wer von uns hätte gewagt, was David tat? Goliath entgegenzutreten? Sich ihm zu stellen? Es geht heute um Mut. Wir müssen zwar – Gott sei Dank – nicht Mut im Kampf auf Leben und Tod aufbringen. Dennoch: Mutig vorwärts gehen – das soll ein Wert unserer Gemeinde sein. — Ist das auch so? Sind wir wirklich mutig? Nicht oft vielmehr vorsichtig? Zaudernd? Vielleicht sogar ängstlich? Ist es nicht oft eher ein Wunsch oder ein Traum als Wirklichkeit, dass wir mutig vorwärts gehen?
„Nehmt mein Joch auf Euch!“, sagt Jesus. „denn mein Joch drückt nicht und meine Last ist leicht!“ (vgl. Grusswort). Das klingt gut, verlockend! Aber …? Wir alle sind auch schon auf Werbeslogans hereingefallen. Und Jesu Wort klingt in unseren Ohren irgendwie schon nach Werbung. Kann das stimmen? Eine Last, die leicht ist und die man gerne trägt? Wie gross ist die Belastung wirklich? Ich erlebe, dass Leben und Glauben beileibe nicht immer ‚leicht‘ gehen: Worauf man als Christ:in alles achten sollte. Die schrägen Blicke von Mitmenschen, wenn man ihnen vom Engagement in der Kirche erzählt. Schicksalsschläge, vor denen Glaubende nicht gefeit sind. Und die Energie, die es dann braucht, am Vertrauen und an verheissungsvollen biblischen Zusagen festzuhalten… Engagiert und überzeugt mit Christus zu leben, braucht durchaus Energie. Es kann zur Last werden, zur schweren Last. Dabei hätte ich doch schon mehr als genug damit zu tun, den gewöhnlichen Alltag zu organisieren und sinnvoll zu gestalten. Dann noch die Erwartungen der Mitchrist:innen. Und nie hat es in der Kirche mehr als ‚knapp genug‘ Mitarbeiter:innen.
Ostern bedeutet einen, ja den Machtwechsel schlechthin: Vom Tod zum Leben; von der Verzweiflung zur Hoffnung; von Lethargie und Resignation zum Aufbruch. In den Geschäften findet der Machtwechsel jeweils schon etliche Wochen früher statt, nicht gerade tiefgreifend, aber augenfällig: Spätestens Ende Februar verschwinden Mandarinen, Erdnüsse und Fasnachtschüechli aus den Regalen. Plötzlich regieren Schoggihasen und Ostereier. Ich erschrecke zwar Jahr für Jahr, wenn gefühlt noch mitten im Winter die Dekoration ganz auf Frühling wechselt. Aber ich feiere gerne den Machtwechsel von Ostern. Den Sieg des Lebens über den Tod
als Schriftlesung haben wir gehört, wie das Jh-Ev die Geschichte des Karfreitags erzählt. Es setzt dabei im Vergleich mit den anderen Evangelien ganz eigene Akzente. Vielleicht fällt das so beim Zuhören gar nicht auf. Wenn man die Berichte von Jh und die anderen drei nebeneinander hält, ist es aber offensichtlich: Jh erzählt positiver, hoffnungsvoller. Er hat sich entschieden, seinen Bericht ganz vom Sieg an Ostern her zu gestalten. Dagegen erzählen Mt, Mk und Lk, als wüssten sie noch nicht um das ‚Happy End‘. Ihre Berichte sind geprägt vom Leiden Christi (und der Jünger:innen) im Moment des Geschehens.- Ich versuche heute in der Predigt den Ton des Jh-Ev aufzunehmen.
