ganz öffentlich ihre bösen Spiele treiben. Sog­ar in Japan ist eine atom­are Bewaffnung nicht mehr tabu. Vor­bei der Traum, dass sich Friede weltweit aus­bre­it­en kön­nte! Wir sind in den let­zten Jahren bru­tal daraus aufgeschreckt worden.

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Singt Gott neue Lieder

Predigt zu Psalm 96,1–8a in der EMK Adliswil am Son­ntag 13.07.2025;

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Liebe Gemeinde,

„singt Gott ein neues Lied!“ Gle­ich zwei Psalmen begin­nen mit diesen Worten. Geschrieben vor mehr als 2‘500 Jahren. Es begann also nicht erst mit den soge­nan­nt ‚mod­er­nen‘ Liedern und Wor­ship-Songs. Schon zu Davids Zeit­en wur­den immer wieder neue Lieder geschrieben und gesun­gen. Jede Epoche der Kirchengeschichte hat­te ihre neuen Lieder: Gre­go­ri­an­is­che Gesänge waren ein­mal ‚der let­zte Schrei‘. Die Ref­or­ma­tion hat­te ihre Lieder. Die soge­nan­nte Ortho­dox­ie im Protes­tantismus eben­falls (→ Paul Ger­hard). Der Method­is­mus hat­te mit Charles Wes­ley einen her­aus­ra­gen­den (und äusserst pro­duk­tiv­en) Liederdichter. Die Erweck­ungs­be­we­gung, die charis­ma­tis­che Bewe­gung. Jede (notwendi­ge) Erneuerung in der Kirche ging ein­her mit neuen Liedern. Der Glaube braucht neue Lieder.

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Verwurzelt. Wie im Himmel, so …

Predigt zu Lukas 10,25–37 in der EMK Adliswil am Son­ntag 29.06.2025; Kurz­fas­sung der Predigt von Bischof Ste­fan Zürcher am 22.06.25 an der JK in Langenthal

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Liebe Gemeinde,

„Ver­wurzelt. Wie im Him­mel, so…“ lautete das Mot­to der JK. – Das Bild fordert unsere Vorstel­lungskraft her­aus. Wurzeln gehen nor­maler­weise nach unten, in den Boden. Doch für Glaubende wird ger­ade der Him­mel zum Wurzel­grund und Nährbo­den. Da find­et der Glaube Halt. Vom Him­mel her wird er genährt. Wenn das Leben der Kirche im Him­mel ver­wurzelt ist, kann es auf­blühen und Frucht bringen.

Was steckt hin­ter dem Bild vom himm­lis­chen Wurzel­grund und Nährbo­den? Im DV-Bericht war zu lesen von der «Ver­wurzelung in ein­er alles über­strö­menden, göt­tlichen Liebe», aus der «eine unge­heure Kraft» her­vorge­ht. Sie ist der himm­lis­che Wurzel­grund und Nährbo­den, Gottes Liebe zu uns und zu all seinen Geschöpfen! Das Mot­to «Ver­wurzelt. Wie im Him­mel, so…» ist vom Unser Vater inspiri­ert. Wir beten immer wieder: «Dein Wille geschehe, wie im Him­mel so auf Erden». Das heisst: Him­mel und Erde lassen sich nicht tren­nen. Die göt­tliche Liebe als himm­lis­ch­er Wurzel­grund und Nährbo­den durch­dringt die Erde. Sie ist in dieser Welt lebendig und schöpferisch am Werk, um uns, in uns und auch durch uns, durch die Kirche. Dazu sind wir näm­lich berufen: Uns von Gottes Liebe durch­drin­gen zu lassen. Uns von ihr ver­wan­deln und prä­gen zu lassen. So Gott und unsere Mit­geschöpfe zu lieben. – Wie das gelin­gen kann, zeigt Jesu Geschichte vom barmherzi­gen Samarit­er, die wir in der Schriftle­sung schon gehört haben.

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MISSION: Zeug:innen Christi sein

Predigt zu Matthäus 28,18–20 in der EMK Adliswil am Son­ntag 15.06.2025

Fest der Kul­turen in Adliswil

Liebe Gemeinde,

schon am Kar­fre­itag und dann wieder an Him­melfahrt standen die Zeichen auf Abschied: Es war vor­bei! Zunächst das Zusam­men­leben mit Jesus, wie es die Jünger:innen drei Jahre lang genossen hat­ten. Und dann die kurze Phase, in der sich der Aufer­standene wieder zeigte. Es war vor­bei! Es galt loszu­lassen. Abschied zu nehmen. Und doch prägt schon Him­melfahrt, und dann erst recht Pfin­g­sten, ein neuer Auf­bruch. Die Stim­mung war nicht dominiert vom Abschiedss­chmerz. Son­dern es beflügelt das Gefühl: „Jet­zt geht es los!“ Wie war das möglich? Wie wurde aus einem Abschied ein neuer Anfang? Woher kam das Ver­trauen in die Zukun­ft, wo doch etwas aufhörte, was sehr gut war? – Es lohnt sich, die bib­lis­chen Texte mit dieser Fragestel­lung anzuschauen. Dabei kön­nen wir für uns heute ler­nen. Wir sind als Gemeinde/Bezirk im Umbruch. Unsere Erin­nerung ist geprägt von vie­len tollen Erfahrun­gen. Doch die sind weit weg, während grosse Her­aus­forderun­gen und viele Fra­gen uns bedrän­gen. Die Zukun­ft scheint ungewiss. Da kön­nten Abschiedss­chmerz, Nos­tal­gie und Res­ig­na­tion die Dik­tatur übernehmen. Doch das muss nicht sein. Es ist möglich, in der Kraft des Geistes neu aufzubrechen.

