Doppelter Wohnsitz

Bi­bel­text: Phil­ip­per 3,20

Wo sind Sie zu Hau­se? Ein Bünd­ner, der seit Jah­ren in der Re­gi­on Zü­rich wohnt, sag­te mir ein­mal: “Ich woh­ne hier. Aber wirk­lich zu Hau­se bin ich in Chur.” An­de­re ha­ben ganz of­fi­zi­ell zwei Wohn­sit­ze. Man trifft sie zum Bei­spiel im Zen­trum von Städ­ten. Sie sa­gen: „Ich ha­be hier nur mei­nen zwei­ten Wohn­sitz. Mein ers­ter Wohn­sitz, mei­ne Hei­mat, ist auf dem Land oder in den Ber­gen. Wäh­rend der Wo­che bin ich hier, aber am Wo­chen­en­de zieht es mich nach Hau­se. Dort le­be ich so rich­tig auf.“

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GASTBEITRAG: ‘Seid wachsam!’

Pho­to by Mu­rat On­der on Unsplash

von Pfr. Chris­toph Schluep, Re­gen­bo­gen­kir­che EMK Zü­rich 2

Bi­bel­text: Mar­kus 13,33–37

Die An­dacht heu­te ist aus dem 13. Ka­pi­tel des Mar­kus-Evan­ge­li­ums. Es ist die gros­se End­zeit­re­de, die ei­ner­seits et­was ver­wir­rend ist und Angst macht, an­de­rer­seits aber auch ei­ne ge­wis­se Ak­tua­li­tät hat. Oh­ne zu re­cher­chie­ren kann ich mir gut vor­stel­len, dass es nicht we­ni­ge Apo­ka­lyp­ti­ker in den Kir­chen gibt, die in Co­ro­na den An­fang des En­des se­hen. Ob das so ist, wer­den wir bald se­hen.  Un­ser Text ist das En­de des Ka­pi­tels, die Fort­set­zung ist der An­fang der Pas­si­ons­ge­schich­te

33 Gebt acht, bleibt wach! Denn ihr wisst nicht, wann der Zeit­punkt da ist.  
34 Es ist wie bei ei­nem Men­schen, der aus­ser Lan­des ging: Er ver­liess sein Haus, gab sei­nen Knech­ten Voll­macht, je­dem sei­ne Auf­ga­be, und dem Tür­hü­ter be­fahl er, wach­sam zu sein.  
35 Seid al­so wach­sam, denn ihr wisst nicht, wann der Herr des Hau­ses kommt: ob am Abend oder um Mit­ter­nacht oder beim Hah­nen­schrei oder am frü­hen Mor­gen, 
36 da­mit er, wenn er auf ein­mal kommt, euch nicht schla­fend fin­de.  
37 Was ich aber euch sa­ge, das sa­ge ich al­len: Seid wach­sam!

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GASTBEITRAG: ‘Ihr irrt sehr!’

Pho­to by Evan Den­nis on Unsplash

von Pfr. Chris­toph Schluep, Re­gen­bo­gen­kir­che EMK Zü­rich 2

Bi­bel­text: Mar­kus 12,13–27

13 Und die Leu­te von Je­ru­sa­lem schi­cken ei­ni­ge von den Pha­ri­sä­ern und den He­ro­dia­nern zu Je­sus, um ihm ei­ne Fang­fra­ge zu stel­len.  
14 Und sie kom­men und sa­gen zu ihm: Meis­ter, wir wis­sen, dass du der Wahr­heit ver­pflich­tet bist und auf nie­man­den Rück­sicht nimmst; denn du ach­test nicht auf das An­se­hen der Per­son, son­dern lehrst den Weg Got­tes, wie es rich­tig ist. Ist es er­laubt, dem Kai­ser Steu­ern zu zah­len, oder nicht? Sol­len wir zah­len oder nicht zah­len?  
15 Er aber kann­te ih­re Heu­che­lei und sag­te zu ih­nen: Was stellt ihr mich auf die Pro­be? Bringt mir ei­nen De­nar, da­mit ich ihn an­se­he!  
16 Und sie brach­ten ihm ei­nen. Da sagt er zu ih­nen: Wes­sen Bild und In­schrift ist das? Sie sag­ten zu ihm: Des Kai­sers.  
17 Da sag­te Je­sus zu ih­nen: Gebt dem Kai­ser, was des Kai­sers ist, und Gott, was Got­tes ist! Und sie wun­der­ten sich sehr über ihn. 

