Loslassen

Predigt zu Markus 10,17–27 in der EMK Adliswil am 04.05.2025

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Liebe Gemeinde,

„Nehmt mein Joch auf Euch!“, sagt Jesus. „denn mein Joch drückt nicht und meine Last ist leicht!“ (vgl. Gruss­wort). Das klingt gut, ver­lock­end! Aber …? Wir alle sind auch schon auf Werbeslo­gans hereinge­fall­en. Und Jesu Wort klingt in unseren Ohren irgend­wie schon nach Wer­bung. Kann das stim­men? Eine Last, die leicht ist und die man gerne trägt? Wie gross ist die Belas­tung wirk­lich?
Ich erlebe, dass Leben und Glauben beileibe nicht immer ‚leicht‘ gehen: Worauf man als Christ:in alles acht­en sollte. Die schrä­gen Blicke von Mit­men­schen, wenn man ihnen vom Engage­ment in der Kirche erzählt. Schick­salss­chläge, vor denen Glaubende nicht gefeit sind. Und die Energie, die es dann braucht, am Ver­trauen und an ver­heis­sungsvollen bib­lis­chen Zusagen festzuhal­ten… Engagiert und überzeugt mit Chris­tus zu leben, braucht dur­chaus Energie. Es kann zur Last wer­den, zur schw­eren Last. Dabei hätte ich doch schon mehr als genug damit zu tun, den gewöhn­lichen All­t­ag zu organ­isieren und sin­nvoll zu gestal­ten. Dann noch die Erwartun­gen der Mitchrist:innen. Und nie hat es in der Kirche mehr als ‚knapp genug‘ Mitarbeiter:innen.

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Machtwechsel

Predigt zu Philip­per 2,6–11 in der EMK Adliswil am 20.04.2025 (Ostern)

Liebe Gemeinde,

Ostern bedeutet einen, ja den Machtwech­sel schlechthin: Vom Tod zum Leben; von der Verzwei­flung zur Hoff­nung; von Lethargie und Res­ig­na­tion zum Auf­bruch. In den Geschäften find­et der Machtwech­sel jew­eils schon etliche Wochen früher statt, nicht ger­ade tief­greifend, aber augen­fäl­lig: Spätestens Ende Feb­ru­ar ver­schwinden Man­dari­nen, Erd­nüsse und Fas­nachtschüech­li aus den Regalen. Plöt­zlich regieren Schog­gi­hasen und Ostereier. Ich erschrecke zwar Jahr für Jahr, wenn gefühlt noch mit­ten im Win­ter die Deko­ra­tion ganz auf Früh­ling wech­selt. Aber ich feiere gerne den Machtwech­sel von Ostern. Den Sieg des Lebens über den Tod

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INRI — König der Juden

Predigt zu Johannes 19,16–30 in der EMK Adliswil am Kar­fre­itag 18.04.2025

Liebe Gemeinde,

als Schriftle­sung haben wir gehört, wie das Jh-Ev die Geschichte des Kar­fre­itags erzählt. Es set­zt dabei im Ver­gle­ich mit den anderen Evan­gelien ganz eigene Akzente. Vielle­icht fällt das so beim Zuhören gar nicht auf. Wenn man die Berichte von Jh und die anderen drei nebeneinan­der hält, ist es aber offen­sichtlich: Jh erzählt pos­i­tiv­er, hoff­nungsvoller. Er hat sich entsch­ieden, seinen Bericht ganz vom Sieg an Ostern her zu gestal­ten. Dage­gen erzählen Mt, Mk und Lk, als wüssten sie noch nicht um das ‚Hap­py End‘. Ihre Berichte sind geprägt vom Lei­den Christi (und der Jünger:innen) im Moment des Geschehens.- Ich ver­suche heute in der Predigt den Ton des Jh-Ev aufzunehmen.

