Trauer verwandeln

Bibel­text: Johannes 16,20

In den Abschied­sre­den nach Johannes ver­sucht Jesus seine Jün­gerin­nen und Jünger vorzu­bere­it­en: Auf das Unvorstell­bare, das in seinem Weg in den Tod geschehen wird. Auf Angst. Auf Trauer. Auf Verzwei­flung. Es sind Reden voller Warn­hin­weise. So zum Beispiel jen­er in Johannes 16,20: „Amen, ich ver­sichere euch: Ihr werdet jam­mern und weinen, und die Welt wird sich freuen. Ihr werdet trau­rig sein; doch ich sage euch: Eure Trauer wird sich in Freude verwandeln.“

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Liebe zu Christus zeigen

Lukas 7,36–50

Predigt am 28.08.2022 in der EMK Adliswil

Darstel­lung aus dem EMK Bildersaal

Nacherzäh­lung von Lukas 7,36–50

Irgend­wo am See Genezareth in Galiläa find­et ein Emp­fang statt. Die wichti­gen Leute des Dor­fes sind ein­ge­laden, ‚natür­lich‘ damals auss­chliesslich Män­ner. Dabei ist auch Jesus, der vom Volk so gefeierte Wan­der­predi­ger. Man will die Gele­gen­heit nutzen, ihm ein wenig auf den Zahn zu fühlen. Gast­ge­ber ist Simon, ein Phar­isäer. Er ist ein wohlhaben­der und ange­se­hen­er Mann. Man sagt ihm echte Fröm­migkeit nach.

Plöt­zlich — der Haupt­gang wurde ger­ade serviert — betritt eine Frau den Fest­saal. Sie sucht Jesus und tritt von hin­ten an ihn her­an. Er liegt, wie die anderen auch, auf die Ell­bo­gen gestützt am Tisch. Die Füsse streckt er nach hin­ten aus.

Was will die Frau bloss hier? Merkt sie nicht, dass sie völ­lig fehl am Platz ist? Falls ja, ist es ihr egal. Jet­zt hat sie ein Fläschchen in der Hand. Es sieht teuer aus. Wie Par­fum. Was will sie damit? Ihre Hände zit­tern. Offen­bar will ihr nicht gle­ich gelin­gen, was sie vor hat. Und das bringt sie aus der Fas­sung. Sie weint heftig. Ihre Trä­nen tropfen Jesus auf die Füsse …

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getröstet bzw. bei Trost sein

Johannes 14,15–27

Predigt am Pfin­gst­son­ntag, 05.06.2022 in der EMK Adliswil

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Liebe Gemeinde,

„bist Du eigentlich nicht mehr ganz bei Trost?“ – Es war kein gutes Zeichen, wenn meine Mut­ter mich das zu fra­gen müssen glaubte. Dann hat­te ich etwas  Uner­laubtes, Gefährlich­es oder Ver­rück­tes vor … oder wom­öglich schon getan. Laut Duden bedeutet ‚nicht bei Trost sein: Ver­wirrt sein oder ver­rückt sein. Ich brauche die Redewen­dung kaum, würde direk­ter fra­gen: ‚Spinnsch eigentlich?‘ oder: ‚Het’s dir is Hirni gschneit?‘Als Reden­sarten geläu­figer sind mir z.B.: Einen Sprung in der Schüs­sel haben; nicht ganz dicht sein; nicht alle Tassen im Schrank haben …. — Umgekehrt bedeutete ‚bei Trost sein‘: Klar sehen; bei klarem Ver­stand sein; ratio­nal denken kön­nen. Seit Jesus am Kreuz gestor­ben war, waren seine Jün­gerin­nen und Jünger nicht mehr bei Trost. Die Oster­erschei­n­un­gen hat­ten zwar die Trauer über­wun­den, hat­ten sie trösten kön­nen. Aber sie blieben vor­läu­fig ver­wirrt. Wie soll­ten sie sich in der neuen Sit­u­a­tion ori­en­tieren? Sie blieben unsich­er, wussten nicht recht, was und vor allem wie sie es tun sollten.

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Gnade als Herausforderung

Matthäus 20,1–16

Predigt in der EMK Adliswil am Son­ntag, 01.05.2022

alle paar Jahre ein­mal fällt wie heute der 1. Mai auf einen Son­ntag. Was Schü­lerIn­nen und Arbeit­nehmerIn­nen wom­öglich frus­tri­ert (→‘Aus­fall‘ eines Feiertags), ist Arbeit­ge­berIn­nen vielle­icht willkom­men. Und ob die Gew­erkschaften so mehr oder weniger Mühe haben, Leute für ihre Kundge­bun­gen zu rekru­tieren, kann ich nicht beurteilen.