Über dem Gekreuzigten liess Pilatus eine Tafel anbringen. Wie auch Mt erwähnt, stand darauf: ‘Jesus von Nazareth, der König der Juden’. Auf Lateinisch heisst das: ‚Iesus Nazarenus Rex Iudaeorum‘. Die Anfangsbuchstaben dieser Worte ergeben das INRI, das auf vielen Passionsbildern zu sehen ist. Das war also die Begründung, weshalb Jesus am Kreuz hing. Weil er ‘der König der Juden’ war.
unsere Zeit kennt eine Unzahl von Stars und Sternchen. Viele von ihnen möchten sogar Super-Star sein. Entsprechend aufwändig inszenieren sie ihre Auftritte und ihre Präsenz auf SocialMedia. Sie suchen Fans und Follower. Je mehr, desto besser. Viele Stars und Superstars suchen Berühmtheit und Applaus. Viele Magazine und Sendungen drehen sich nur um die im Rampenlicht. Bei SRF wird zwar ‚Geschichten & Gesichter‘ (früher: Glanz & Gloria) abgesetzt. Dennoch: Stars sind ein auffälliges Phänomen unserer Zeit. In der biblischen Geschichte, die zum heutigen Palmsonntag, gehört, legt Jesus einen ganz besonderen Auftritt hin. Man ist zwar nicht ganz sicher, ob er diesen gesucht hat. Oder ob er mehr von den Jünger:innen dazu gedrängt worden ist. Aber die Geschichte erinnert schon an einen Starauftritt.
‚Lass dir an meiner Gnade genügen, denn meine Kraft ist im Schwachen mächtig‘ Paulus hat das geschrieben. Vermutlich contre Coeur. Denn auch Paulus wünschte sich sicher nicht, schwach zu sein. Das wünscht sich niemand. Nein! Menschen wollen stark sein, nicht schwach. Sie wollen gewinnen und nicht knapp am Siegerpodest vorbeischrammen. Sie wollen selbstbestimmt und unabhängig entscheiden können. Sie wollen den Schwachen helfen. Sie wollen nicht selbst schwach, hilfsbedürftig und abhängig sein. Dennoch kennen alle auch Erfahrungen und Momente der Schwäche. Ich meine jetzt nicht die Erschöpfung, wenn man ein Ziel erreicht hat. Dann ist man bei aller Müdigkeit auch zufrieden und dankbar. Sondern ich meine: K.o. sein, wenn man alles gegeben und doch nichts erreicht hat. Wie sich ein Burnout anfühlt: Die Kraft ist weg. Und sie bleibt weg. Womit auch Zuversicht, Ideen, Motivation fehlen. So geht es einem Fussballer im Moment, da das Spiel um den Ligaerhalt verloren und der Abstieg unvermeidbar geworden ist. Von solcher Schwäche schreibt Paulus.
wir wollen die Liebe Gottes erfahren und leben. Das ist der Daseinszweck oder das Ziel oder eben die Vision unseres Gemeindebezirks. Vor vier Wochen haben wir uns im Gottesdienst mit dieser Formulierung auseinandergesetzt. Wir haben sie mit konkreten Erfahrungen zu füllen versucht. Das ist auch nötig. Schliesslich ist die Formulierung doch recht allgemein. Heute setzen wir uns ein erstes Mal mit einem der Werte auseinander, die zur Vision gehören. Die Werte sind spezifischer, sind konkreter als die Vision. Sie geben Antwort auf die Frage: Wie sorgen wir dafür – oder: was können wir wenigstens dazu beitragen — , dass Menschen in der Gemeinde die Liebe Gottes erfahren und leben? Die Antwort heute, d.h. ein erster Wert heisst: Inklusion.