Über dem Gekreuzigten liess Pila­tus eine Tafel anbrin­gen. Wie auch Mt erwäh­nt, stand darauf: ‘Jesus von Nazareth, der König der Juden’. Auf Lateinisch heisst das: ‚Iesus Nazarenus Rex Iudae­o­rum‘. Die Anfangs­buch­staben dieser Worte ergeben das INRI, das auf vie­len Pas­sions­bildern zu sehen ist. Das war also die Begrün­dung, weshalb Jesus am Kreuz hing. Weil er ‘der König der Juden’ war.

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Superstar Jesus?

Predigt zu Lukas 19,28–40 in der EMK Adliswil am 13.04.2025

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Liebe Gemeinde,

unsere Zeit ken­nt eine Unzahl von Stars und Sternchen. Viele von ihnen möcht­en sog­ar Super-Star sein. Entsprechend aufwändig insze­nieren sie ihre Auftritte und ihre Präsenz auf Social­Me­dia. Sie suchen Fans und Fol­low­er. Je mehr, desto bess­er. Viele Stars und Super­stars suchen Berühmtheit und Applaus. Viele Mag­a­zine und Sendun­gen drehen sich nur um die im Ram­p­en­licht. Bei SRF wird zwar ‚Geschicht­en & Gesichter‘ (früher: Glanz & Glo­ria) abge­set­zt. Den­noch: Stars sind ein auf­fäl­liges Phänomen unser­er Zeit.
In der bib­lis­chen Geschichte, die zum heuti­gen Palm­son­ntag, gehört, legt Jesus einen ganz beson­deren Auftritt hin. Man ist zwar nicht ganz sich­er, ob er diesen gesucht hat. Oder ob er mehr von den Jünger:innen dazu gedrängt wor­den ist. Aber die Geschichte erin­nert schon an einen Starauftritt.

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Kraft in der Schwachheit (aus dem Vollen schöpfen III)

Predigt zu 2. Korinther 12,9 in der EMK Adliswil am 23.03.2025

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Liebe Gemeinde,

‚Lass dir an mein­er Gnade genü­gen, denn meine Kraft ist im Schwachen mächtig‘ Paulus hat das geschrieben. Ver­mut­lich con­tre Coeur. Denn auch Paulus wün­schte sich sich­er nicht, schwach zu sein. Das wün­scht sich nie­mand. Nein! Men­schen wollen stark sein, nicht schwach. Sie wollen gewin­nen und nicht knapp am Siegerpodest vor­beis­chram­men. Sie wollen selb­st­bes­timmt und unab­hängig entschei­den kön­nen. Sie wollen den Schwachen helfen. Sie wollen nicht selb­st schwach, hil­fs­bedürftig und abhängig sein. Den­noch ken­nen alle auch Erfahrun­gen und Momente der Schwäche. Ich meine jet­zt nicht die Erschöp­fung, wenn man ein Ziel erre­icht hat. Dann ist man bei aller Müdigkeit auch zufrieden und dankbar. Son­dern ich meine: K.o. sein, wenn man alles gegeben und doch nichts erre­icht hat. Wie sich ein Burnout anfühlt: Die Kraft ist weg. Und sie bleibt weg. Wom­it auch Zuver­sicht, Ideen, Moti­va­tion fehlen. So geht es einem Fuss­baller im Moment, da das Spiel um den Lig­aer­halt ver­loren und der Abstieg unver­mei­d­bar gewor­den ist. Von solch­er Schwäche schreibt Paulus.

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INKLUSION: Einander annehmen, wie Christus uns angenommen hat

Impuls I über Römer 15,7 zu den Werten der EMK Adliswil am 09.02.2025

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Liebe Gemeinde,

wir wollen die Liebe Gottes erfahren und leben. Das ist der Dasein­szweck oder das Ziel oder eben die Vision unseres Gemein­de­bezirks. Vor vier Wochen haben wir uns im Gottes­di­enst mit dieser For­mulierung auseinan­derge­set­zt. Wir haben sie mit konkreten Erfahrun­gen zu füllen ver­sucht. Das ist auch nötig. Schliesslich ist die For­mulierung doch recht all­ge­mein. Heute set­zen wir uns ein erstes Mal mit einem der Werte auseinan­der, die zur Vision gehören. Die Werte sind spez­i­fis­ch­er, sind konkreter als die Vision. Sie geben Antwort auf die Frage: Wie sor­gen wir dafür – oder: was kön­nen wir wenig­stens dazu beitra­gen — , dass Men­schen in der Gemeinde die Liebe Gottes erfahren und leben? Die Antwort heute, d.h. ein erster Wert heisst: Inklusion.