Was machen wir als Kirche, als Chris­ten mit diesem Feiertag, dem ‚Tag der Arbeit‘? Es ist ja kein christlich­er Feiertag. Von sein­er Entste­hung her trägt er vielle­icht sog­ar kirchenkri­tis­che und reli­gion­skri­tis­che Züge. Doch die Anliegen von mehr sozialer Gerechtigkeit, von Annäherung zwis­chen reich und arm, von ‚gle­ich­er Lohn für gle­iche Arbeit‘ etc. müssten auch Kirchen und Chris­ten wichtig sein. Immer­hin wer­den sie von der Bibel deut­lich unterstützt.

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Auferstanden — schwer zu glauben

Predigt in der EMK Adliswil am Oster­son­ntag, 17.04.2022

der älteste Oster­bericht der Evan­gelien hörte ursprünglich so auf, wie wir es in der Schriftle­sung gehört haben: „Da gin­gen sie (die Frauen) hin­aus und flo­hen weg vom Grab, denn sie waren starr vor Angst und Entset­zen. Und sie sagten nie­man­dem etwas, denn sie fürchteten sich“ (Mk 16,8). Darin spiegelt sich etwas davon, wie schw­er die Aufer­ste­hungs­botschaft zu fassen ist. Sie liegt ja ganz ausser­halb unseres üblichen Wahrnehmungs- und Erfahrung­shor­i­zontes. Ausser­dem steck­ten Jesu Jün­gerIn­nen in ein­er tiefen Depression.

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Die sieben Worte Jesu am Kreuz

Predigt in der EMK Adliswil am Kar­fre­itag, 15.04.2022

Bibel­texte: Johannes 19,26–30; Lk 23,34.43.46; Mk 15,34

Die let­zten Worte, die ein Men­sch vor seinem Tod gesagt hat, erhal­ten in der Erin­nerung der Ange­höri­gen gerne ganz beson­deres Gewicht. Im Rück­blick erscheint bisweilen ein ganzes Lebenswerk darin zusam­menge­fasst. Let­zte Worte wer­den als Ver­mächt­nis zitiert und prä­gen so die Erin­nerung der Nach­welt. — Kar­fre­itag ist der Gedenk­tag des Ster­bens Jesu. Auch von ihm sind let­zte Worte über­liefert. Alle vier Evan­gelien zitieren, was er im Ster­ben zulet­zt noch sagte. Sie bericht­en allerd­ings nicht das gle­iche. Es sind ins­ge­samt sieben let­zte Sätze Jesu, die uns über­liefert wer­den. Welch­er davon nun tat­säch­lich der Let­zte war, wis­sen wir nicht. Aber zusam­men kann man sie als Ver­mächt­nis Jesu ver­ste­hen. Es sind Sätze, die das Geschehen auf Gol­gatha deuten und dabei ver­schiedene Aspek­te des Heils­geschehens aufzeigen. Ich will heute diesen sieben let­zten Worten Jesus am Kreuz ent­langge­hen und mich dabei an die Rei­hen­folge hal­ten, die eine alte kirch­liche Tra­di­tion vorgibt.

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Jesus nachfolgen

Predigt in der EMK Adliswil am 20.03.2022

Bibel­texte: Lukas 9,57–62

‘wer A sagt, muss auch B sagen!‘ So drück­en wir reden­sartlich aus, dass unser Han­deln und Erleben seine Kon­se­quen­zen hat. Das gilt auch für den Bere­ich des Glaubens: Viele, die Jesus begeg­neten, erfuhren zunächst Zus­pruch oder erlebten Heilung. „Dein Glaube hat Dir geholfen!“, sagte er zu vie­len. Doch danach ging es weit­er. Sie hörten dann auch: „Sündi­ge von nun an nicht mehr!“, oder: „Folge mir nach!“

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… also schämt euch nicht!

Predigtrei­he EVANGELIUM VI

Bibel­texte: Römer 1,16

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in den Kriegen zwis­chen Israel unter König Saul und den Philis­tern hat­ten let­ztere die Bun­deslade gestohlen. Der ver­gold­ete Holzkas­ten, der die Tafeln mit Gottes Geboten enthielt, war der heilig­ste Besitz des Volkes. Etliche Jahre später kam die Bun­deslade zurück nach Jerusalem. 2.Sam 6 erzählt, wie das vor sich ging. Für David, erst seit kurzem König über Israel, war e eine ganz grosse Sache. Er liess es sich nicht nehmen, den Umzug per­sön­lich anzuführen. Bek­lei­det nur mit einem Priester­schurz, tanzte er den ganzen Weg vor der Bun­deslade her. Und zwar nicht gesit­tet, zurück­hal­tend, wie es sich für den König geziemt hätte. Son­dern voller Hingabe, voller Lei­den­schaft, oder wie die Luther­bibel über­set­zt: „David tanzte mit aller Macht vor dem Her­rn her!“ Sein­er Frau Michal hinge­gen war es höchst pein­lich, wie David sich – wie sie fand – vor dem ganzen Volk zum Affen machte. Sie schämte sich in Grund Boden. David hinge­gen erk­lärte, dass er sich gerne klein machen wolle, solange es der Ehre Gottes diene.