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Für wen lebe ich?

Pho­to by Kier­an Os­born on Unsplash

Bi­bel­text: Rö­mer 14,7–8

‘Dank’ Co­ro­na be­kom­men wir in die­sen Wo­chen vor­ge­führt, wie sehr wir da­zu nei­gen, die Be­dürf­nis­se des In­di­vi­du­ums zu Las­ten der Ge­mein­schaft zu be­to­nen. Dar­um fällt es uns al­les an­de­re als leicht, zu Guns­ten der Ge­mein­schaft auf in­di­vi­du­el­le Frei­hei­ten zu ver­zich­ten. Wir sind schon ziem­lich selbst­ver­liebt. Wie oft wird zum aus­schlag­ge­ben­den Argument:„Hauptsache, es stimmt für mich!“, ganz un­ab­hän­gig da­von, was ge­ra­de zur De­bat­te steht! — Na­tür­lich ist das nicht nur schlecht. Es gab Zei­ten, in de­nen die Be­dürf­nis­se der ein­zel­nen Men­schen zu we­nig be­ach­tet wur­den und vie­le un­ter die Rä­der ka­men. Aber zur Zeit schlägt das Pen­del wohl eher auf die an­de­re Sei­te aus. — Da klingt dann doch ziem­lich fremt, was Pau­lus in Rö­mer 14,7–8 schreibt: „Denn un­ser kei­ner lebt sich sel­ber, und kei­ner stirbt sich sel­ber. Le­ben wir, so le­ben wir dem Herrn; ster­ben wir, so ster­ben wir dem Herrn. Dar­um: wir le­ben oder ster­ben, so sind wir des Herrn.“

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GASTBEITRAG: Wunder

Bild­quel­le: https://oraciontaizecadiz.wordpress.com/

von Pfr. Chris­toph Schluep, Re­gen­bo­gen­kir­che EMK Zü­rich 2

Bi­bel­text: Mar­kus 8,1–9

Bei der Ge­schich­te von der Spei­sung der 4000 ist Vie­les ganz aus­ser­ge­wöhn­lich:

Zum ei­nen steht nur zwei Ka­pi­tel vor­her die Ge­schich­te der Spei­sung der Fünf­tau­send. Sie wird hier fast wört­lich wie­der­ge­ge­ben. Schlaue Theo­lo­gen spre­chen ger­ne von ei­ner Dop­pel­über­lie­fe­rung, dh. ei­ne Ge­schich­te wird zwei­mal se­pa­rat über­lie­fert, weil sie nicht ganz iden­tisch sind. Nie­mand merkt es, nur wir, 2000 Jah­re spä­ter, weil wir so ge­scheit sind. Aber das ist na­tür­lich Un­sinn: Mar­kus wuss­te sehr wohl, dass er ein fast iden­ti­sches Wun­der  kurz vor­her er­zählt hat. Das Aus­ser­ge­wöhn­li­che dar­an ist nun nicht mehr die Ver­meh­rung des Bro­tes — je­deR Le­se­rIn weiss, dass Je­sus das kann. Aus­ser­ge­wöhn­lich ist, dass die Jün­ger es of­fen­bar nicht be­grif­fen ha­ben. Sie sind das zwei­te Mal eben­so sprach­los und ideen­frei wie das ers­te Mal. Das scheint mir der geist­li­che Clou die­ser Ge­schich­te zu sein. 

Ein wei­te­re Ge­sichts­punkt ist die Selbst­ver­ständ­lich­keit des Wun­ders: Je­sus dankt nur, und dann ist viel mehr da, als be­nö­tigt wird. Wie es ge­schieht, wird nicht er­zählt. Dass es je­man­dem auf­ge­fal­len wä­re, auch nicht. Es pas­siert ein­fach so, als wä­re es all­täg­lich. 

Und schliess­lich: Die­se Ge­schich­te er­in­nert mich auf ei­ne fast schon scho­ckie­ren­de Art an die Zeit, in der wir ge­ra­de le­ben: Aus nichts wird sehr, sehr viel, und wir wis­sen nicht, wie es ge­schieht. Nicht Brot, aber Tod. 