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Kleines hat Potenzial (aus dem Vollen schöpfen II)

Predigt zu Markus 4,30–32 in der EMK Adliswil am 02.022025

Liebe Gemeinde,

wir glauben hoff­nungsvoll. Weil Chris­tus aufer­standen ist und so alles, was das Leben ein­schränkt, über­wun­den hat, stirbt die Hoff­nung nie. Unser Glaube ist voller Hoff­nung, macht den Mit­men­schen Hoff­nung … etc.
So habe ich am let­zten Son­ntag for­muliert. Davon nehme ich nichts zurück. Hoff­nung soll unseren Glauben prä­gen und for­men. Genau so ist. Die Crux liegt wie so oft bei ‚Richtigkeit­en‘ des Glaubens in ihrer Umset­zung: Wie schaf­fen wir das? Woher nehmen wir die Kraft, hoff­nungsvoll zu glauben? Mein Glaube äussert sich oft weniger im State­ment: „Ich glaube hoff­nungsvoll!“ Son­dern im Hil­fer­uf: „Ich glaube, Herr, hilf meinem Unglauben!“ (vgl. Mk 9,24)
Dann träume ich davon, dass mein Glaube stark wäre, viel stärk­er, als er oft ist. Nicht, weil ich mal einen Tag lang ein from­mer Super­held sein möchte. Auch nicht, weil ich Berge ver­set­zen möchte. Ok, ich ärg­ere mich manch­mal schon, wieviel Sonne die Albiskette Adliswil am Nach­mit­tag und Abend weg­n­immt. Aber die Hügel deshalb weg­beten? Da würde ja auch viel ver­loren gehen…. Doch Spass bei­seite: Ich stelle mir vor, dass mit einem stärk­eren Glauben Vieles etwas leichter gehen könnte.

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Es hat genug (aus dem Vollen schöpfen I)

Predigt zu Markus 6,34–44 in der EMK Adliswil am 26.01.2025

Liebe Gemeinde,

von der Tagung ‚Bunt glauben‘ am vor­let­zten Sa habe ich zwei Sätze mitgenom­men. Zunächst: Die Gnade hat das let­zte Wort. — Egal wo, egal wie. Die Gnade hat das let­zte Wort! Das charak­ter­isiert unseren Glauben. Auch viele andere Ide­olo­gien, Philoso­phien und Reli­gio­nen ken­nen Gnade. Aber sie geben der Gnade nicht das let­zte Wort. Christ:innen schon: Die Gnade hat das let­zte Wort!

Das begrün­det den zweit­en Satz, den ich seit vor­let­ztem Sam­stag mit mir trage: Wir glauben hoff­nungsvoll. Dieser Satz stammt aus ein­er Arbeit des Bil­dungszen­trums Bienen­berg. Sie for­mulierte in 13 The­sen, wie (wohlge­merkt: Wie, nicht was) Christ:innen heute glauben kön­nen. Diese The­sen grup­pieren sich in vier The­men­bere­iche, näm­lich: 1. Wir glauben Jesus; 2. Wir glauben gemein­schaftlich; 3. Wir glauben engagiert; und eben – das hat es mir beson­ders ange­tan- 4. Wir glauben hoffnungsvoll!