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Erfüllt vom Heiligen Geist

Predigt zu Apos­telgeschichte 19,1–7 in der EMK Adliswil am Pfin­gst­son­ntag 08.06.2025

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Liebe Gemeinde,

Pfin­g­sten ist das Fest des Heili­gen Geistes. Sein Geburt­stag, wenn man so will. Wobei diese Analo­gie nicht ganz passt. Schliesslich erhält nor­maler­weise das Geburt­stagskind Geschenke. Der Heilige Geist aber nimmt nicht Geschenke in Emp­fang, son­dern teilt Geschenke = Gaben aus.
Über­haupt ist es kom­pliziert mit dem Heili­gen Geist. Nicht nur, dass umstrit­ten ist, ob er männlich oder weib­lich, als heilige Geistkraft zu denken ist. Geist = Pneu­ma (griech.) = Ruach (hebr.) ist über­haupt schw­er begreif- und fass­bar. Die Kirche braucht fast 400 Jahre, bis nur defin­i­tiv gek­lärt war: Der Heilige Geist ist eine eigene göt­tliche Per­son. Er (oder: Sie?) ste­ht auf der­sel­ben Stufe wie der Vater und der Sohn. Zusam­men sind sie die heilige Dreifaltigkeit. Ein Gott in drei Per­so­n­en. Allerd­ings spielte der Heilige Geist auch nach 381 (Konzil von Kon­stan­tinopel, das die Entwick­lung der Trinität­slehre abschloss) in der Volks­fröm­migkeit (nicht aber in der The­olo­gie) sehr lange nur eine beschei­dene Rolle. Das hat sich erst mit den Auf­brüchen, aus denen Pfin­gstkirchen und charis­ma­tis­che Bewe­gung ent­standen, geändert.

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Auf Gott hören

Predigt zu 1. Samuel 3,1–11a in der EMK Adliswil am 01.06.2025

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Liebe Gemeinde,

hast Du Gott schon ein­mal zu Dir reden gehört? Wie klingt seine Stimme? – Ich glaube, dass Gott auch heute nicht schweigt. Und kann doch seine Stimme nicht beschreiben. Ich würde mich auch nie trauen, Gott so wie die atl Propheten zu zitieren. Also zu behaupten: Gott sagt: „ …!“

Ich mache Erfahrun­gen, die Gottes Stimme erah­nen lassen. Z.B.:

-     Ein Bibel­wort spricht genau in meine Sit­u­a­tion.
- Ein Traum lässt eine Sit­u­a­tion in einem neuen Licht erscheinen
- Beim Gebet fühlt es sich an, als wäre noch jemand im Raum.
- Der Rat eines Mit­men­schen öffnet mir eine neue Tür.
- In der Stille wird mir Ruhe geschenkt
- Ich denke angestrengt über etwas nach. Plöt­zlich fällt mir eine Lösung zu.

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Gott lässt mit sich reden

Impuls zu Exo­dus 32,1–14 in der EMK Adliswil am 25.05.2025

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Liebe Gemeinde,

im heuti­gen Predigt­text tut Mose Für­bitte für Israel. Das passt zum Son­ntag ‚Rogate‘ = ‚Betet‘. Das The­ma Gebet ist aber nur ein Aspekt des ‚schwieri­gen‘ Bibel­textes. Es ist die Geschichte vom gold­e­nen Kalb. Sie ist zwar seit Son­ntagschulzeit­en bekan­nt. Und doch selt­sam, fremd, vielle­icht sog­ar bizarr. Wenn ich das ganze Kapi­tel 2.Mose 32 lese, geht mir aller­lei durch den Kopf:

  • Wie kamen die Israeliten nur auf die Idee, ein Gottes­bild anzufer­ti­gen? Und weshalb musste es ein Kalb/Stier sein?
  • Die Geschichte wirkt zusam­menge­flickt. Beim Lesen fall­en mir Brüche im Erzählfaden auf. Als hät­ten mehrere daran geschrieben bzw. herumkorrigiert.
  • Auf­fäl­lig sind die unter­schiedlichen Führungsstile von Mose und Aaron: Aaron agiert pop­ulis­tisch, gibt dem ‚Druck der Strasse‘ nach. Mose aber zieht die Lin­ie hart durch.
  • Weit­er stellt sich die Frage nach der Ver­hält­nis­mäs­sigkeit der Strafe: Die Leviten haben unter den Tänz­ern um das gold­ene Kalb ein Gemet­zel angerichtet, natür­lich ‚im Namen Gottes‘. – Musste das sein aus Gehor­sam gegenüber Gott? Oder war es eine Anmas­sung, dies im Namen Gottes zu tun?
  • Bemerkenswert ist schliesslich, wie Mose sich bei Gott für Israel ein­set­zt und ihn von seinem Ver­nich­tungs­beschluss abbringt.