„ … also schämt euch nicht!“

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Für alle

Predigtrei­he EVANGELIUM V

Bibel­texte: Matthäus 11.28–30; Markus 2,17; Koloss­er 3,11

mit Psalm 23 (eben gehörtes bzw. gesun­ge­nes Lied) knüpfen wir an, wo wir vor ein­er Woche aufge­hört haben: Der gute Hirte weicht nicht von Dein­er Seite, geht Dir nach, begleit­et dich … sog­ar, ja ger­ade in den dunkel­sten und tief­sten Tälern Deines Lebenswegs. DU BIST NIE ALLEIN! Das ist eine der guten Nachricht­en Gottes für Dich. Genau­so (→ The­men der vor­ange­hen­den Son­ntage) gilt für Dich: Du bist gewollt und geliebt. — Du bist, so wie du bist, Gottes Bild. – Verän­derun­gen (Wende zum Besseren bzw. Guten) sind möglich.
Das ist Evan­geli­um pur! Es gilt. Für dich. Ganz per­sön­lich. Darauf kannst Du Dein Leben, Deine Gedanken, Deine Gefüh­le, Deinen Glauben abstützen und auf­bauen. — Wenn Du das erfahren hast, Feuer gefan­gen hast für das Evan­geli­um Christi, sein­er Botschaft ver­trauen willst, dann ist als näch­ster Schritt wichtig: Begreifen (und danach han­deln), dass es nicht nur Dir, son­dern allen Men­schen gilt. Das Evan­geli­um ist eine zwar sehr per­sön­liche gute Nachricht. Aber sie ist nicht pri­vat. Wir sind beauf­tragt, die Botschaft mit anderen zu teilen. Wir sollen Men­schen begreifen und erleben lassen, dass das Evan­geli­um auch ihnen gilt. Es gibt keine Aus­nahme. – Wir sollen ‚fro­hbotschaften‘ (Ich verzichte auf das belastete und deshalb vor allem ausser­halb der Kirche missver­ständliche Wort ‚evan­ge­lisieren‘). Froh-Botschaf­terIn­nen sollen und kön­nen wir sein, im Namen und Auf­trag Christi.

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Nie allein

Predigtrei­he EVANGELIUM IV

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Bibel­texte: Psalm 23,4; Matthäus 28,18–20

jed­er dritte Haushalt in der Schweiz ist ein Ein­per­so­n­en­haushalt. D.h. Ende 2020 lebte ein guter Sech­s­tel (→ 17%) der CH-Bevölkerung allein. Ist das nun ein Zeichen, dass Indi­vid­u­al­is­mus und Ego­is­mus über­hand nehmen? Nicht wenige leben doch frei­willig allein. Oder wer­den dahin­ter andere Zusam­men­hänge sicht­bar? Sehr viele wollen näm­lich gar nicht allein wohnen. Son­dern die Umstände haben sie in diese Sit­u­a­tion gezwun­gen. Weil der Part­ner bzw. die Part­ner­in gestor­ben ist oder zu krank/schwach ist. Weil eine Beziehung in die Brüche gegan­gen ist. Weil die beru­fliche Sit­u­a­tion nur eine Fern­beziehung oder Woch­enen­de­he erlaubt. Weil man nie­man­den gefun­den hat, mit dem oder der man zusam­men­leben kann und will …
Und sich­er ist: Sog­ar Men­schen, die frei­willig und gerne allein wohnen, wollen nicht ein­sam sein. Ein soziales Netz brauchen und suchen alle. Doch längst nicht immer find­en sie das auch. Und dann lei­den sie unter Ein­samkeit. Die ist schon länger zu einem Massen­phänomen gewor­den. Die Pan­demie hat dies noch ver­stärkt. Aktuell gibt etwa ein Drit­tel der Men­schen, die in der CH wohnen, an, dass sie unter Ein­samkeits­ge­fühlen lei­den (Notabene: Das sind fast dop­pelt so viele wie Allein­lebende!). Beson­ders gefährdet sind offen­bar Jugendliche und Senior­In­nen, dazu Migran­tInnen. – Ein­samkeit oder die Angst davor ken­nen die meis­ten Leute. Den­noch ist es ein Tabuthe­ma. Schliesslich: Nur Ver­liererIn­nen fühlen sich ein­sam. Das ist die unaus­ge­sproch­ene, aber wei­thin dominierende Mei­n­ung. – So ist Ein­samkeit – auch wegen der Tabuisierung — ein gross­es Prob­lem. Man kann sog­ar von ein­er Volk­skrankheit reden.

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