Video-Gottesdienst — Herzlichen Dank an Othmar Wüthrich, Orgel und Luca Hunold, Technik, für ihre Unterstützung.
Übrigens: Wer sich für die Geschichte des Muttertages interessiert, findet unter diesem Link einen informativen Artikel der österreichischen EMK, inkl. eines kurzen englischsprachigen Clips.
von Pfr. Robert Seitz; dieser Text stammt aus dem Buch ‘Verliebt in die Schöpfung’, das auf Ostern 2020 angekündigt war und bald erscheinen wird.
Meine Damen Politikerinnen und Herren Politiker, wie ihr alle wisst, habe ich Erfahrung mit dem Bau von Schiffen zum Überleben. Auf meiner Werft ist damals ein tolles Schiff entstanden, auch wenn einige später abwertend von einem „Kasten“ geredet haben. Dummerweise konnte ich später dieses Schiff nicht produzieren und verkaufen, weil ja fast niemand mehr da war. Nun hat sich die Menschheit wieder vermehrt und wie ich höre, steht der Erde eine neue Sintflut bevor. Die Wasser steigen, Inseln versinken, Venedig ist nicht nur von Touristen, sondern auch vom Wasser überschwemmt. Die Erdbevölkerung nimmt immer noch zu und Religiöse glauben an das altbiblische Wort: Vermehret euch. Eure gläsernen Bankenhochhäuser investieren in immer noch mehr. Wachstum ist allerorts in Konzernen und an Börsen die Devise. Konsum nimmt immer noch zu.
Anfang Jahr hätte mit dem Begriff noch niemand etwas anfangen können. Doch längst ist ‘Social Distancing’ in aller Munde: Alle wissen: Wir müssen auf Distanz zueinander bleiben, damit CoVid 19 möglichst schlechte Chancen hat, sich zu verbreiten. Wer den Begriff ursprünglich geprägt hat, weiss ich nicht. Und ich wundere mich ein wenig, dass er zum Schlagwort für das Einhalten der Abstandsregeln geworden ist. Denn eigentlich ist der Begriff falsch oder zumindest ungenau. Wir müssen uns physisch voneinander fernhalten und für soziale Kontakte andere Wege suchen. Aber sozial auf Distanz gehen, das müssen wir nicht. Es passiert ja eher das Gegenteil. Wie viele Leute haben mir in den letzten Woche erzählt, dass sie in viel engerem Kontakt sind mit Freunden, Nachbarn und Familie, mehr Brief schreiben, Nachrichten posten und telefonieren. CoVid 19 bringt uns in einem gewissen Sinne näher zueinander, obwohl wir uns viel weniger sehen. Statt ‘Social Distancing’ würde man eigentlich besser sagen: ‘Physical Distancing’.
Frommen Menschen sagt man manchmal nach, sie hätten wenig Humor, vermutlich nicht ganz zu Unrecht. Vielleicht ist es sogar ein Stück weit nachvollziehbar. Schliesslich: Wenn eine so gewichtige Sache wie das Heil bzw. das (ewige) Leben auf dem Spiel steht, ist das ja doch eine ausgesprochen ernst Sache. Andererseits gehört Lachen zu einem erfüllten Leben unbedingt dazu. Das Leben soll und darf Spass machen, ist manchmal auch wirklich lustig und komisch.
Im Zusammenhang mit dem ultimativen Corona-Stopp denke ich oft an Niklaus von Flüe. Vor 550 Jahren hat er sich als Einsiedler in die Ranft Schlucht zurückgezogen und dort ein intensives Gebets-Leben geführt. Sein bekanntestes Gebet sagt in Kürze mehr aus als viele theologische Bücher:
„Mein Herr und mein Gott, nimm alles von mir, was mich hindert zu dir.“
Brüder und Schwestern, bei der Barmherzigkeit Gottes bitte ich euch: Stellt euer ganzes Leben Gott zur Verfügung. Es soll wie ein lebendiges und heiliges Opfer sein, das ihm gefällt. Das wäre für euch die vernünftige Art, Gott zu dienen.