Es steckt mehr im Text, als in ein­er Predigt Platz hat. Ich beschränke ich mich auf zwei Aspek­te: Zunächst auf die Frage, was es mit dem gold­e­nen Kalb auf sich hat. Was genau ist eigentlich das Prob­lem? Dann auf das Gespräch von Mose mit Gott. Da steck­en Impulse zum The­ma Gebet/Fürbitte drin.

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Gott loben

Impuls zu Apos­telgeschichte 16,23–34 in der EMK Adliswil am 18.05.2025

Liebe Gemeinde,

in der Pfar­rerweit­er­bil­dung ver­gan­gene Woche beschäftigten wir uns mit dem Lob Gottes. Schw­er­punk­t­mäs­sig ging es ums Sin­gen. Wir haben Loblieder analysiert und fest­gestellt, dass viele nur einen kleinen Teil des Spek­trums des Chris­tus­glaubens abdeck­en. Wir haben über die Ein­bet­tung von Liedern im Gottes­di­enst nachgedacht. Wir haben gesun­gen. Neue Lieder pro­biert. Es war span­nend. Inspiri­erend. Wohltuend.
Nach­den­klich machte mich der Ein­stieg. Der Ref­er­ent fragte ganz harm­los: Warum sin­gen, warum loben wir eigentlich? – Im ersten Moment war da der Gedanke: ‚Was für eine Frage! Ist doch klar!‘ Dann aber ein leis­es Erschreck­en: ‚Ich kann es gar nicht so leicht for­mulieren!‘ Ist es Tra­di­tion? Ist es Pflicht? Schulden wir Gott wom­öglich Lob? Das würde ja etwas Erzwun­ge­nes in die Sache brin­gen, das nicht passen will. Gott loben hat doch mehr mit Feiern, mit Ver­trauen, mit Beziehung zu tun.
Warum loben wir Gott? Mir kam die Geschichte von Paulus und Silas in den Sinn, die mit­ten in der Nacht im Gefäng­nis Loblieder san­gen. Sie lobten Gott, weil sie inner­lich frei waren, trotz wider­lich­er äusser­er Umstände. Weil sie Gott ver­traut­en. Sie fan­den im Lob Gottes Frei­heit. Und kon­nten so vie­len anderen zumin­d­est eine Erfahrung von Befreiung ermöglichen.

Ich suche heute einen erzäh­lerischen Zugang zur Geschichte, wie sie Apg 16 erzählt. Dabei gehe ich von Philip­per 4,1–3 aus. Paulus grüsst dort Leute aus der Gemeinde in Philip­pi: «Also, meine lieben Brüder und Schwest­ern, nach denen ich mich sehne, meine Freude und mein Siegeskranz: Hal­tet uner­schüt­ter­lich daran fest, dass ihr zum Her­rn gehört, ihr meine Lieben! Ich ermahne Evo­dia und ich ermahne Syn­ty­che: Seid euch einig, denn ihr gehört bei­de zum Her­rn. Ja, und dich, treuer Wegge­fährte, bitte ich: Hilf ihnen dabei! Die bei­den Frauen haben gemein­sam mit mir für die Gute Nachricht gekämpft. Sie tat­en das zusam­men mit Kle­mens und meinen anderen Mitar­beit­ern, deren Namen im Buch des Lebens ste­hen.» — Von Evo­dia und Syn­ty­che wis­sen wir nicht mehr, als dass sie sich offen­bar immer wieder aneinan­der rieben. Kle­mens, so stelle ich mir vor, war der Gefäng­niswärter von Philippi.

Hier nun also meine Geschichte. Das Gottes­lob ist eines ihrer The­men. Aber auch noch aller­lei Anderes:

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Werte IV: Mutig vorwärts

Impuls zu Josua 1,9 in der EMK Adliswil am 11.05.2025

Liebe Gemeinde,

wer von uns hätte gewagt, was David tat? Goliath ent­ge­gen­zutreten? Sich ihm zu stellen? Es geht heute um Mut. Wir müssen zwar – Gott sei Dank – nicht Mut im Kampf auf Leben und Tod auf­brin­gen. Den­noch: Mutig vor­wärts gehen – das soll ein Wert unser­er Gemeinde sein. — Ist das auch so? Sind wir wirk­lich mutig? Nicht oft vielmehr vor­sichtig? Zaud­ernd? Vielle­icht sog­ar ängstlich? Ist es nicht oft eher ein Wun­sch oder ein Traum als Wirk­lichkeit, dass wir mutig vor­wärts gehen?

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