Drei Ge­dan­ken­an­stös­se zu drei Ge­sichts­punk­ten: 

1. Wie oft müs­sen wir et­was er­le­ben, be­vor wir es glau­ben kön­nen bzw. es so tief in un­se­re See­le hin­ein­sinkt, dass wir ein nächs­tes Mal dar­auf ver­trau­en kön­nen? Wie oft muss uns Gott hel­fen oder ei­nen Weg zei­gen, bis wir in der nächs­ten Sack­gas­se nicht wie­der ver­zagt und hoff­nungs­los vor dem Berg ste­hen, son­dern uns ver­trau­ens­voll an Je­sus wen­den, weil wir glau­ben und er­fah­ren ha­ben und wis­sen, dass er hilft? Viel­leicht wä­re das heu­te Hil­fe zur Hoff­nung: Hat er dich je hän­gen­las­sen? 

2. Je­sus dankt, und aus fast nichts wird sehr viel. Nun, ich kann kein Brot ver­meh­ren, aber ich kann dan­ken. Und se­hen, was ich wirk­lich ha­be und nicht bloss ver­mis­sen, was mir fehlt. Das macht mein Le­ben reich. Es bleibt aber die Auf­ga­be des Ver­tei­lens: Je­sus macht nicht Brot für sich, son­dern für die an­de­ren. Auch mein Brot ge­hört nicht nur mir. Was ich dan­kend als Ga­be Got­tes er­ken­ne, ist im­mer auch ei­ne Ga­be Got­tes an mich — durch mich — für an­de­re. 

3. Wer je ge­zwei­felt hat, ob Brot sich über­haupt ver­meh­ren kann und ob die­se Ge­schich­te nicht ein­fach ein Am­men­mär­chen ist, merkt jetzt, wie we­nig es wirk­lich braucht, da­mit plötz­lich al­les still­steht, weil die un­hei­li­ge Ver­meh­rung nicht mehr zu stop­pen ist. Oder hät­te je­mand von uns ge­dacht, dass wir noch Zeu­gIn­nen ei­ner mo­der­nen Pest wer­den? Die­se Ge­schich­te gibt mir aber trotz­dem Hoff­nung: Wo vie­le viel brau­chen und nichts mehr ha­ben, da teilt Je­sus aus. Wann und wie weiss ich auch nicht, aber ich weiss:  „Da sagt Je­sus zu den Jün­gern: Das Volk tut mir leid.“ (Mar­kus 8,2). Das bringt das Bild oben zum Aus­druck — et­was kit­schig viel­leicht, aber nicht min­der wahr. 

Lebendige Hoffnung

Bi­bel­text: 1.Petrus 1,3

„Ge­lobt sei Gott, der Va­ter un­se­res Herrn Je­sus Chris­tus, der uns nach sei­ner gros­sen Barm­her­zig­keit wie­der­ge­bo­ren hat zu ei­ner le­ben­di­gen Hoff­nung durch die Auf­er­ste­hung Je­su Chris­ti von den To­ten.“ – Ein Un­ge­tüm von ei­nem Satz am An­fang des 1. Pe­trus­brie­fes. Mich fas­zi­niert dar­an im­mer wie­der das Stich­wort ‘le­ben­di­ge Hoff­nung’. — Wie steht es um un­se­re Hoff­nung?

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GASTBEITRAG — Echt sein (Authentizität)

von Pfr. Chris­toph Schluep, Re­gen­bo­gen­kir­che EMK Zü­rich 2

Bi­bel­text: Mar­kus 7,1–15

Je­sus sagt: “Nichts, was von aus­sen in den Men­schen hin­ein­geht, kann ihn un­rein ma­chen, son­dern was aus dem Men­schen her­aus­kommt, das ist es, was den Men­schen un­rein macht.” 

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GASTBEITRAG: Es ging ein Mensch in die Kirche

Bi­bel­text: Lu­kas 18,9–14

von Pfr. Ro­bert Seitz; aus sei­nem Buch: ‘So weit der Him­mel ist — Ho­ri­zont-Er­wei­te­run­gen’, S. 182

Es ging ein Mensch in die Kir­che,
um sei­nem Gott na­he zu sein.
Er be­zeich­ne­te sich sel­ber als ei­nen Gläu­bi­gen.
In sei­nem Auf­tre­ten war er ein le­ben­di­ger Vor­wurf
für die Un­gläu­bi­gen um ihn her­um.
Er stand da in der Kir­che und
lob­te sei­nen Gott mit er­ho­be­nen Ar­men.
Mit sei­nen Lie­dern er­hob er ihn zum Sie­ger
über al­le sei­ne Fein­de.
Er fühl­te sich ent­rückt in die Ge­gen­wart des All­mäch­ti­gen
und oh­ne dass er es wuss­te,
kreis­te er wie ein Pla­net um sich sel­ber.
Die En­gel aber wa­ren in Sor­ge und flüs­ter­ten ein­an­der zu:
“Wenn er doch nur et­was we­ni­ger das Wort ich ge­brau­chen wür­de!
Hat nicht un­ser Er­lö­ser Chris­tus im Ge­bet, das er uns lehr­te,
die­ses Wort kein ein­zi­ges Mal ge­braucht?”

