Zuhören

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Zu Apostelgeschichte 20,7-12

Man darf über alles predigen, nur nicht über eine halbe Stunde! Das wurde uns im Laufe der theologi­schen Ausbildung immer wieder ans Herz gelegt. Unterdessen zie­hen manche die Grenze schon bei 20 oder gar 15 Minuten. Die Auf­merksamkeitsspanne wird immer kürzer und die Konzentrationsfä­hig­keit scheint allgemein abzu­nehmen. Von Politikern wird oft sogar verlangt, dass sie das We­sent­liche in Statements von 20 bis 30 Sekunden auf den Punkt bringen können. Dabei geht das eigentlich gar nicht, weil die Themen einfach zu komplex sind. „Zuhören“ weiterlesen

Ohne Berührungsangst

zu Markus 1,40-45

Coole Leute sind kon­taktfreudig. Dank den sozialen Medien ist es heute möglich, mit viel mehr Leuten zugleich Beziehungen zu pfle­gen. Allerdings bewegt man sich dabei oft vor allem unter Seines­glei­chen und damit in einer individuell abgestimmten Blase.

Hunderte oder gar tausende digitaler Freunde mögen Menschen unserer Zeit beeindrucken. Jesus dagegen würde solche Coolness wohl eher kri-tisch hinterfragen: „Was ist denn schon Besonderes daran, wenn ihr nur zu euresgleichen freundlich seid?“ (Mt 5,47). Vor allem, wenn  die Schar der digitalen Freunde mit Be­rührungsängsten in analogen Begegnungen einhergeht. Vielleicht meine ich ja nur, gerade keine Zeit zu haben. Vielleicht fürchte ich aber auch, in Pro­bleme hineingezogen zu werden oder ich scheue die Auseinandersetzung mit anderen Meinungen, anderen Kulturen. Jedenfalls entwickle ich im Alltag bisweilen Berührungsängste, die mich Begegnungen vermeiden und viel verpassen lassen. „Ohne Berührungsangst“ weiterlesen

Immer in Gottes Nähe

zu Psalm 139

Dieser Psalm gehört zu meinen liebsten bib­li­schen Texte. Der Beter sieht sich überall und immer von Gott um­geben. Ob diese Ein­sicht tröstlich, beun­ruhigend oder gar be­ängstigend ist, hängt davon ab, wie man sich Gott vorstellt.

„Immer in Gottes Nähe“ weiterlesen

Gott, was soll ich tun?

zu Apostelgeschichte 15,36-16,40

Bis zu 20’000 Ent­scheidungen treffen wir jeden Tag. Als Christen möchten wir dies so gut wie möglich im Sinne Gottes tun. Das gilt schon für kleine, alltägliche Fragen und noch viel mehr für grundlegende Weichenstellungen für das ganze Leben. Darum beten wir um Führung, dass Gottes Geist uns leiten möge, zum Beispiel zu Beginn einer Sitzung. „Gott, was soll ich tun?“ weiterlesen

Lieber gute Fragen als fertige Antworten

Zu Lukas 8,4-15

Immer wieder höre ich, die bib­lische Botschaft sei einfach zu verste­hen und gebe klare Antworten. Den Gospel ‚Jesus is the answer‘ singe ich übrigens gerne und aus vollem Herzen mit. Dennoch finde ich eher selten klare Antworten. Viel häufiger erlebe ich, dass die Bibel mich zu Fragen anregt. Je länger ich über einen Bibeltext nachdenke, desto wackliger werden meine Ant­worten und desto zahlreicher meine Fragen. „Lieber gute Fragen als fertige Antworten“ weiterlesen

One Cheer for Competition? – Eine Replik auf «Gelebte Gnade: Weiterführende Wege eröffnen»

Vielleicht der Lauf-Wettkampf schlechthin: Teilnehmer des Badwater-Ultramarathon. Foto: Seaman Michael Lindsey, USN

Der Beitrag von Daniel Eschbach hat mir so gut gefallen, dass er mich zu einer kritischen Replik angeregt hat. „One Cheer for Competition? – Eine Replik auf «Gelebte Gnade: Weiterführende Wege eröffnen»“ weiterlesen

GELEBTE GNADE: Weiterführende Wege öffnen

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zu Lukas 1,5-25

Der von Manfred Marquardt und Walter Klaiber herausgegebene Grundriss einer Theologie der EMK[1] trägt diesen Titel: Gelebte Gnade. Diese Formulierung umschreibt in meinen Augen genau, was christliches Leben und Glauben prägt bzw. prägen sollte. Einerseits leben wir aus der Gnade Gottes. Wir sind begnadigte Sünder, die sich von Gott in Christus bedingungslos angenommen wissen dürfen. Andererseits sind wir herausgefordert, unseren Mitmenschen mit genau der Gnade zu begegnen, die Gott uns gewährt. „GELEBTE GNADE: Weiterführende Wege öffnen“ weiterlesen

Nobody is perfect

zu Johannes 8,1-11

Niemand ist vollkom­men. Alle machen Fehler, immer wieder. Viele davon passieren uns aus Ungeschick­lichkeit oder Unwis­senheit. Bei anderen wollen wir von Anfang an das Falsche und ma­chen uns schuldig mit dem, was wir tun oder nicht tun. Wir sitzen alle im selben Boot. Für ein gelingendes Miteinander sind wir darauf angewiesen, gelassen und gnädig mit den Fehlern umzugehen, die halt passieren. „Nobody is perfect“ weiterlesen

Gewalt im Namen Gottes?

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zu Psalm 9

Psalm 9 gehört für mich definitiv zu den schwierigen Psalmen. Beim Lesen empfinde ich äusserst Wider­sprüchliches. Einerseits beeindruckt mich der Dank für die Errettung aus Not durch Gott. Das wirkt echt und inspirierend. Der Dichter hat offenbar gründlich nach­ge­dacht und buchstabiert (die Versanfänge folgen dem hebräischen ABC) ausführlich seine Dankbarkeit gegenüber Gott. Das finde ich ausge­spro­chen lobens- und nachahmenswert. Andererseits melde ich überzeugt Widerspruch an, wenn der Beter Gott für die Vernichtung und Zertrüm­merung des Feindes dankt. „Gewalt im Namen Gottes?“ weiterlesen