Hoff­nung gehört nach Paulus neben Glaube und Liebe zu den grossen, bleiben­den drei (vgl. 1. Kor 13,13). Spätestens seit der Aufer­ste­hung Christi gehört Hoff­nung zum Kern unseres Glaubens. Glaube an Chris­tus ist hoff­nungsvoll, macht Hoff­nung, steckt andere mit Hoff­nung ein. Dabei ist zu unter­stre­ichen: Wir reden hier nicht nur von der Hoff­nung auf die Vol­len­dung irgend­wann am Ende. Das Bil­dungszen­trum Bienen­berg ist renom­miert für seine Frieden­s­the­olo­gie, Kon­flik­t­forschung und Ver­söh­nungsar­beit. Darum ver­ste­ht es die Hoff­nung dies­seit­ig: Gott will das Beste für die Welt und seine Men­schen. Er will diese Welt in einen friedlicheren Ort trans­formieren. Dafür engagiert er sich … und wir hof­fentlich auch.

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Gottes Liebe erfahren und leben

Impuls zur Vision der EMK Adliswil am 12.01.2025

Grund­stein der EMK Bülach

Liebe Gemeinde,

der erste ‚nor­male‘ Gottes­di­enst im neuen Jahr: Endlich! Fest­tage vor­bei! Ökumene geschafft! Jet­zt wieder so, wie wir es gewohnt sind! – Wenn das heute Ihre Erwartun­gen sind, wer­den sie zunächst ent­täuscht sein. ‚Nor­mal‘ wird es heute nicht. Aber ich hoffe, Sie kom­men darüber hin­weg und ler­nen schätzen, was wir heute und von nun an ca. monatlich ver­suchen. Im BeVo ist die Idee ent­standen, dass wir mehr miteinan­der ins Gespräch kom­men möcht­en über das, was wir glauben. Dass wir miteinan­der teilen, was uns Ver­trauen, Hoff­nung und Freude gibt. Und so – natür­lich mit Gottes Hil­fe — unsere Sprach­fähigkeit im Blick auf den Glauben beleben. – Darum wer­den wir immer wieder Gottes­di­en­ste dial­o­gisch, d.h. im Gespräch gestal­ten. So wollen wir zunächst Vision und Werte unseres Bezirks mit Leben zu füllen. Gerne möcht­en wir so etwas von den Erfahrun­gen und Ent­deck­un­gen für alle greif­bar machen, die uns als BeVo beleben. Die uns motivieren und Freude am Glauben wecken.

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Anfang und Ende

Offen­barung 7,9–12

Predigt am 25.12.2024 (Wei­h­nacht­en) in der EMK Adliswil

Liebe Gemeinde,

es ist Wei­h­nacht­en gewor­den. Das Warten ist zu Ende. Jet­zt ist es da. Jet­zt ist er da. Gott ist Men­sch gewor­den. Das ist die Wei­h­nachts­botschaft. Bedeutet sie nun das Ende des Wartens oder der Anfang von etwas Neuem? Begin­nt etwas oder kommt etwas ans Ziel? Unsere Antwort auf diese Frage bee­in­flusst, wie wir unseren Glauben leben. Gehen wir auf etwas zu oder kom­men wir von etwas her? Vielle­icht ist die Antwort auch ein wenig eine Frage des Typs. Die einen fokussieren gerne auf Ziele, streben Neues an und gehen auf etwas zu. Anderen aber ist wichtig, woher sie kom­men. Was sie bish­er geprägt hat. Und sie bauen ihre Iden­tität eher darauf auf.

Was ist Euch wichtiger? Was ihr schon erre­icht habt (Aus­bil­dung, Beruf, Fam­i­lie, Häuschen, Herzens­bil­dung, Glauben, Erfahrung), oder was noch kommt (Sich entwick­eln, Ziele steck­en, Kar­riere machen, Verän­derun­gen wagen, Gaben ent­fal­ten)? – Ver­mut­lich hat auch das Alter einen Ein­fluss darauf, auf welche Seite man neigt. Den­noch ist es mehr als eine Alters­frage. Wir alle ken­nen bei­der­lei Men­schen: Solche, die vor allem von Früherem reden, erzählen und begrün­den wie wir dahin gekom­men sind, wo wir sind. Und andere, die vor allem von Hoff­nun­gen und Träu­men, von Möglichkeit­en und Zie­len reden.

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