Aber der Mensch be­te­te wei­ter und sag­te:
“Ich dan­ke dir, Gott, dass ich nä­her bei dir bin.
Ich bin kein Ein­bre­cher und ho­mo­se­xu­ell bin ich auch nicht.
Ich bin kein So­zi­al­be­zü­ger. son­dern ich ar­bei­te.
Ich fas­te zwei­mal die Wo­che mit et­was Obst und es­se Knob­lauch.
Ich bin dar­um ge­sün­der ge­blie­ben als an­de­re Leu­te.
Ich ge­be von mei­nem Ein­kom­men un­ge­fähr den Zehn­ten
für gu­te Zwe­cke und ich neh­me kei­ne Klein­kre­di­te auf.”

Und wäh­rend er be­te­te, hiel­ten sich die En­gel ih­re Oh­ren zu
und sag­ten zu­ein­an­der:
„Jetzt hat er schon wie­der zehn Mal ich ge­sagt.“
Und Ga­bri­el schlug vor:
“Die­ses Ge­bet über­tra­gen wir nicht an höchs­te Stel­le.”

Und ein Ar­mer stand da und hat­te nur sei­ne in­ne­re Ar­mut.
Sta­tio­nen aus sei­nem Le­ben tauch­ten auf in sei­nem Ge­dächt­nis.
Und er brach­te die Wor­te kaum hör­bar über sei­ne Lip­pen:
“Gott, dei­ne Lie­be ist mei­ne letz­te Ret­tung.
Sieh mei­ne Ar­mut und nimm mich an.“
Und die En­gel wa­ren sich ei­nig:
“Das über­tra­gen wir mit Freu­de live.”


Die Angst muss weichen

Bi­bel­text: Lu­kas 24,1–11, 36–43

… in der Angst ge­fan­gen

Ei­gent­lich soll­te Os­tern ein Tag sein, an dem gilt:“Freu­de herrscht!‘ So aber war es nicht von An­fang an. Erst ge­gen Abend kam Freu­de auf. Vor­her re­gier­ten am Os­ter­tag, wie die Be­rich­te der Evan­ge­li­en zei­gen, Angst, Trau­er und Zwei­fel. Die Frau­en hat­ten den Jün­gern zwar er­zählt, dass Je­sus le­be. Beim Le­sen dünkt ei­nem, das hät­ten sie doch glau­ben kön­nen. Schliess­lich hat­te Je­sus vor­her oft da­von ge­spro­chen, dass er lei­den und ster­ben, da­nach aber auf­er­ste­hen wer­de. Doch das woll­te den Jün­gern nicht wie­der in den Sinn kom­men. Sie wa­ren am Os­ter­mor­gen von Kar­frei­tag her noch to­tal im Aus­nah­me­zu­stand. Sie hat­ten Angst, dass sie auch ge­fan­gen ge­nom­men und ge­tö­tet wer­den könn­ten. Sie wuss­ten über­haupt nicht, was sie als Nächs­tes tun soll­ten. So­lan­ge war Je­sus bei ih­nen ge­we­sen. Er hat­te ih­nen im­mer ge­hol­fen, wenn sie nicht mehr wei­ter­wuss­ten. Doch jetzt war er weg. Al­le hat­ten zwar ge­wusst, was für ein gu­ter Mensch er ge­we­sen war. Doch ge­schick­te das das Miss­trau­en zwi­schen Pi­la­tus und He­ro­des aus­nüt­zend hat­ten Je­su Geg­ner es ge­schafft, dass Je­sus ans Kreuz ge­schla­gen wur­de. Da­mit war es auch für die Jün­ger ge­fähr­lich ge­wor­den. Des­halb hat­ten sie Angst. — Angst kann ei­nen ein­mau­ern wie ein Ge­fäng­nis. Und dann sieht man nicht mehr drü­ber, sieht nicht mehr, was auch noch ist und kann nicht mehr an ein Wun­der glau­ben.

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