wir glauben hoffnungsvoll. Weil Christus auferstanden ist und so alles, was das Leben einschränkt, überwunden hat, stirbt die Hoffnung nie. Unser Glaube ist voller Hoffnung, macht den Mitmenschen Hoffnung … etc. So habe ich am letzten Sonntag formuliert. Davon nehme ich nichts zurück. Hoffnung soll unseren Glauben prägen und formen. Genau so ist. Die Crux liegt wie so oft bei ‚Richtigkeiten‘ des Glaubens in ihrer Umsetzung: Wie schaffen wir das? Woher nehmen wir die Kraft, hoffnungsvoll zu glauben? Mein Glaube äussert sich oft weniger im Statement: „Ich glaube hoffnungsvoll!“ Sondern im Hilferuf: „Ich glaube, Herr, hilf meinem Unglauben!“ (vgl. Mk 9,24) Dann träume ich davon, dass mein Glaube stark wäre, viel stärker, als er oft ist. Nicht, weil ich mal einen Tag lang ein frommer Superheld sein möchte. Auch nicht, weil ich Berge versetzen möchte. Ok, ich ärgere mich manchmal schon, wieviel Sonne die Albiskette Adliswil am Nachmittag und Abend wegnimmt. Aber die Hügel deshalb wegbeten? Da würde ja auch viel verloren gehen…. Doch Spass beiseite: Ich stelle mir vor, dass mit einem stärkeren Glauben Vieles etwas leichter gehen könnte.
von der Tagung ‚Bunt glauben‘ am vorletzten Sa habe ich zwei Sätze mitgenommen. Zunächst: Die Gnade hat das letzte Wort. — Egal wo, egal wie. Die Gnade hat das letzte Wort! Das charakterisiert unseren Glauben. Auch viele andere Ideologien, Philosophien und Religionen kennen Gnade. Aber sie geben der Gnade nicht das letzte Wort. Christ:innen schon: Die Gnade hat das letzte Wort!
Das begründet den zweiten Satz, den ich seit vorletztem Samstag mit mir trage: Wir glauben hoffnungsvoll. Dieser Satz stammt aus einer Arbeit des Bildungszentrums Bienenberg. Sie formulierte in 13 Thesen, wie (wohlgemerkt: Wie, nicht was) Christ:innen heute glauben können. Diese Thesen gruppieren sich in vier Themenbereiche, nämlich: 1. Wir glauben Jesus; 2. Wir glauben gemeinschaftlich; 3. Wir glauben engagiert; und eben – das hat es mir besonders angetan- 4. Wir glauben hoffnungsvoll!
Hoffnung gehört nach Paulus neben Glaube und Liebe zu den grossen, bleibenden drei (vgl. 1. Kor 13,13). Spätestens seit der Auferstehung Christi gehört Hoffnung zum Kern unseres Glaubens. Glaube an Christus ist hoffnungsvoll, macht Hoffnung, steckt andere mit Hoffnung ein. Dabei ist zu unterstreichen: Wir reden hier nicht nur von der Hoffnung auf die Vollendung irgendwann am Ende. Das Bildungszentrum Bienenberg ist renommiert für seine Friedenstheologie, Konfliktforschung und Versöhnungsarbeit. Darum versteht es die Hoffnung diesseitig: Gott will das Beste für die Welt und seine Menschen. Er will diese Welt in einen friedlicheren Ort transformieren. Dafür engagiert er sich … und wir hoffentlich auch.
der erste ‚normale‘ Gottesdienst im neuen Jahr: Endlich! Festtage vorbei! Ökumene geschafft! Jetzt wieder so, wie wir es gewohnt sind! – Wenn das heute Ihre Erwartungen sind, werden sie zunächst enttäuscht sein. ‚Normal‘ wird es heute nicht. Aber ich hoffe, Sie kommen darüber hinweg und lernen schätzen, was wir heute und von nun an ca. monatlich versuchen. Im BeVo ist die Idee entstanden, dass wir mehr miteinander ins Gespräch kommen möchten über das, was wir glauben. Dass wir miteinander teilen, was uns Vertrauen, Hoffnung und Freude gibt. Und so – natürlich mit Gottes Hilfe — unsere Sprachfähigkeit im Blick auf den Glauben beleben. – Darum werden wir immer wieder Gottesdienste dialogisch, d.h. im Gespräch gestalten. So wollen wir zunächst Vision und Werte unseres Bezirks mit Leben zu füllen. Gerne möchten wir so etwas von den Erfahrungen und Entdeckungen für alle greifbar machen, die uns als BeVo beleben. Die uns motivieren und Freude am Glauben wecken.